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Pferdefleisch-Skandal : Regional einkaufen, selbst kochen

  • -Aktualisiert am

Garantiert kein Pferdefleisch: die Metzgerei Hoos weiß, woher ihr Fleisch kommt. Bild: Rosenkranz, Henner

Pferd wurde auch in hessischen Supermärkten als Rindfleisch verkauft. Beim Metzger um die Ecke wäre das wahrscheinlich nicht passiert.

          Gute Metzger wissen, wo Schweine und Rinder, deren Fleisch sie verkaufen, gelebt haben. In der Metzgerei Hoos, Familienbetrieb an der Berger Straße in Frankfurt, liefern Landwirte aus dem Raum Aschaffenburg und vom Vogelsberg das Rindfleisch, die Metzgerei Waibel in Bockenheim erhält es von einem Hofgut im Westerwald. Wenn dort Hoffest ist, chartert das Familienunternehmen schon einmal einen Bus für Kunden, damit sie sich an Ort und Stelle ein Bild machen können. Fleischermeister Oliver Bergmann verbucht dies unter „Vertrauensarbeit und Transparenz“.

          Die hat ihren Preis. 5,85 Euro kostet in dieser Woche bei Waibel das Pfund Rinderhack, bei Hoos sind es 5,40 Euro. Zum Vergleich: Aldi Süd verkauft die 500-Gramm-Packung (“Ideal für Frikadellen und Sauce Bolognese“) für 2,25 Euro - das ist weniger als die Hälfte. Für die Familie, die rechnen muss, stellt sich vermutlich nicht die Frage, wo sie einkauft. Karin Hoos, engagierte Seniorchefin, die mit 66 Jahren noch jeden Tag an der Wursttheke anzutreffen ist, gibt zu: „Es gibt Verbraucher, die können sich unser Geschäft nicht leisten.“ Gleichwohl kauften auch bei ihr viele junge Leute mit Kindern ein. „Dann guckt man halt, was es Schönes gibt, das nicht so teuer ist.“ Außerdem müsse ja nicht jeden Tag Fleisch auf den Tisch. „Der Verbraucher gibt den Weg vor“, sagt Fleischermeister Bergmann, für den der Handel mit die Ursache dafür ist, dass die Industrie „genötigt“ wird, billiges Fleisch auf der ganzen Welt einzukaufen.

          Kennzeichnung nur für unverarbeitetes Fleisch

          Woher es kommt, erfährt der Kunde in der Regel nicht. Verbraucherschützer kritisieren in diesen Tagen vor allem die laxen Kennzeichnungsvorschriften. Selbst wer auf Fertiggerichte verzichtet und mit frischen Zutaten kocht, weiß nicht immer, was auf seinem Teller liegt. Eine Kennzeichnung des Ursprungslandes ist nur für frisches, unverarbeitetes Rindfleisch, für Hühnereier, frischen Fisch und für die meisten Obstsorten vorgeschrieben.

          “Doch sobald nur ein Verarbeitungsschritt stattgefunden hat, entfällt auch hier die Kennzeichnung“, moniert Andrea Schauff, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hessen. Schon der Zusatz von ein wenig Salz (“küchenfertig zubereitet“) reicht nach Angaben der Verbraucherzentrale aus, um den Vorschriften zu entgehen. Immerhin, nach der neuen europäischen Lebensmittelinformationsverordnung muss von Dezember 2014 an auch bei dem Fleisch von Schwein, Schaf, Ziege und Geflügel das Ursprungsland genannt werden, allerdings, wie bisher beim Rind, nur im unverarbeiteten Zustand. Anderes hatte Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) 2011 noch für unmöglich gehalten. Nun will sich Aigner dafür einsetzen, dass die Herkunft von Zutaten auch in verarbeiteten Produkten kenntlich gemacht wird. „Das fordern wir seit Jahren“, sagt Verbraucherschützerin Schauff. „Sonst ist es nur eine halbe Sache.“ Die Hersteller hatten sich dagegen gesperrt mit dem Argument, zu viele Angaben auf der Verpackung führten zur Verwirrung der Verbraucher. Außerdem wechselten die Zutaten in einem globalisierten Markt ständig, weshalb dann immer wieder das Etikett geändert werden müsste. Schauff hält die Herkunftsbezeichnung gleichwohl auch auf zusammengesetzten Lebensmitteln für machbar. Auch beim Mindesthaltbarkeitsdatum handele es sich um eine flexible Angabe auf der Verpackung.

          Regionalfenster für mehr Klarheit

          Klarheit bei regionalen Lebensmitteln könnte demnächst ein neues Regionalfenster bringen (F.A.Z. vom 24. Januar). Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau mit Sitz in Frankfurt und die Marketing-Inititative Gutes aus Hessen haben es im Auftrag des Bundesverbraucherschutzministeriums entwickelt. Das Informationsfeld darf immer dann auf der Verpackung stehen, wenn garantiert ist, dass die Hauptzutaten zu 100 Prozent aus einer klar definierten Region stammen. Angesichts des Pferdefleischskandals mit einer Lieferkette kreuz und quer durch Europa freilich stellt sich die Frage, wie dringend solch ein Informationsfeld ist, das ohnehin freiwillig wäre. Zurzeit läuft ein Test im Handel.

          Grundsätzlich sollten sich Verbraucher nicht scheuen, genau hinzuschauen und gegebenenfalls nachzuhaken. Wer selbst kocht - um so besser. Wer dafür keine Zeit hat, kann auch zum Metzger gehen. Bei Waibel gibt es fertige Lasagne, „garantiert ohne Pferdefleisch“.

          Quelle: F.A.Z.

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