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Peter Stamm erhält Hölderlin-Preis : Ruhiger Ton, schlanke Prosa

Träger des Friedrich-Hölderlin-Preises 2014: Peter Stamm Bild: Marcus Kaufhold

„Was für eine schöne Nachricht an einem sonnigen Tag“ - mit diesem Ausspruch hat Peter Stamm die Nachricht aufgenommen, den Friedrich-Hölderlin-Preis 2014 zu erhalten. Die Ehrung ist mit 20.000 Euro dotiert.

          Peter Stamm ist ein vielgelesener Autor, auch von jungen Leuten. Dass sein erster Roman „Agnes“ seit vorigem Jahr zur Pflichtlektüre an Schulen in Baden-Württemberg gehört, relativiert diese Einschätzung nicht. Der Umstand zeigt nur, dass die Bedeutung seines Werks nicht allein auf dem Erfolg beim Publikum beruht. Die literarische Qualität würdigt auch die Stadt Bad Homburg: Sie zeichnet den Schweizer Schriftsteller mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis 2014 aus.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Stamm erhält den mit 20 000 Euro dotierten Preis am 8. Juni im Bad Homburger Kurtheater. Der mit 7500 Euro verbundene Förderpreis geht an die in Berlin lebende deutsch-russische Autorin Nellja Veremej.

          Freude beim Autor

          „Was für eine schöne Nachricht an einem sonnigen Tag“, war Stamms Reaktion, als ihm Kulturdezernentin Beate Fleige (Bürgerliste Bad Homburg) die Entscheidung der Jury am Telefon mitteilte. Ihm sei gleich aufgefallen, dass schon der erste Hölderlin-Preisträger Hermann Burger im Jahr 1983 ein Schweizer war, sagte Fleige.

          In der Begründung der Jury heißt es, Stamm zähle mit seinen fünf Romanen und vier Erzählbänden zu den wichtigsten zeitgenössischen, auch international vielbeachteten deutschsprachigen Autoren. Im ruhigen Ton einer stilistisch schlanken Prosa widme er sich den oft durchschnittlichen, mittelständischen Bewohnern einer globalisierten Welt und durchleuchte ihr Leben mit einer Genauigkeit des Blicks und der Sprache, die nie zur distanzierten Herablassung werde. Seine Erzählkunst in „komplexer, hoch artifizieller Einfachheit“ packe den Leser und rühre ihn an.

          Fleige erinnerte daran, dass Marcel Reich-Ranicki schon 2001 im „Literarischen Quartett“ prophezeit habe, dass man von dem Schriftsteller noch viel hören werde. Inzwischen sind die Werke von Stamm in 36 Sprachen übersetzt worden. 2013 zählte er zu den neun Nominierten für den Man Booker International Prize, eine für die englischsprachige Literatur wichtige Auszeichnung. Das Rhein-Main-Gebiet kennt der in Winterthur lebende Autor nicht nur von Lesungen, sondern auch durch das 2013 angetretene Amt des Mainzer Stadtschreibers.

          Das Alter spielt keine Rolle

          Förderpreisträgerin Veremej ist wie Stamm Jahrgang 1963 und kommt aus Swerdlowsk. Im vergangenen Jahr erschien ihr Debütroman „Berlin liegt im Osten“, der ihr noch im selben Jahr den Förderpreis des Adelbert-von-Chamisso-Preises einbrachte. Auch die Jury des Hölderlin-Preises überzeugte die „kunstvolle Komposition mit einer ebenso alltagsgenauen wie einfühlsamen Sprache“. Der Roman erzähle von deutschen und russischen Lebensläufen, von trügerischen Hoffnungen und späten Einsichten, Lebenslügen und Lebensmut. Diese Lebensläufe werden am Alexanderplatz zusammengeführt.

          Das Alter spiele beim Förderpreis keine Rolle, sagte Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen). Er solle die Preisträger dabei unterstützen weiterzumachen. Die Jury tagte am Donnerstag zum letzten Mal unter dem Vorsitz von Jochen Hieber, Redakteur im Feuilleton dieser Zeitung. Die Nachfolge werde man nach der Preisvergabe zügig regeln, sagte Korwisi.

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