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Lese-Orte in Frankfurt : Die schönsten Wege zu den spannendsten Büchern

  • Aktualisiert am

Bitte einmal Platz nehmen: Buchliebhaber im Hugendubel in der Frankfurter Innenstadt Bild: Esra Klein

Nach der Büchermesse hat man wieder genügend Lesestoff für die kürzer werdenden Tage. Wir verraten unsere Lieblingsplätze zum Schmökern, aber auch zum Entspannen und Genießen.

          Sitzt da etwa ein Schriftsteller?

          Das Getöse des Straßenlärms am Schweizer Platz noch im Ohr, biegt man in die Diesterwegstraße, durchquert am Haus Nummer 7 eine dunkle Einfahrt, erreicht schließlich einen begrünten Innenhof, und dann herrscht mit einem Mal - himmlische Ruhe. Hier bilden, nahezu versteckt, in einem Hinterhaus das Lesecafé und die daneben gelegene Buchhandlung eine wunderbare Gemeinschaft. Im Lesecafé sitzen an diesem Mittag ein paar Besucher allein an ihren Tischen, vertieft in Zeitungen, einer tippt einen Text in den Computer. Ein Schriftsteller? Könnte sein, der Kriminalautor Jan Seghers ließ sich ja auch von diesem Ort inspirieren.

          Auch eine kleine Gruppe Mütter mit ihren Säuglingen sind hier. Alles ist entspannt, jeder hat seinen Raum. Zeit gibt es auch, mehr als genug. Man kann unbehelligt an seinem Kaffee nippen, ein überbackenes Baguette essen oder sich für das einfache, aber leckere Tagesgericht entscheiden. In einem Regal gibt es eine Auswahl an Literatur, die von Mankell bis Franzen reicht, dazu viele Kinderbücher und Tageszeitungen. Die literarischen Neuerscheinungen muss man allerdings kaufen, im gut sortierten Buchladen nebenan, in dem man kenntnisreich beraten wird. Nach 30 Jahren haben die Inhaber der Buchhandlung, Gerhard Zenker und Lydia Helwig, das Café abgegeben, aber mit den neuen Besitzern besteht weiter gute Zusammenarbeit. Vier Lesungen im Jahr sind im Café geplant. Als Erstes ist kurz vor Weihnachten Jan Costin Wagner an der Reihe.

          Lesecafé, Diesterwegstraße 7

          Regengeschützte Buchtauschplätze

          Arthur Haileys „Hotel“? Das ist ja gar nicht mal so schlecht. „Und Jimmy ging zum Regenbogen“, „Angelique“ oder „Alle Sterne vom Himmel“? Lieber nicht. Der Haken an Bücherschränken ist, dass mindestens die Hälfte der Regalbretter so aussieht wie die von Urgroßtante Erna, die Mitglied im Buchclub gewesen ist. Und irgendwer lädt, wenn die liebe Tante verblichen ist, all die Simmels, Konsaliks, Danellas, Gaby Hauptmanns am Frankfurter Merianplatz, an der Leipziger Straße oder in Sachsenhausen ab. In den fast 40 öffentlichen Bücherschränken, die seit 2009 in den Frankfurter Stadtteilen eingerichtet worden sind, kann man allerhand finden, das man eher nicht adoptieren will.

          Die anderen aber, die Glücksfälle und Glücksfunde, machen den ganzen Charme dieser regengeschützten Buchtauschplätze aus. Murgers „La vie de bohème“, endlich einmal ein Leseanreiz vor dem Opernbesuch. Ein Yoga-Handbuch, ganz unabgenutzt. Da hat sich wohl jemand gegen das „Omm“ entschieden. Enid Blyton-Bände in rauhen Mengen - die muss man dann wenigstens nicht kaufen, wenn der Große diese aus der eigenen Kindheit noch wohlbekannte Phase durchläuft. Aber vorsichtshalber mal mit einem Sagrotantüchlein abwaschen, bevor er sich damit in sein Bett verkriecht. Und wieder zurückbringen, wenn die Fünf Freunde im eigenen Haushalt ausgestanden sind. Merke: Bücherschränke sind eine feine Sache - aber natürlich nur so gut, wie das, was man selbst einstellt.

          Fast 40 Bücherschränke gibt es in den verschiedenen Frankfurter Stadtteilen.

          Ein unscheinbarer magischer Ort

          Nur wenige Orte der Weltliteratur kommen unscheinbarer daher als das bescheidene Häuschen „An der Oberpforte 4“ in Bergen-Enkheim. Doch lebten hier seit 1974 zumindest zeitweise 42 Autoren, von denen es zwei immerhin bis zum Literaturnobelpreis gebracht haben: Günter Grass und Herta Müller. Auch die Liste der übrigen Bewohner des Stadtschreiberhauses liest sich wie ein Who is Who der deutschsprachigen Literatur: Wolfgang Koeppen, Peter Rühmkorf, Martin Walser, Ulla Hahn, Ralf Rothmann, Jurek Becker - um nur einige wenige zu nennen. Seit Anfang September hat nun die Schweizer Autorin Ruth Schweikert als Stadtschreiberin das einjährige Wohnrecht.

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