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Oscar für Pixomondo Krönung für den Kreativstandort

Mit dem Oscar für Pixomondo richtet sich das Scheinwerferlicht auf eine Frankfurter Branche, die immer mehr an Bedeutung gewinnt - auch mit Hilfe der Politik.

© dapd Vergrößern Oscarreif: Wie dieser Frankfurter haben weltweit 438 Mitarbeiter von Pixomondo „Hugo Cabret“ nachbearbeitet.

Markus Frank hat nicht lange auf sich warten lassen. „Diese Auszeichnung ist auch für die Stadt Frankfurt ein wunderbares Aushängeschild als Standort für erstklassige Filmproduktionen“, sagte der Wirtschaftsdezernent am Montag, als er dem Frankfurter Unternehmen Pixomondo zum Oscar gratulierte, den es für die besten visuellen Effekte in Martin Scorseses Film „Hugo Cabret“ erhalten hatte. Schon wird bei der Stadt hinter den Kulissen eifrig an einem Sektempfang im Römer gearbeitet. Denn natürlich soll möglichst viel Glanz aus Hollywood auf Frankfurt abstrahlen.

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Zahlenmäßig ist die Frankfurter Filmbranche überschaubar. Weil die Betriebe teils sehr klein sind und es viele Freiberufler gibt, arbeiten in den 269 Unternehmen der Filmwirtschaft, die die Wirtschaftsförderung 2010 in Frankfurt gezählt hat, gerade einmal 700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Aber dennoch bringt sie immer wieder Glanz nach Frankfurt, wie jetzt der Oscar für Pixomondo gezeigt hat. Kein Bericht in deutschen Medien über die wichtigste Filmpreisverleihung der Welt kam ohne den Hinweis aus, dass die Spezialeffekte-Macher aus Frankfurt kommen. Ähnlich war es 2008 gewesen, als „Die Fälscher“ in Los Angeles zum besten fremdsprachigen Film gekürt worden war, an dem das Frankfurter Unternehmen tvt.film+vfx beteiligt war.

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Image aufpoliert

Wegen solcher Nachrichten hat CDU-Politiker Frank das Umgarnen der Kreativwirtschaft, die weit mehr umfasst als nur die digitale Filmbearbeitung, zu einem seiner Hauptanliegen gemacht. Hinzu kommt die Wirtschaftskraft, die diese Branche auf die Waage bringt. Alles in allem zählt die Wirtschaftsförderung mehr als 24000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Kreative in Frankfurt. Zwei Drittel davon arbeiten bei Software- und Spieleentwicklern, in Werbeagenturen und in Verlagen (siehe Grafik). In ganz Hessen machte der Wirtschaftszweig nach den jüngsten verfügbaren Zahlen des Landes von 2008 rund 13,2 Milliarden Euro Umsatz.

Auch wenn Frank selbst immer etwas steif wirkt, wenn er vor Werbern, Designern und Computerspielentwicklern Reden hält, hat er gemeinsam mit Manuela Schiffner von der Wirtschaftsförderung das Image der Stadtverwaltung in diesen Branchen in den vergangenen Jahren aufpoliert. Zum einen, weil sie selbst viel in diesen Kreisen unterwegs sind und zum Beispiel der Werbebranche mit den „Kommunikationsdinnern“ im Kaisersaal immer wieder den Hof machen. Zum anderen haben sie zusätzlich zu den schon etablierten Veranstaltungen wie dem „Edit Filmmaker‘s Festival“ und dem „Deutschen Werbefilmpreis“ in den vergangenen Jahren weitere Veranstaltungen an den Main geholt, die Kreative aus ganz Deutschland anziehen und der Stadt die Möglichkeit zur Selbstdarstellung jenseits der Börsennachrichten bieten.

Preis nach Frankfurt gelockt

Beispiel ADC-Festival: 2009 hat Frank gemeinsam mit den Werbern Claus Fischer und Stephan Vogel das Jahrestreffen des Art Directors Club Deutschland von Berlin an den Main geholt. Die anfängliche Skepsis vieler Clubmitglieder gegenüber der Bankenmetropole ist nach und nach gewichen. Zur zweiten Veranstaltung im vergangenen Mai sind nach den Worten des Club-Vorsitzenden Jochen Rädeker weit mehr ADC-Mitglieder aus ganz Deutschland angereist als noch zur ersten.

Beispiel Lea-Awards: Die Verleihung des Preises für die besten Konzertveranstaltungen des Jahres haben Frank und seine Mitstreiter im vergangenen Jahr aus Hamburg abgeworben. Der Glamour-Auftakt zur Musikmesse kann in diesem Jahr unter anderem mit David Garrett, John Miles und Tim Bendzko aufwarten. Das ist schon mehr Prominenz als beim Festhallen-Debüt 2011.

Gute Unternehmen mit Strahlkraft

Mittlerweile schauen auch die Kreativen selbst nicht mehr tatenlos zu, wie sich die Stadt um die Image-Verbesserung müht. Der Musikmanager Wolfgang Weyand hat im vergangenen Sommer gemeinsam mit Marketing-Club-Chef Claudio Montanini und anderen Verbandsspitzen einen Dachverband für die Frankfurter Kreativbranche gebildet, der sich Cluk abkürzt. Das erste Projekt steht in gut drei Wochen an, wenn die Musikmesse erstmals von der Veranstaltung „Musikbiz Lounge & Congress“ begleitet wird. Das Programm soll die Schau, die sich bislang vor allem an Instrumentenhersteller und Musikverlage richtet, für weitere Kreativbranchen öffnen - Musik wird schließlich auch in Werbung, Filmen und Computerspielen gebraucht.

Der Oscar für Pixomondo zeigt aber auch, dass es neben politischer Unterstützung vor allem gute Unternehmen mit Strahlkraft sind, die das Image der Stadt als Kreativenmetropole fördern können. Der Leuchtturm für die Computerspielebranche ist Crytek. Auch wenn viele die schießwütigen Spiele aus der Schmiede der Yerli-Brüder verachten, in der internationalen Szene gibt es kaum ein deutsches Unternehmen, das mehr Preise abräumt. Die Grafikprogramme, die in den früheren Fechenheimer Studios entwickelt wurden, werden längst nicht mehr nur für Spiele, sondern auch in der Medizin, in der Architektur und beim Militär eingesetzt. Im vergangenen Jahr ist das Unternehmen von der Peripherie in die Innenstadt an den Grüneburgweg gezogen. Schließlich will Geschäftsführer Avni Yerli jungen Bewerbern zeigen, dass man nicht irgendwo sitzt. Sondern mitten in Frankfurt.

Quelle: F.A.Z.

 
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