12.02.2012 · Hessen hinkt bei der Nutzung der Windenergie nach wie vor hinter zahlreichen anderen Bundesländern her. Im Ländervergleich liegt es nur auf Platz zehn.
Von Manfred Köhler, FrankfurtHessen hinkt bei der Nutzung der Windenergie nach wie vor hinter zahlreichen anderen Bundesländern her. Nach Angaben des Deutschen Windenergie-Instituts in Wilhelmshaven wurden im vergangenen Jahr in Hessen zwar Windräder mit einer Leistung in Höhe von 99 Megawatt installiert. Allerdings liegt das Land mit seinen gesamten Anlagen, die jetzt eine Leistung von 687 Megawatt haben, nur auf dem zehnten Platz und damit nicht nur weit hinter den Küstenländern, sondern auch zum Beispiel hinter Rheinland-Pfalz und Thüringen, also benachbarten Bundesländern mit ähnlichen Windverhältnissen.
Die von dem Institut vorgelegten Zahlen zeigen zugleich, wie weit der Weg noch bis zu jenen 28 Terawattstunden Strom ist, die nach den Plänen des Landes, wie sie auf dem Energiegipfel im vergangenen Jahr beschlossen wurden, spätestens im Jahr 2050 in Hessen jährlich mit Windkraft erzeugt werden sollen. Nach einer Überschlagsrechnung des Deutschen Windenergie-Instituts ließen sich mit den gegenwärtig in Hessen vorhandenen Rotoren in einem Jahr, in dem der Wind durchschnittlich weht, gerade einmal ungefähr 1,09 Terawattstunden produzieren, also nur ein Bruchteil dessen, was erreicht werden soll. Für 28 Terawattstunden wäre eine Vervielfachung der jetzt installierten Leistung vonnöten; das heißt, es müssen noch Hunderte oder Tausende Windräder zusätzlich aufgestellt werden.
Wie viele es genau sind, vermag niemand zu sagen. Das hessische Umweltministerium gibt an, zu den gegenwärtig 700 Windrädern in Hessen müssten noch 1500 hinzukommen. Wenn allerdings 700 Räder nur gut eine Terawattstunde Strom erzeugen, 2200 Räder jedoch 28 Terawattstunden produzieren sollen, geht dies nur über weitaus leistungsfähigere Anlagen, etwa mit höheren Masten und einer größeren Spannweite der Rotoren.
Zuletzt hatte der Frankfurter Energiekonzern Mainova bekanntgegeben, in der Nähe von Dillenburg drei Windräder mit einer Leistung von jeweils 2,5 Megawatt errichten zu lassen, die allein schon eine Höhe von 190 Metern haben; der Kölner Dom zum Beispiel bringt es nur auf 160 Meter. Das Umweltministerium legt seiner Berechnung aber nicht solche Windräder mit 2,5 Megawatt Leistung zugrunde, sondern nimmt an, dass eines Tages an allen 2200 Standorten Anlagen mit sogar sieben Megawatt Leistung stehen. Der Durchschnitt der Leistung neu installierter Anlagen lag im vergangenen Jahr bei 2,2 Megawatt, hat sich allerdings stetig erhöht; vor zehn Jahren hatte er gerade 1,2 Megawatt betragen.
Um die Akzeptanz der Windkraft und anderer Formen der erneuerbaren Energien zu erhöhen, hat das hessische Umweltministerium eine „Informations- und Akzeptanzinitiative“ bekannt gegeben, zu der Zeitungsanzeigen gehören. Im Abschlussbericht des Energiegipfels ist von verschiedenen Vorhaben die Rede, die Einwohner Hessens vor allem vom Nutzen der Windkraft zu überzeugen. So sollen die Energieversorger ihren Kunden anbieten, sich finanziell am Aufstellen und an der Rendite von Windkraftanlagen zu beteiligen. Die Mainova hatte dies schon für die drei Windräder nahe Dillenburg angeboten. Als Ziel gilt, dass Windräder auf zwei Prozent der Landesfläche aufgestellt werden. Die Landesregierung hat zuletzt eine Karte vorgelegt, die zeigt, wo der Wind so kräftig weht, dass ein Aufstellen von Windrädern sinnvoll erscheint.