17.02.2012 · Wohnungen und Pflegeplätze, Kita und Verwaltungssitz: Bald werden die Bauten des Caritasverbands an der Leonhardskirche mit Leben erfüllt.
Von Stefan Toepfer, FrankfurtNur noch zwei der 25 Wohnungen sind frei, wie ein Aushang an der Eingangstür zum „Lebenshaus“ verrät. Der Rest ist vermietet, manche Wohnung in dem Gebäude vis-á-vis der Leonhardskirche ist sogar schon bewohnt. In den nächsten Monaten sollen auch die anderen Teile des großen Bauprojekts des Caritasverbands mit Leben erfüllt werden: Ende März sollen die 120 Mitarbeiter in die neue Zentrale des katholischen Wohlfahrtsverbands einziehen, im April sollen die 36 Pflegeplätze im „Lebenshaus“ vergeben sein, im Mai soll die Kindertagesstätte eröffnet werden.
Caritasdirektor Hartmut Fritz zeigte sich bei einem Rundgang über die Baustelle zufrieden damit, dass eine lange und intensive Planungs- und Bauphase ihrem Ende entgegengeht. Besonders wichtig an dem Caritaszentrum St. Leonhard ist ihm, dass Menschen verschiedener Schichten und unterschiedlichen Alters unter einem Dach wohnen und dass das Quartier rund um die Leonhardskirche belebt wird.
Vier der 25 Wohnungen sind Sozialwohnungen, einige andere sind hochpreisige Maisonettewohnungen. Die Wohnungen sind 60 bis 150 Quadratmeter groß. Die Pflegestationen befinden sich in zwei Stockwerken mit jeweils 18 Zimmern und sind durch Fenster und Türen mit dem Wohntrakt verbunden. Für die Pflegebedürftigen ist viel Platz in Gemeinschaftsräumen. Diese öffnen sich mittels großer Fenster und Balkone zur umliegenden Wohnbebauung. Im Erdgeschoss gibt es eine Cafeteria für alle Bewohner und Mieter. Sie kann auch für Veranstaltungen gemietet werden.
Der Innenhof, den „Lebenshaus“, Caritas-Zentrale und Kita umschließen, ist zur Buchgasse hin offen und lässt auf der gegenüberliegenden Seite den Blick zum Karmeliterkloster frei. „Der Hof soll ein Teil des öffentlichen Raums sein“, so Fritz. Ein Sozialarbeiter soll sich um die Hausgemeinschaft kümmern, aber auch Kontakte in das Quartier hinein aufbauen.
In der Caritas-Zentrale ist Platz für 120 Mitarbeiter der Verwaltung und zentraler Beratungsstellen, die der Verband nun in dem neuen Gebäude ansiedeln kann. Die Giebel an beiden Seiten dieses Trakts nehmen die Architektur des unmittelbar benachbarten Karmeliterklosters im Westen und des auf der anderen Seite des Römerbergs liegenden Hauses am Dom auf.
Die Baukosten beziffert Fritz insgesamt auf rund 22 Millionen Euro. Das „Lebenshaus“ kostet 12,5 Millionen Euro, davon entfallen fünf Millionen Euro auf den Pflegetrakt. Diesen hat die Stadt mit 3,45 Millionen Euro bezuschusst. Geld der Stadt ist auch in den Bau der Kita geflossen, die insgesamt 1,4 Millionen Euro kostet. Das Verwaltungs- und Beratungsgebäude schlägt mit 8,6 Millionen Euro zu Buche. Auf dem Gelände, das teils dem Caritasverband und teils dem Gesamtverband der Katholischen Kirchengemeinden gehört, standen schon zuvor die Caritaszentrale, eine Kita und ein Altenheim. Dieses Heim genügte den Anforderungen der Altenhilfe nicht mehr. „Wir wollten aber kein reines Altenheim mehr bauen oder Seniorenwohnungen, sondern die Pflege ins Leben integrieren“, sagt Fritz. So kam es zur Neuplanung des gesamten, rund 3900 Quadratmeter großen Areals, von denen rund 3100 bebaut wurden.
Auf dem Gelände steht auch ein Treppenturm aus der Renaissance. Er wird derzeit restauriert. Er soll denselben Putz bekommen wie die Leonhardskirche und mit Hilfe von Führungen öffentlich zugänglich sein, wie Fritz schildert. Ein kleiner Torbogen am Turm sei nach Absprache mit dem Denkmalamt wegen der Bauarbeiten abgetragen und eingelagert worden und werde auch wieder aufgestellt. Ein Blick in den Turm ist auch aus dem Foyer des „Lebenshauses“ möglich.
Zur Buchgasse hin soll es im Erdgeschoss ein Informationsangebot und einen Treffpunkt für Menschen geben, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, auch für Jugendliche in der Berufsfindungsphase. „Wir wollen Lust machen auf soziales Engagement“, sagt Fritz.