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„Painting XXL“ : Malerei satt links und rechts des Mains

Eine Doppelausstellung der Malerei: Hier stellen Künstlerinnen in der Schulsstraße aus Bild: Galerie Leuenroth

„Painting XXL“ – der Name ist Programm: 28 Künstlerinnen stellen ihre Werke von Tusche über Öl bis hin zu Acrly in der Frankfurter Ausstellungshalle sowie in der Galerie Leuenroth aus.

          Das darf man getrost wörtlich nehmen. „Painting XXL“ ist diese fulminante Doppelausstellung überschrieben, und zu sehen gibt es in der Tat, was manch Betrachterherz noch mehr als alles Andere dieser Tage im mitunter etwas spröden Kunstbetrieb sehnsüchtig begehrt: Malerei satt. Mit Tusche, Öl vor allem und Acryl, mit Eitempera und Kasein; pastos, in Lasurtechnik, auf Holz und Leinwand und Papier, hier und da auch mal nicht so überzeugend. Was allemal erstaunlich ist. Immerhin sind es dieselben 28 Künstlerinnen, die in der Frankfurter Ausstellungshalle sowie gleich gegenüber auf der anderen Mainseite in der Galerie Leuenroth ihre Werke zeigen.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ausschließlich Malerinnen wohlgemerkt, die, seit sie sich 2015 zum „Malerinnennetzwerk Berlin-Leipzig“ zusammengefunden haben, schon in Berlin, in Leipzig und in Lüneburg ausgestellt haben. Und auch die auf den Frankfurter Auftritt folgenden Stationen – London sowie das Museum der bildenden Künste in Leipzig – sind schon geplant. Vernetzung ist auch in der Kunst der Gegenwart das Zauberwort. Dabei sieht man zahlreichen Werken der durchweg gestandenen Künstlerinnen die Lehrjahre an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst schon mal deutlich an. Nicht nur, weil die Akademie seit jeher, in der DDR gerade wie zu Neuen Leipziger Schulzeiten, großen Wert auf eine solide handwerkliche Basis legt. Oder weil das Gros der Malerinnen wie Kathrin Landa, Isabel Dutoit oder Miriam Vlaming entschieden für figürliche Positionen steht. Es ist womöglich mehr noch das Interesse an gerne gebrochenen, verrätselten oder gar märchenhaften Narrativen, an bühnenartig sich öffnenden Räumen auch mitunter, was sie verbindet.

          Abstrakte und konzeptuelle Positionen

          Dass freilich Rosa Loys „Schatten“ aus dem Jahr 2011 anmutet, als habe ihr Neo Rauch in einer Pause in seinem Atelier mal eben schnell die Hand geführt, ist derweil vielleicht doch ein bisschen viel des Guten. Aber wer weiß, vielleicht ist es ja gerade umgekehrt, sind die beiden Künstler doch seit mehr als 30 Jahren verheiratet. Derweil sind abstrakte oder gar konzeptuelle Positionen in dieser Schau die durchaus bemerkenswerte Ausnahme; und sie kommen in der Regel nicht aus Leipzig noch Berlin, sondern, wie Julia Rüthers monochrome Täfelchen in Flaschengrün, Honiggelb und Veilchenblau, aus der Klasse Peter Doigs in Düsseldorf.

          Oder aus Frankfurt wie Caroline Krause, die als Gast zu der Ausstellung des Netzwerks eingeladen ist. Überhaupt sind Frankfurter oder wenigstens in Frankfurt gut eingeführte Positionen wie jene Eva Schwabs, Bettina Sellmanns oder der Städelschulabsolventin Justine Otto in jeder Hinsicht stark vertreten beim Malerinnennetzwerk Berlin-Leipzig. Und Caro Suerkemper – die, statt wie in früheren Jahren auf Papier, nun vorwiegend plastisch arbeitet – möchte man mit ihren von herrlich abgründiger Komik grundierten Keramiken ohnehin für eine Absolventin nicht der Karlsruher Akademie, sondern der Neuen Frankfurter Schule halten.

          Indes, während die Schau in der Ausstellungshalle mit ihren meist großen Formaten ungeniert auf Überwältigung setzt, finden sich bei Leuenroth trotz der Überfülle der in Petersburger Hängung präsentierten Exponate meist die besseren Bilder. Das gilt für die bescheidenen Blätter Loys ebenso wie für die zarten, weitgehend abstrakten Landschaften Nina K. Jurks. Und die zwei bescheidenen, auf der Töpferscheibe entstandenen Bilder der Städelschulabsolventin Gabi Hamm lohnen ohnehin allein schon den Besuch: Die vielleicht größte und, nach Jahren, in denen die Frankfurter Malerin kaum einen Pinsel in die Hand genommen und sich stattdessen der Keramik zugewandt hatte, die überdies womöglich schönste Überraschung der mit Überraschungen nicht geizenden Schau im XXL-Format.

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