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Frankfurter Gesichter: Klaus Kobberger

Selbst hergestelltes Krauseminzwasser, das die Änderungsschneider zum Bügeln brauchen, Ätznatron, Chavelwasser, Chlorbleichlauge oder blaue Müllsäcke, all das kaufen Kunden bei Kobberger an der Hauptwache.

Selbst hergestelltes Krauseminzwasser, das die Änderungsschneider zum Bügeln brauchen, Ätznatron, Chavelwasser, Chlorbleichlauge oder blaue Müllsäcke, all das kaufen Kunden bei Kobberger an der Hauptwache. Denn die piekfeine Parfümerie ist noch immer auch Drogerie und Klaus Kobberger ein begeisterter Drogist, "mit Giftschein". In dritter Generation.

Großvater Gustav, der einer Metzgerei in der Berger Straße entstammte, gründete 1919 eine Drogerie, Sohn Gustav trat in seine Fußstapfen, und eigentlich hätte wiederum dessen Sohn Gustav nachfolgen sollen. Der wurde aber lieber Vulkanologe, so daß der ein Jahr jüngere Bruder Klaus sein Jurastudium sein ließ und die Familientradition fortführt. "Überredung war nicht notwendig; wenn man mit dem Vater so gut zusammenarbeitet, gibt es keine Probleme."

Dieser nimmt noch rege Anteil am Geschäft, Mutter Inge - gelernte Drogistin, deren Vater seinerseits eine Drogerie in Berlin besaß - kommt regelmäßig stundenweise und übernimmt auch die Urlaubsvertretung. "Ich habe Eltern, die sich sehr gut auskennen, und bekomme zuverlässig immer gute Antworten."

Seit 1930 gibt es die Parfümerie Kobberger am Lokalbahnhof, die zweite bezog 1932 den "Zeilpalast" und verdoppelte vor zwei Jahren ihre Fläche mit dem Umzug ins benachbarte Haus. Dem anspruchsvollen Fachgeschäft, das zur kleinen und feinen Branchenvereinigung "First in Beauty" zählt, vertraute das Haus Giorgio Armani gerade als erster deutscher Parfümerie den Verkauf seiner Kosmetiklinie an, weil das Umfeld stimme und Service hier großgeschrieben werde.

Klaus Kobberger, von heiterem und ausgeglichenem Naturell, freut sich. Er habe gewaltig Glück gehabt mit den Mitarbeitern, die zum Teil noch bei seinen Eltern gelernt haben. Eine ging jetzt nach vierunddreißig Jahren in den Ruhestand, andere gehören an die dreißig Jahre dazu. "Wir geben Kunden nicht das Gefühl, etwas kaufen zu müssen. Deshalb hat eine japanische Firma uns eine Beauty Lounge eingerichtet, in der sich Kundinnen unentgeltlich beraten und behandeln lassen können." An die Hauptwache komme seit Jahren besonders zu Messezeiten viel ausländische Kundschaft, aus dem Nahen und Fernen Osten, Südamerika, seit neuestem aus China.

Kobberger schätzt die Internationalität Frankfurts und seine Vielfalt. Und er schwärmt von den "verschiedenen Atmosphären" der Stadt vom Kirchentag bis zum Turnfest, ist immer wieder begeistert vom Tigerpalast, auch von seinem "Kindlein", wie er die zehnjährige Tochter liebevoll nennt. Die Familie wohnt ihretwegen in Hanau. Dort reitet Kobberger jeden Morgen und läuft oder schwimmt als Ausgleich zum Stehberuf.

Er liebt das Reisen, wird mit Kollegen jetzt die letzten Stationen des Jakobsweges erwandern, erkundet mit Freunden immer wieder Nepal, die Mongolei, Burma und vor allem das für ihn schönste Land, Indien. Mindestens so wichtig ist es für ihn, mit einem eigenen Mitarbeiter-Team am JP Challenge Lauf teilzunehmen. Der Drogist geht in seinem Beruf auf und hat das Gefühl, das Richtige gewählt zu haben: "Parfümerie, Apotheke und Metzgerei, das ist immer gut. Jeder will schön, gesund und satt sein." UTE B. FRÖHLICH

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