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Planspiel für Schüler Auf der politischen Bühne

 ·  Schüler des Carl-Schurz-Gymnasiums aus Frankfurt lernen spielend den Alltag eines Politikers kennen.

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Es ist im Grunde eine tief melancholische Erkenntnis: Das Leben im Allgemeinen und die Politik im Besonderen sind nichts anderes als ein großes Schauspiel. Wer die Rolle eines Politikers spielen will, muss sich nach einem speziellen Drehbuch richten und subtile Regieanweisungen auf Anhieb verstehen. So gesehen, sind die Schüler des Carl-Schurz-Gymnasiums an diesem Tag im Hessischen Landtag hervorragende Akteure. In einem Planspiel, das der Landtag in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung veranstaltet, sollen die Neunt- und Zehntklässler den Alltag eines Politikers kennenlernen. Im Zeitraffer werden sie das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren durchspielen und nach weniger als sieben Stunden die Klaviatur so gut beherrschen, dass sie fast als Jungparlamentarier durchgehen könnten.

Die beherrschende Erfahrung, die sie nach kurzer Zeit machen, ist ernüchternd. Politik besteht zum Großteil aus Verfahren. Nachdem sich die 103 „Abgeordneten“ in fünf Fraktionen aufgeteilt und in einer konstituierenden Sitzung des Landtags die wichtigsten Ämter vergeben haben, geht es zügig in den Fraktionen weiter. Im Sitzungsraum der gelben „Freiheitspartei“ wird eine Gesetzesinitiative zum Thema Schulreform beraten. Der sechzehnjährige Mirko Wohlfahrt ist gerade erst zum Fraktionsvorsitzenden gewählt worden und muss die Diskussion in die richtige Bahn lenken, damit am Ende der knapp bemessenen Zeit ein respektabler Antrag auf dem Tisch liegt. Unterstützung erfährt er dabei von einem der fünf Mentoren des Planspiels. Sie sollen die „neugewählten“ Abgeordneten in die Regeln des Politikbetriebes einweisen. Schon längst im Ruhestand, betreut er seit acht Jahren das Planspiel mit. Er sagt Sätze, die für einen politisch Interessierten und erst recht für einen Politiker selbstverständlich sind. Für die ambitionierten Schüler allerdings weniger: „Anträge der Regierungsfraktionen sind anzunehmen, Anträge der Opposition generell abzulehnen“, sagt der Kenner des Betriebes. Und den Koalitionspartner gelte es behutsam zu behandeln. Ihm müsse man auch mal Zugeständnisse machen. Als die Fraktion das Thema Religionsunterricht anschneidet, interveniert Bauer: „Reizthemen für den Koalitionspartner sind vorsichtig zu behandeln.“ Er empfiehlt, bei diesen Themen möglichst „schwammig“ und vage zu bleiben. Schließlich noch die Ermahnung an die Fraktionsdisziplin: „Fraktionen müssen geschlossen abstimmen, wenn nicht, dann belastet das die Fraktion ungemein.“

Am Ende des Tages sind viele skeptisch

Solche taktischen Grundsätze stoßen in der Runde der jungen Idealisten denn doch auf Widerspruch. Wie steht es mit der freien Meinung? Als Abgeordneter sei man doch primär seinem Gewissen verpflichtet. Bauer kontert lapidar: „Ihr wollt doch an der Regierung bleiben, oder?“ Die Fraktion hat verstanden. Und ihr Vorsitzender auch. Mirko Wohlfahrt sagt nach der Sitzung, für ihn sei es vor allem um die Fraktion gegangen. Noch eine Regieanweisung des Betreuers für die Plenarsitzung: „Klatschen nur für die Koalitionsfraktionen“.

Die Schüler haben sich kaum auf diesen Tag vorbereiten können, umso erstaunlicher ist, wie sie ihre Rollen darbieten. Nach weiteren Sitzungen in den Fraktionen und in den Ausschüssen treffen alle wieder zur abschließenden Plenarsitzung am späten Nachmittag zusammen. Der Duktus der Redner, ihre Gestik am Rednerpult, die Zwischenrufe aus den Fraktionen - all das wirkt wie eine perfekte Kopie des Originals.

Am Ende des Tages sind viele skeptisch. Auch Mirko Wohlfahrt: „Politik besteht wohl nur aus Prinzipien. Die eigene Meinung geht bei dem ganzen Stress irgendwie verloren.“ Eine mögliche Lösung für das Problem mit der Meinungsäußerung und dem Fraktionszwang gibt am Ende einer der Organisatoren dieses Tages: „Wenn man als Abgeordneter anderer Meinung ist als die Fraktion, kann man ja auf die Toilette gehen. Oder so.“

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Von Matthias Alexander

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