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Per Mausklick bestellen Online-Lebensmittel in der Nische

 ·  Seit gut einem Jahr liefert Rewe in Frankfurt im Internet bestellte Lebensmittel an die Haustür. Die Zahl der Kunden steige stetig, heißt es. Andere Anbieter sind wieder vom Markt verschwunden.

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© Lisowski, Philip Ab in die Kiste: Rewe liefert Lebensmittel auf Bestellung.

Einkaufen im Internet ist bequem. In Deutschland boomt das Online-Geschäft. Drei Viertel der Internetnutzer kaufen mittlerweile Bücher, Mode und andere Artikel online ein. Bei Lebensmitteln sind deutsche Verbraucher jedoch zurückhaltend - anders als in anderen europäischen Ländern. Nur sieben Prozent planen nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen, den Supermarkt gegen das Internet auszutauschen. Im europäischen Vergleich sind es mehr als doppelt so viel. Gemessen am Gesamtumsatz der Branche (150 Milliarden Euro) bildet der Online-Lebensmittel-Handel mit gerade einmal 200 Millionen Euro nur einen Nischenmarkt.

Dabei haben eine Reihe von Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren einen neuen Anlauf genommen. Vor allem der neue Lieferservice des Rewe-Konzerns, im September 2011 zunächst als Pilot in Hamburg und Frankfurt gestartet, ließ die Branche aufhorchen. Dies deshalb, weil Rewe anders als etwa Online-Lieferanten wie Amazon auf eigene Logistiklager zurückgreifen und auch im Internet bestellte frische Artikel wie Salat und Paprika zeitnah zustellen kann.

Inzwischen sind die roten Rewe-Lieferwagen nicht nur in Frankfurt und Hamburg, sondern auch in Düsseldorf, Köln und Berlin unterwegs. Zum Umsatz macht der Konzern keine Angaben. Man sei mit der Resonanz aber sehr zufrieden, die Anzahl der Kunden steige stetig, heißt es. Zudem kauften die Kunden online im Durchschnitt mehr ein als in der Filiale. Eine Erklärung dafür dürfte sein, dass erst ab einem Mindestbestellwert von 40 Euro angeliefert wird.

Nur wenige frische Lebensmittel

Auch die hessische Supermarktkette Tegut mit Sitz in Fulda hat ein neues Online-Angebot für ein Sortiment, das in Richtung Feinkost geht. Kooperationspartner ist der in München ansässige Onlineshop Gourmondo. Verkauft wird deutschlandweit. Ein Blick in den Warenkatalog zeigt, dass nur wenige frische Lebensmittel angeboten werden: keine Frischmilch, kaum Obst und wenig Gemüse. Man versuche hochpreisige Waren anzubieten, „eher in Richtung Spezialitäten“, und wolle sich absetzen vom breit aufgestellten Ladensortiment. Dieses anzubieten wäre „eine logistische Herausforderung“, sagt eine Sprecherin.

Wie stabil das Online-Geschäft ist, muss sich erst noch zeigen. „Die Zeit ist nun reif dafür“, heißt es bei Rewe. Der Konzernsprecher verweist auf die hohe Verbreitung von PC und Internet-fähigen Handys. Hemmschwellen und Hürden in der Anwendung würden dadurch deutlich gesenkt.

Analysten der Unternehmensberatung A.T. Kearney etwa rechnen mit einer Steigerung auf bis zu 1,9 Milliarden Euro und damit 1,5 Prozent Marktanteil bis 2016. Zu diesem Zeitpunkt will auch die Deutsche Post in der Lage sein, frische Lebensmittel bundesweit und flächendeckend versenden zu können. Ein Pilotversuch mit verschiedenen Online-Anbietern (Gourmondo, Allyouneed, Biodirect und Kochzauber) läuft seit Mai in Köln.

Die Logistik ist das größte Problem

„Die Logistik ist die wesentliche Herausforderung im Online-Lebensmittelverkauf“, sagt Andreas Bauer, Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Es sei außerordentlich schwierig, Fleisch, Gemüse und Obst in einwandfreier Qualität zum Kunden zu bringen. Außerdem seien Lebensmittel in Deutschland vergleichsweise billig. Der Verbraucher sei nicht bereit, die Kosten für die Logistik zu übernehmen. Allenfalls in der Nische und in Großstädten kann sich Bauer eine größere Rolle des Online-Handels mit Lebensmitteln vorstellen. Auch sieht Bauer in Abholstationen, wie sie etwa auch Real und Rewe im Frankfurter Raum anbieten, eine „optimale Lösung“ für den deutschen Markt. Der Kunde bestellt in diesem Fall im Internet und holt die Ware mit dem Auto an Ort und Stelle ab.

Trotz des neuen optimistischen Ansatzes: Einige Wettbewerber sind bereits wieder aus dem Markt ausgeschieden. Der Anbieter Supermarkt.de etwa, ein Lebensmittelversender aus Hamburg, teilt auf seiner Website mit, „aufgrund der ausgebliebenen Anschlussfinanzierung“ seinen Lieferdienst auf unbestimmte Zeit einzustellen. Der Online-Versender Froodies, (Werbeslogan: „Der Online-Supermarkt, der’s bringt“) hat im Mai dieses Jahres in Dortmund, Düsseldorf, Köln, Münster und Wuppertal zum letzten Mal Lebensmittel ausgefahren. Vor einem Jahr hatte ein Sprecher des Unternehmens im Gespräch mit dieser Zeitung noch gejubelt. „Wir haben bis zu 100 Auslieferungen am Tag. Das ist ein hervorragender Wert.“ Das Angebot solle zügig ausgebaut werden, auch das Rhein-Main-Gebiet sei Teil der Expansionsstrategie. Inzwischen wurde der Betrieb wegen Zahlungsunfähigkeit eingestellt.

Obst und Gemüse per Mausklick

Rewe: Der Konzern liefert in Frankfurt online bestellte Lebensmittel in Eigenregie nach Hause oder ins Büro, auch in obere Stockwerke. Alternativ kann man die Ware in einer sogenannten Drive-in-Station im Supermarkt abholen. Die Preise sind dieselben wie im Laden. Für den Folgetag kann bis 18 Uhr bestellt werden. Der Mindestbestellwert liegt bei 40 Euro. Die Liefergebühr beträgt je nach vereinbartem Zeitfenster 4 bis 5 Euro, ab 150 Euro Warenwert 2 Euro. Erstkunden ordern gratis. Getränkekisten kosten ab der dritten Kiste 50 Cent. Kunden können bis zu 21 Tage im Voraus bestellen. Wer den Weihnachtseinkauf online erledigen will, muss sich sputen. Infos: www.rewe-online.de, Telefon: 01802/ 739322.


Tegut: Die Supermarktkette aus Fulda verkauft in Kooperation mit dem Onlineshop Gourmondo bundesweit ein Spezialitäten-Sortiment. Bei einem Bestellwert unter 75 Euro kostet die Verschickung mit DHL 4,60 Euro; der Mindestbestellwert sind 20 Euro. Wer Fleisch und andere Artikel bestellt, die eine spezielle Thermoverpackung erfordern, zahlt 2 Euro Frische-Zuschlag. Empfohlen wird, tiefgekühlte Produkte per Express zu bestellen, damit sie am nächsten Tag da sind. Infos: www.tegut-genusswelt.de


Real: Seit Mai 2010 können Kunden bei der Metro-Tochter unter anderem auch Genussmittel online bestellen. Geliefert wird mit der Deutschen Post. Wie lange das dauert und was es kostet, wird ausführlich im Internet erklärt: www.real-onlineshop.de.

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Von Matthias Alexander

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