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Veröffentlicht: 23.11.2012, 21:03 Uhr

Opelwerk Plan B für das „Opel Forum“

Die Rüsselsheimer Stadtverordneten befürchten ein Scheitern des Einkaufszentrums im historischen Teil des Opelwerks. Ursprünglich hätten die ersten Bauarbeiten für das Forum schon Ende des Jahres beginnen sollen.

von Janek Rauhe, Rüsselsheim
© AFP Ein Stück Zukunft soll im historischen Teil des Opelwerks entstehen (hier: Opel-Zeichen).

Noch tut sich nichts am alten Opelwerk direkt neben dem Bahnhof in Rüsselsheim. Eigentlich sollte Ende des Jahres mit dem Teilabriss des Gebäudes und den ersten Bauarbeiten für das neue Einkaufszentrum „Opel Forum“ begonnen werden. Dieser Zeitplan ist laut Investor Acrest nicht mehr einzuhalten. Die Bagger könnten in der zweiten Jahreshälfte 2013 rollen. Die Eröffnung wäre dann im Herbst 2015, ein Jahr später als geplant. Grund für die Verzögerung sei, dass sogenannte Ankermieter noch nicht endgültig zugesagt hätten, eine Filiale in dem künftigen Einkaufszentrum zu beziehen, sagte Acrest-Geschäftsführer Matthias Schmitz im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Diese Großmieter sind allerdings entscheidend für den Kundenzulauf.

Die Wirtschaftskrise und die schlechte Lage bei Opel ließen die großen Einzelhandelsketten zögern. „Das ist vor allem ein psychologischer Effekt“, sagte Schmitz. Das Schicksal der Stadt werde zu stark mit dem Autobauer verknüpft. Schlechte Nachrichten bei Opel hemmten die Entscheidungsfreudigkeit potentieller Mieter. Deshalb seien die Verhandlungen mühseliger und dauerten länger als geplant. Fünf namhafte Anbieter von Kleidung, Lebensmitteln, Schuhen, Drogerieartikeln und Unterhaltungselektronik stünden aber kurz vor der Unterzeichnung der Mietverträge. Wenn diese Ankermieter unterschrieben hätten, würden rasch andere Interessenten für die rund 110 Geschäfte im „Opel Forum“ folgen, sagte Schmitz. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das Projekt realisieren.“

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Die weitere Umgestaltung der Innenstadt ist nicht gefährdet

Diese Zuversicht teilen nicht mehr alle Abgeordneten im Rüsselsheimer Stadtparlament, wie in dessen jüngster Sitzung am Donnerstagabend deutlich wurde. Der „Stillstand“ beim „Opel Forum“ sei unbefriedigend, sagte der SPD-Abgeordnete Frank Tollkühn. Allein auf die Marktdaten des Investors wolle er sich nicht mehr verlassen. Deshalb solle das Parlament im Dezember den Ende April beauftragten unabhängigen Experten für Immobilienentwicklung anhören, forderte die rot-grüne Koalition in einem Antrag an den Magistrat. Der Beschluss wurde am Ende einstimmig von allen Abgeordneten gefasst. Klaus Gocht (Die Grünen) sprach sich angesichts der fehlenden Ankermieter für einen PlanB für das „Opel Forum“ aus. Man müsse damit rechnen, dass das geplante Einkaufszentrum nicht mehr gebaut werde. Heinz-Jürgen Krug (Die Linke/Liste Solidarität) forderte, von den Abrissplänen Abstand zu nehmen und neue Perspektiven für das Areal zu entwickeln. Krug engagiert sich in der Bürgerinitiative „Pro Opel-Altwerk“, die den Bau des Einkaufszentrums ablehnt.

Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) sprach in der Sitzung auch von einer unbefriedigenden Situation. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagte Burghardt, dass er keine Anzeichen für ein Scheitern des Projekts sehe. Die Zusammenarbeit mit dem Investor Acrest funktioniere erfolgreich. Die Stadt habe ihre Hausaufgaben erledigt, jetzt liege es an Acrest, wie zügig die Planungen weitergingen. Sobald eine Vermietungsquote von 50 Prozent erreicht und die Finanzierung gesichert sei, könne der städtebauliche Vertrag, der „fast fertig“ in der Schublade liege, mit dem Investor geschlossen werden. Die weitere Umgestaltung der Innenstadt im sogenannten Kernstadtprozess sei durch die Verzögerung beim „Opel Forum“ nicht beeinträchtigt.

Acrest-Geschäftsführer Schmitz bat die Stadtverordneten um noch etwas mehr Geduld. Es gebe keinen Grund, nervös zu werden. „Ich verstehe, dass der Gesprächsbedarf groß ist, auch vor dem Hintergrund, dass die Parlamentarier naturgemäß weniger Erfahrung in der Entwicklung und dem Bau von Einkaufszentren haben als wir“, sagte Schmitz. Trotz der Verzögerungen sei er vom Standort Rüsselsheim überzeugt. Die zentrale Lage mache die Stadt attraktiv. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs und die vielen Pendler seien wichtige Standortvorteile. Bisher blieben nur rund 64 Prozent der Kaufkraft in Rüsselsheim. Das sei ein sehr niedriger Wert für eine Stadt dieser Größe. Zudem gebe es nur noch wenige Geschäfte und kein „Einkaufserlebnis“ mehr. Das geplante „Opel Forum“ schließe diese Lücke und werde trotz der Konkurrenz in Wiesbaden, Weiterstadt und Frankfurt erfolgreich sein. Eine Gefahr für die Einzelhändler in der Stadt sei das „Opel Forum“ nicht, sagte Schmitz. Acrest investiert nach eigenen Angaben rund 130 Millionen Euro in den Bau des zweistöckigen Einkaufszentrums.

Quelle: F.A.Z.

 

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