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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Petra Roth Oberbürgermeisterin auf Jobsuche

 ·  Vom nächsten Frühjahr an ist Petra Roth frei. Die Spekulationen über das künftige Betätigungsfeld von Frankfurts scheidender Rathauschefin haben schon begonnen.

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"Erfahrene Führungskraft, parkettsicher, durchsetzungsstark, belastbar, mit großem nationalem und internationalem Netzwerk sucht neue Aufgabe, bevorzugt im Rhein-Main-Gebiet." So etwa könnte der Text lauten, wenn sich Petra Roth mit einer Anzeige auf Stellensuche begeben müsste. Muss die Frankfurter Oberbürgermeisterin natürlich nicht. Auf Suche nach einer neuen Beschäftigung ist sie allerdings schon, wie sie am Dienstag während der Pressekonferenz zu ihrem vorzeitigen Rückzug frank und frei zugab. Die Stiefmütterchen im heimischen Garten zu gießen werde sie nicht ausfüllen. Und tatsächlich wäre es schade, wenn ihre Kontakte brach lägen.

Stellt sich also die Frage, was Roth nach dem Ende ihrer Amtszeit im Sommer 2012 tun könnte. Über mögliche Vorlieben ließ sie sich nichts entlocken. Mancher Beobachter mutmaßt, dass sie schon ein Angebot vorliegen hat - so entspannt, wie sie ihren Rückzug ankündigte. Ein Wechsel in die Landespolitik, wie ihn ihr Münchener Kollege Christian Ude vollzieht, kommt für sie nicht in Frage. Auch ein Wechsel in die Wirtschaft, wie ihn zuletzt ihr Parteifreund, der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch vollzogen hat, wird es wohl nicht sein. Das entspräche nicht den Neigungen und Talenten Roths, und es wäre schon aus Altersgründen praktisch ausgeschlossen. Roth ist 67 Jahre alt, die meisten großen Unternehmen schicken ihre Vorstände mit 60 in den Ruhestand.

Präsidentin des Goethe-Instituts?

Eher wird sie eine Tätigkeit mit kulturellem Schwerpunkt anstreben. Präsidentin des Goethe-Instituts, das wäre sicher eine Aufgabe, die Roth reizen würde; in Hilmar Hoffmann hatte ein früherer Frankfurter Kulturdezernent diesen Posten einst inne. Allerdings macht Präsident Klaus-Dieter Lehmann seine Sache gut und wird dem Vernehmen nach im nächsten Jahr für eine zweite Amtszeit bestätigt werden.

Auch der Wechsel an die Spitze einer großen Stiftung könnte für Roth reizvoll sein. Der frühere Frankfurter Bürgermeister Joachim Vandreike, der Roth bei der Oberbürgermeisterwahl im Jahr 2001 nur recht knapp unterlegen war, ist diesen Weg gegangen. Er ist Geschäftsführer der BHF-Bank-Stiftung. Roth wird es vermutlich eine Nummer größer wollen. Über passende Vakanzen in der unübersichtlichen Stiftungslandschaft lässt sich allerdings nur schwer spekulieren.

Oder Geschäftsführerposten des Kulturfonds?

Mancher tippt auch auf eine Betätigung auf internationalem Feld, womöglich bei einer Organisation der Vereinten Nationen wie etwa der Unesco, die für Wissenschaft, Erziehung und Kultur zuständig ist. Wahrscheinlicher ist, dass Roth eine Tätigkeit in der Region mit starkem politischem Einschlag sucht. Neulich kam in einer halbprivaten Runde kulturpolitischer Schwergewichte die Frage auf, ob der Geschäftsführerposten des Kulturfonds Frankfurt/ Rhein-Main nicht etwas für Roth wäre. Ein überzeugender Nachfolger für den früheren Städel-Direktor Herbert Beck ist bisher nicht in Sicht. Auch das im Gespräch genannte Hindernis, dass Roth erst 2013 verfügbar wäre, Beck jedoch Ende Mai 2012 aufhören will, ist durch die jüngste Entwicklung beseitigt. Auf einmal passt es terminlich.

Mit ihrer politischen Erfahrung und ihrer Leidenschaft für Kultur wäre Roth sehr geeignet für den Job, der anders als die Tätigkeit im Goethe-Institut oder für die Unesco dotiert ist und zwar mit rund 100 000 Euro. Hinzu kommen zahlreiche angenehme Repräsentationstermine. Stellt sich allerdings die Frage, ob der Fonds mit seinem Jahresetat von fünf Millionen Euro nach finanziellem Gewicht und inhaltlichem Einfluss die Ansprüche von Roth erfüllt. Sie hat es mit Partnern in der Kulturlandschaft zu tun, die das Geld gern nehmen, Kompetenzen und Prestige aber ungern teilen. Es könnte aber durchaus Roths Ehrgeiz wecken, für eine bessere Ausstattung des Fonds zu sorgen.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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