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Petra Roth Schmackes und Herzblut

 ·  Die Bühnen heben Petra Roth zum Abschied in den Himmel.

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Für eine Nacht ist Frankfurts Königin zur Kaiserin aufgestiegen. Zu den Klängen von Johann Strauß’ Kaiserwalzer durfte Petra Roth am Dienstagabend in den siebten und wohl letzten Himmel ihrer politischen Karriere schweben. Möglich gemacht haben dies die Städtischen Bühnen, die in der CDU-Oberbürgermeisterin eine Aufsichtsratsvorsitzende gefunden haben, wie man sie besser wohl nur selten finden kann.

Roth hat Oper und Schauspiel und natürlich auch die Alte Oper während ihrer Amtszeit nach Kräften gefördert und ihnen in schwierigen Situationen den Rücken freigehalten. Lediglich allzu nackte Tatsachen hat sie nicht geduldet. Als einmal zu viel Entblößung auf der Bühne geboten worden war, eilte sie empört zum Intendanten: „So etwas“, ließ sie Bernd Loebe wissen, „möchte ich in meiner Oper nicht mehr sehen.“ Umso lieber sah sie dagegen die vielen Auszeichnungen, die „ihre“ Oper in den vergangenen zehn Jahren eingeheimst hat, und natürlich auch den Aufschwung, der dem Sprechtheater seit 2009 unter Oliver Reese geglückt ist.

Warnungen vor Geldkürzungen

Zum Dank haben Loebe und sein Schauspielkollege, Intendant Reese, ihrer Aufsichtsratschefin und Schirmherrin ein glanzvolles Abschiedsfest gegeben, wie es wohl nur wenigen Persönlichkeiten zuteilwird. Eine solche Ehrung mit Schmackes und Herzblut kann man sich, da hatte Petra Roths Sohn recht, nicht mit Millionen kaufen - man kann sie sich nur verdienen. Ihre besten Sänger und Schauspieler haben die Bühnen aufgeboten, die anrührendsten Arien, die dramatischsten Dialoge und schließlich sogar den rockigsten Strapsen-Mann der Theatergeschichte, den Sweet Transvestite aus der „Rocky Horror Picture Show“.

Als Mitternacht nahte und Loebe sein hohes Lied aufs eigene Haus und seine Warnungen vor möglicherweise drohenden Geldkürzungen beendet hatte, erhoben sich die 700 Gäste aus Kultur, Wirtschaft und Politik und begaben sich in bester Laune ins Opernfoyer, um dort Petra Roths Eintritt ins 68.Lebensjahr zu feiern. Eine dreistöckige Geburtstagstorte rollte an; ihr entstieg - wie zu besten Hollywood-Zeiten - der Schauspieler Christoph Pütthoff, der unter Begleitung der Blechbläser des Opernorchesters Frank Sinatras „My Way“ intonierte.

„Alles ist begrenzt“

Roths Weg, der von Bremen in den Römer führte, hat Bürgermeister Olaf Cunitz in seiner witzigen Geburtstagsrede mit dem Weg der Bremer Stadtmusikanten verglichen. Wie der Esel im Märchen habe sich Roth einst gesagt: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall.“ Mit diesem „Grundoptimismus“ ausgestattet, hat sie sich Cunitz zufolge nie unterkriegen lassen, wie der Esel seine drei Mitmusikanten habe sie ihre Umgebung mitgerissen und den scheinbar festgezimmerten Machtverhältnissen ein Schnippchen geschlagen.

Jetzt, da sich ihre Zeit als Stadtoberhaupt zu Ende neigt, muss sich auch Roth eingestehen: „Alles ist begrenzt.“ Aber noch lange nicht zu Ende. Denn Frankfurts Kaiserin für eine Nacht will noch viele Jahre haben. Und aufhören zu rauchen und zu trinken fällt ihr auch als Oberbürgermeisterin a.D. nicht ein. Sie macht es so, wie sie es will und wie sie es 17Jahre lang getan hat: „I did it my way.“

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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