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Pflegebranche Fehler im System

Vom Mangel an Pflegekräften profitieren Zeitarbeitsfirmen. Sie verleihen ihre Mitarbeiter, um personelle Engpässe zu überbrücken. Darunter leidet zuweilen die Qualität in der Pflege.

© ZB Gut aufgehoben? Eine Mitarbeiterin führt eine pflegebedürftige Frau über einen Gang. Eine Folge des Mangels an Pflegekräften ist, dass immer mehr Leiharbeiter zum Einsatz kommen.

Iliana Debu erwartet ihre Gäste lieber vor dem Haus. Laut Klingelschild lebt sie auch gar nicht in dem Gebäude mit den Rissen in der Fassade. Ihm zufolge wohnen drei Leute namens „Max Mustermann“ in dem Haus am Stadtrand, das den Charme einer Kaserne versprüht. Der Briefkasten gibt genaueren Aufschluss. Fast 20 Schilder sind dort aufgeklebt. Fast alle Namen klingen osteuropäisch.

Christian Palm Folgen:

Seit Dezember 2010 lebt Debu in Frankfurt. In Wirklichkeit heißt sie anders. Niemand hat sie gebeten, hierher zu kommen, gebraucht wird sie trotzdem. Debu arbeitet als Pflegekraft, als ungelernte Pflegehelferin, um genau zu sein. Was sie bislang erlebt hat, sagt viel aus über eine Branche, in der es gutes Geld zu verdienen gibt, der aber trotzdem die Mitarbeiter fehlen.

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Besser als putzen sei es

Ihr Bruder hatte Debu ermuntert, nach Deutschland zu kommen. Sie dachte, mit dem Geld, das sie hier verdienen würde, könnte sie ihre Tochter unterstützen, die in Rumänien Medizin studiert. Und sie dachte, in Deutschland funktionierten die Gesetze. Mittlerweile ist sie sich da nicht mehr so sicher. „Wie eine Sklavin“ habe sie sich gefühlt als Zeitarbeitnehmerin in der Pflege. Dabei fing alles ganz vielversprechend an.

Eine Bekannte vom Sprachkurs hatte der Endvierzigerin geraten, sich in einem Pflegeheim zu bewerben. Die suchten immer Leute und zahlten nicht schlecht, sagte sie. Besser, als für fünf Euro Stundenlohn putzen oder bügeln zu gehen, fand Debu die Idee allemal. Obwohl sie nur gebrochen Deutsch sprach, bekam sie schnell einen Job in einem Frankfurter Pflegeheim. Die Einarbeitungszeit war kurz. Nach wenigen Tagen, an denen sie vor allem zuschaute, war sie allein dafür zuständig, alte Menschen aus dem Bett zu bugsieren, sie zu waschen, anzuziehen und ihnen Essen zu geben. Auf Dauer wollte oder konnte sie das Pflegeheim aber nicht beschäftigen. Ihre Bekannte riet ihr dazu, sich bei einer Zeitarbeitsfirma zu bewerben. Wenig später arbeitete sie im gleichen Pflegeheim wie zuvor, allerdings als Angestellte von Medigo, einer Personalservice-Agentur für Pflegeberufe.

Sein Name ist bekannt

Es ist keine Seltenheit, dass Pflegeheime Leiharbeiter beschäftigen, um Personal-Engpässe zu überbrücken. Zum Einsatz kommen vor allem ausgebildete Pfleger, aber eben auch Helferinnen wie Debu. Zwischen 2004 und 2010 habe sich die Zahl der Zeitarbeiter in der Pflege vervierfacht, heißt es in einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Ein Ende dieses Trends ist nicht abzusehen. Wer im Internet nach entsprechenden Stellenanzeigen sucht, findet etliche kleine Unternehmen, die Pfleger für den Einsatz als Leiharbeiter suchen. Junge Männer und Frauen lächeln mögliche Bewerber von den Internetseiten aus an. Sie tragen weiße Kleidung und sehen gut aus, wie die Ärzte im Abendprogramm.

Perparim Murati braucht keine Internetseite, um Mitarbeiter zu finden, sie finden ihn. Über Bekannte und Bekannte von Bekannten melden sie sich bei ihm. Viele in der Pflegebranche kennen seinen Namen, Werbung für sein Unternehmen Medigo hat er nicht nötig. Auch Debu kam über Mundpropaganda zu ihm. Gut 20Pfleger und Pflegerinnen ließen sich zurzeit von ihm vermitteln, sagt er, viele von ihnen auf 400-Euro-Basis. Er sitzt auf dem Sofa einer Neubauwohnung im Viertel Frankfurter Berg und erzählt von seinen Geschäften, während seine Frau Getränke anbietet. Nebenan ist sein Büro, sein wichtigstes Arbeitsgerät ist sein Mobiltelefon, mit dem er seine Angestellten zu den Einsätzen lotst.

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