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Oper Frankfurt Zwei Tiroler am Main

 ·  Wer aus den Alpen kommt, kann über den Taunus nur lachen. Die Oper Frankfurt aber hat es den beiden neuen Ensemblemitgliedern Daniel Schmutzhard und Martin Mitterrutzner angetan.

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Vom Großen Feldberg hat er noch nichts gehört. Martin Mitterrutzner wohnt erst seit kurzem in Unterliederbach. „Wie hoch ist der Berg?“, fragt der Tenor aus Tirol und kann sich ein Grinsen kaum verkneifen. Na, jedenfalls nicht 2725 Meter wie die Bettelwurfspitze, die er schon einmal erklommen hat: „Eher laienhaft“, fügt der Sänger hinzu. Auch Daniel Schmutzhard geht daheim in Tirol gern auf den Berg. Ansonsten spielt der neue Wahl-Bockenheimer gerne Fußball. Daher fällt dem Bariton auch gleich ein passendes Bild ein, wenn er die Oper Frankfurt mit der Wiener Staatsoper vergleicht: „Das ist wie Borussia Dortmund und Real Madrid. Der Frankfurter Intendant hat ein gutes Händchen für junge Leute, in Wien darfst du zweimal mitspielen und die restliche Zeit pumpst du den Ball auf.“

Schmutzhard und Mitterrutzner verstärken seit dieser Spielzeit die Ensemblemannschaft der Oper Frankfurt. Als Mercurio (Schmutzhard) und Pane (Mitterrutzner) stellen sie sich in diesen Tagen in Francesco Cavallis „La Calisto“ vor. Für Schmutzhard ist es die dritte Barockoper, für Mitterrutzner die erste. Beide schwärmen um die Wette von einem „Superteam“, dem Dirigenten Christian Curnyn und der angenehmen Atmosphäre bei den Proben des Konzepts von Jan Bosse. Der Regisseur hat die Oper für das Theater Basel inszeniert, dort hatte sie im Mai 2010 Premiere. Nun ist die Koproduktion nach Frankfurt übernommen worden und Abend für Abend ausverkauft.

Die beiden kennen sich seit der Ausbildung

Ob der Frankfurter Opernintendant Bernd Loebe mit dem Fußballvergleich wohl leben kann? Bestimmt, sagt Mitterrutzner und kommt noch einmal auf „das Ohr“ zu sprechen, das ihn auszeichne: „So ein Ohr fehlt den meisten Intendanten. Loebe hört, was in der Stimme eines jungen Sängers steckt. Brigitte Fassbaender kann das auch. Sie gibt einem die richtigen Partien zum Singen, damit sich die Stimme entwickeln kann. Sie fördert und behütet junge Leute.“ Womit er schon mitten in der eigenen Biographie steckt. Fassbaender, die große Mezzosopranistin und heutige Intendantin des Tiroler Landestheaters in Innsbruck, hat ihn entdeckt und gefördert. Damals war er noch Student am Innsbrucker Konservatorium und hat bei Karl-Heinz Hanser gelernt. Wie Schmutzhard.

Die beiden kennen sich seit der Ausbildung. Sie sind sogar im selben Sanatorium geboren, in Rum, wo nach ihrer Aussage die meisten Tiroler Babys zur Welt kommen. Dort, im Schatten der Rumer Spitze, wurde Schmutzhard im Jahr 1982 geboren, Mitterrutzner zwei Jahre später. Beide stammen aus musikalischen Familien. Schmutzhards Schwester ist Jazz-Sängerin, sein Bruder hat sich auf Heavy Metal spezialisiert, die Mitterrutzners pflegten die Hausmusik, die vom Vater mit der Gitarre begleitet wurde. Schmutzhard wuchs in Aldrans südlich von Innsbruck auf und besuchte das Gymnasium in der Landeshauptstadt. Mitterrutzner verbrachte seine Kindheit in Hall und ging dort bei den Franziskanern in die Oberschule. Beide landeten schließlich bei den Wiltener Sängerknaben in Innsbruck. Von diesem renommierten Chor spalteten sich später die Innsbrucker Capellknaben ab, Mitterrutzner ging mit. So kam er im zarten Alter von zehn Jahren als Erster Knabe in die „Zauberflöte“ unter Leitung John Eliot Gardiners. Auf diese Art verwöhnt, war es kein Wunder, dass ihn der Stimmbruch deprimierte. Er pausierte drei Jahre, dann merkte er: „Irgendetwas fehlt in meinem Leben.“ Mit sechzehn begab er sich zur Stimmbildung bei der Gattin des Chorleiters, nach der Matura ging er ans Konservatorium. Dort lernte er Schmutzhard kennen, der schon mit siebzehn dort angeheuert hatte und vier Jahre später an die Musikhochschule Wien wechselte. Noch vor dem Abschluss engagierte ihn die Wiener Volksoper.

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