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Ostermärsche Thema Frieden bewegt nicht mehr

Die Teilnehmerzahlen bei den Ostermärschen sinken seit Jahren. Gefordert werden diesmal das Ende des Waffenhandels wie der Bundeswehr. Das Publikum bleibt aus.

© Schmitt, Felix In Bewegung: Die Zahl der Ostermarschierer geht zurück.

Seit 1976, damals 17 Jahre alt, sei er schon in der Friedensbewegung tätig. Ob ihn die immer geringere Resonanz bei den Ostermärschen frustriere? „Schon“, sagt Gernot Lennert, „aber Frieden ist halt kein großes Thema mehr in unserer Gesellschaft.“

Lennert ist Landesgeschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK), die am Samstag den Mainz-Wiesbadener Ostermarsch ausgerichtet hat. Knapp 150 Teilnehmer haben nach Schätzungen der Polizei an dem Marsch teilgenommen, der am Mainzer Hauptbahnhof startete und am frühen Nachmittag in der Leichhofstraße in der Innenstadt mit einer Abschlusskundgebung endete.

Ursprünge in Großbritannien

Die Veranstaltung stand wie im Vorjahr unter dem Motto „Für eine Welt ohne Krieg, Militär und Gewalt“. Zur selben Zeit gingen laut Informationsstelle Ostermarsch in Marburg rund 100 Demonstranten für den Frieden auf die Straße, kleinere Aktionen gab es auch in Wetzlar, Gießen und Michelstadt. Insgesamt beteiligten sich gestern mehrere hundert in Hessen an den Ostermärschen.

Seine Ursprünge hat die Bewegung in Großbritannien, wo in den fünfziger Jahren Zehntausende Menschen gegen Atomwaffen protestierten. Solche Teilnehmerzahlen erreichte der Ostermarsch in Deutschland Anfang der achtziger Jahre ebenfalls, als die Proteste gegen die Neutronenbombe und die Aufrüstung mit neuen Mittelstreckenraketen Tausende auf die Straße lockten. „Wenn irgendwas passieren würde, wäre der Platz hier auch wieder gerammelt voll“, sagt Christoph Paulmichl, der den Ostermarsch seit Jahren offiziell bei der Polizei in Mainz anmeldet. „Solange es die Leute aber nicht persönlich betrifft, bleiben sie zu Hause“, sagt er. Es müsse schon ein Krieg ausbrechen - was er natürlich nicht hoffe -, damit die Ostermärsche wieder so gut besucht seien wie einst, sagt er.

Kritik an Rüstungsexporten

Rüstungsproduktion und Waffenhandel einstellen, Bundeswehr abschaffen, Rückzug aus Afghanistan, Abschaffung von Atomwaffen, Nichtbeteiligung in Mali. Die Liste der Forderungen, für welche die DFG - VK eintritt, ist lang und liest sich wie das Wahlprogramm der Linken. „Die Teilnehmer kommen aus vielen verschiedenen politischen Lagern“, hebt Paulmichl hervor, der sich selbst als „libertären Marxisten“ bezeichnet. Dennoch ist Anne Erb vom Mainzer Kreisverband der Linken die einzige Vertreterin einer politischen Partei, die beim Ostermarsch eine Rede hält.

Vor allem die deutschen Rüstungexporte werden scharf kritisiert. „Deutschland ist Europameister im Geschäft mit dem Tod“, sagt Thomas Schwoerer, der Hauptredner des Tages. „Unterbinden wir endlich das Massenmorden mit deutschen Waffen!“, fordert er die Teilnehmer auf dem Bahnhofsplatz auf. Diese unterhalten sich jedoch lieber miteinander oder kaufen Bücher oder Sticker beim Infostand ein, als Schwoerer zuzuhören. Nur einmal wird er in seiner Rede von kurzem Applaus unterbrochen, seine heftigen Worte gehen in dem Gerede der Teilnehmer fast unter.

Unterschriften für den Frieden

“Die Deutschen springen von Kriegsschauplatz zu Kriegsschauplatz“, sagt Christoph Paulmichl. „Kriegseinsatz-Hopping“ nennt er das. Während in den nationalen und internationalen Medien zuletzt oft die militärische Zurückhaltung der Deutschen kritisiert wurde, wirft er der Bundesregierung vor, „überall direkt oder indirekt“ am Krieg beteiligt zu sein. Es braucht drei Nachfragen, ehe Paulmichl ein Aspekt der deutschen Politik einfällt, der ihm in den vergangenen zehn Jahren gefallen hat. „Die Aussetzung der Wehrpflicht war erfreulich“, sagt er. „Aber es gibt noch viel zu tun.“

Am Ende seiner Rede wirbt Schwoerer um Unterschriften. Ein „grundsätzliches Exportverbot von Waffen und Rüstungsgütern“ solle in Artikel 26 des Grundgesetzes festgelegt werden. Dafür benötige man jedoch 262.000 Unterschriften. Er wolle der „Mehrheit eine Stimme geben“, sagt Schwoerer, bevor er mit den 150 Teilnehmern des Ostermarsches weiter Richtung Innenstadt zieht.

Der Frankfurter Ostermarsch „Friedenspolitik statt Kriegspolitik“ beginnt am Ostermontag als Sternmarsch um 10.30 Uhr in Rödelheim am Bahnhof, um 11.30 Uhr am Bockenheimer Depot, in Niederrad am Bruchfeldplatz und in Eschersheim am Weißen Stein. Alle Gruppen kommen am Römerberg zusammen, wo um 13 Uhr die Abschlusskundgebung stattfindet.

Quelle: F.A.S.

 
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