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Tierschutz-Organisation : Auf saugefährlicher Mission

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Im Lastwagen drängen sich Ferkel, die zum Schlachthof nach Spanien transportiert werden. Auf fünf Etagen stehen offiziell insgesamt 1650 Tiere. Bild: Sarah Kempf

Die Organisation „Animals’ Angels“ will bei Tiertransporten Mängel bei Tiertransporten aufdecken, die Amtsveterinäre übersehen. Mitunter kommt es dabei zu riskanten Begegnungen.

          Die Jagd beginnt bei Einbruch der Dunkelheit am Frankfurter Hauptbahnhof. An einem Abend im November 2016 holt Helena Bauer einen Mietwagen ab, nachtblau, Kompaktklasse. Sie will später auf der Autobahn nicht auffallen, denn sie arbeitet für „Animals’ Angels“: Die Tierschutzorganisation mit Sitz in Frankfurt begleitet und dokumentiert Tiertransporte, um Mängel aufzudecken. Bauer, 28 Jahre alt, in schwarzer Cordschlaghose und praktischer Jacke, kauft noch schnell ein veganes Brötchen mit Gemüsefrikadelle, dann fahren sie und ihr 26 Jahre alter Kollege Jerico Fiestas Flores los. Seit sie hauptamtlich für „Animals’ Angels“ arbeitet, ist sie mehrmals im Monat eine ganze Woche lang auf Europas Straßen unterwegs und fährt Lastwagen mit Kühen, Schweinen und Hühnern hinterher.

          Würden Hunde und Hauskatzen in Transporter gepfercht und zu Schlachthäusern gefahren, würden hierzulande wohl Hunderttausende Besitzer protestieren. Das Schicksal der Tiere hingegen, die kein „Frauchen“ oder „Herrchen“ haben, berührt nur wenige. Deshalb hat „Animals’ Angels“ in Frankfurt Plakate mit dem Gesicht eines Rindes kleben lassen, das Mitarbeiter bei einem Transport fotografiert hatten. Darunter stand der Name „Gino“, den sie dem todgeweihten Tier gegeben hatten, und das Transportdatum.

          Geldstrafen für Unternehmen

          „Ich weiß, dass manche das lächerlich finden. Aber so zeigen wir, dass wir auch Kühe und Gänse als Persönlichkeiten wahrnehmen“, sagt Bauer. Sie hat Meeresbiologie studiert, aber nie in dem Beruf gearbeitet. Es erschien ihr nicht richtig, zu Forschungszwecken Lebewesen umzubringen. Dass sogenannte Nutztiere durch Europa gefahren werden, weil Verbraucher billiges Hack und Steak kaufen wollen, und sich nicht dagegen wehren können, nennt sie eine „schreiende Ungerechtigkeit“.

          Bei manchen, die an Tiertransporten verdienen, sind die Mitarbeiter der Nichtregierungsorganisation ungern gesehen. Dabei muten sie neben Tierrechtsorganisationen wie Peta, die durch öffentlichkeitswirksame Aktionen mit Kunstblut und heimlich gedrehten Schlachthof-Videos auffallen, eher wie Knöllchenschreiber an: Sie schreiben seitenlange Berichte, wenn Viehhändler und Spediteure nachweislich gegen Vorgaben der EU verstoßen, und melden die Vergehen bei Veterinärämtern, der Polizei und der Europäischen Kommission. Gerade das aber trifft die Unternehmen schmerzlich, denn sie müssen mit Geldstrafen rechnen.

          Kostenaufwendige Pausen

          Bauer hat erlebt, wie unangenehm es sein kann, Viehhändlern und Spediteuren auf die Finger zu schauen: Einmal war sie mit der „Animals’ Angels“-Vorsitzenden Julia Havenstein im Einsatz, als der Fahrer eines Transporters bemerkte, dass sie ihm folgten. Er ging an einer Raststätte mit einer Taschenlampe auf sie los. Als sie sich in ihr Auto retteten, schlug er auf das Fahrzeug ein.

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