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Pelzhändler Ein Nerzjäckchen zum Abitur

Mit dem klassischen Mantel machen Pelzhändler heute nicht mehr den großen Umsatz. Sie setzen auf kombinierte Kleidungsstücke und Accessoires. Und die Geschäfte laufen gut - trotz der Kritik von Tierschützern.

© Wresch, Jonas Alles Unikate: Anita Schwarz hat viele kurze Mäntel im Angebot. Manche bestehen aus verschiedenen Materialien – für die meisten Kürschner früher undenkbar.

Wer in eine Pelzjacke von Anita Schwarz schlüpfen will, muss erst einmal an ihrer Ladentür klingeln. Denn wenn die Frankfurter Kürschnermeisterin in ihrer Werkstatt gerade mit Nähmaschine oder Zweckzange hantiert, ist es oft so laut, dass sie die Kunden ohne Klingeln nicht hören würde. Und die Nähmaschine rattert oft. Die Inhaberin von „Pelze am Dornbusch“ und ihr Mann haben viel zu tun.

„In den vergangenen Jahren gab es einen großen Wandel. Pelz ist alltagstauglich geworden“, sagt Anita Schwarz. Die kurze Nerzjacke werde heute auch zur Jeans getragen. Seit mehr als 20Jahren führt sie das Pelzmodegeschäft, ihr Mann stieg etwas später ein. „Frau Anita“ nennen sie einige ihrer Stammkunden, die Schwarz schon kannten, als sie noch ein kleines Mädchen war und in der väterlichen Kürschnerwerkstatt mit Knöpfen und Fellresten spielte. Damals, in den siebziger Jahren, stand der lange und voluminöse Pelzmantel noch hoch im Kurs, die Kundinnen waren meist ältere Damen. Früher habe eine Frau sich einen Pelz für die Kirche oder das Theater zugelegt und ihn Jahre getragen, sagt Ernst Schwarz, der seine Frau während der Kürschnerausbildung kennengelernt hat. „Heute muss ein Mantel vor allem modisch sein.“ Man könne ihn ja wieder umarbeiten.

Heute traue man sich mehr

Was es im Geschäft des Ehepaares zu kaufen gibt, hat tatsächlich wenig mit Großmutters schwerem Persianer zu tun. Die kurzen Mäntel aus geschorenem Nerz, die sich an einer Stange aneinander schmiegen, sind kaum schwerer als ein Stoffmantel. Dazwischen drängt sich eine fellgefütterte Lederjacke, an der Dutzende Nieten funkeln. An einem Spiegel hängt ein Mantel aus feuerroter Seide mit Querstreifen aus fedrigem, rot und schwarz gefärbtem Pelz. Die Ärmel eines blau eingefärbten Persianerjäckchens schmückt das Fell eines Tibetlamms, das sich in kleinen Korkenzieherlocken kräuselt.

Heute traue man sich mehr, meint Ernst Schwarz. „Materialmix oder eine Pelzjacke mit Dreiviertelarm - das hätte früher kein Kürschner gemacht.“ An einem Schmuckständer hängen Fellbommeln, herzförmige Schlüsselanhänger aus Nerzpelz und flauschige Ohrenwärmer. Muffs und die als „Russenmützen“ bekannten Pelzmützen mit wärmenden Ohrenklappen hätten sich in diesem Winter besonders gut verkauft, berichtet Ernst Schwarz. Fellbommeln gibt es bei „Pelze am Dornbusch“ von zehn Euro an, für eine Kaninjacke zahlt man mindestens 400Euro. Ein kurzer Nerzmantel kostet mehrere tausend Euro. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

Heute ist die einstige Pelzstraße heruntergekommen

Laut Statistischem Landesamt setzten in Hessen ansässige Betriebe, die Pelzware herstellen, 2010 rund 26Millionen Euro um. Im Vergleich zu den siebziger und achtziger Jahren ist das wenig. So wurden 1980 rund 269Millionen Euro jährlich in Hessen umgesetzt. „Wir haben in Deutschland fast keine Herstellung mehr“, erklärt Susanne Kolb-Wachtel, Geschäftsführerin des Deutschen Pelzinstituts (DPI). Gefertigt werde in Tschechien oder China, wo die Löhne niedriger seien. Im Einzelhandel aber laufe es gut für die Pelzbranche. Sie macht nach Angaben des DPI jährlich rund eine Milliarde Euro Umsatz, Tendenz steigend.

Ausgerechnet der Ort, an dem Pelz-Institut seinen Sitz hat, erzählt vom Niedergang des Rauchwarenhandels. Die Frankfurter Niddastraße, um die herum nach dem Zweiten Weltkrieg das Kürschnerhandwerk und der Pelzhandel erblühten, macht heute einen heruntergekommenen Eindruck. Die Fassaden sind schmuddelig, die wenigen Läden, in deren Schaufenstern noch dicke Pelzmäntel und -hüte thronen, wirken, als seien sie seit Jahren nicht mehr betreten worden. Die traditionsreiche Pelzmesse in Frankfurt wurde nach 2008 eingestellt, weil sich seit Jahren immer weniger Aussteller und Publikum für die „Fur&Fashion“ interessierten.

„Unser Hauptgeschäft ist die Umarbeitung“

„Die Zeiten wie nach dem Krieg kommen nicht mehr wieder“, gibt Kolb-Wachtel vom Pelz-Institut zu. Zufrieden ist sie dennoch. Trotz Wirtschaftskrise und warmer Winter seien in den vergangenen Jahren Zuwächse zwischen 1,5 und 4,5Prozent erzielt worden. „Besser als in den vergangenen zwei Jahren kann es kaum laufen“, sagt die Pelzlobbyistin. Vom Trend zu Fellapplikationen in der Textilbranche profitierten auch die Kürschner. „Mit Pelzbesatz erschließt man ganz andere Kreise“, sagt sie. Der sei für die Kunden bezahlbar und die Kürschner verdienten auch daran.

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