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Opel Die Rüsselsheimer Hoffnungsträger

Mit neuen Modellen und einem neuen Vorstandsvorsitzenden soll Opel einmal mehr die Krise hinter sich lassen.

© dpa Nachgefragt: Mit dem in Eisenach gefertigten Kleinwagen Adam will Opel den Weg aus der Krise antreten.

Die Hoffnungsträger heißen Adam und Karl-Thomas. Der eine Vorname steht für den jüngsten Kleinwagen, der andere für den neuen Vorstandsvorsitzenden Neumann der Adam Opel AG. Während das Geschäft mit Adam, der als pfiffiges Stadtauto vor allem jüngere Kundinnen ansprechen soll, schon im Gange ist, müssen die Rüsselsheimer Autobauer auf Karl-Thomas Neumann noch ein Weilchen warten: Der ehemalige Continental- und VW-Manager soll seine neue Stelle am 1. März antreten. Immerhin - die Formalien sind geregelt: Der Aufsichtsrat von Opel hat zugestimmt, und im gleichen Zug wurde Neumann auch zum Europachef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) ernannt. Im Geflecht des Weltkonzerns GM wird Neumann damit an dem für den deutschen Ableger wichtigsten Knoten positioniert.

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Der 51 Jahre alte Neumann übernimmt damit einen der nach Branchenmeinung schwierigsten Posten im europäischen Automobilgeschäft, denn Opel hat seit den großen Krisen nicht wieder richtig Tritt fassen können. Die Rüsselsheimer haben Marktanteile verloren und schreiben rote Zahlen, trotz der Schließung des Werks in Antwerpen gibt es Überkapazitäten auf dem zudem noch schrumpfenden europäischen Markt. Eine Herkulesaufgabe, an der sein Vorgänger Karl-Friedrich Stracke zumindest nach Meinung des Mutterkonzerns gescheitert ist. Nach nur etwas mehr als einem Jahr an der Spitze von Opel wurde er wieder abberufen. Geduld mit dem Spitzenpersonal zählt nicht zu den Tugenden von General Motors: 19 Vorstandsvorsitzende hat es bei Opel seit dem Zweiten Weltkrieg gegeben, und Dienstzeiten von 13 Jahren, wie sie der erste Nachkriegschef Edward Zdunek erreichte, gibt es schon lange nicht mehr.

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Elektrische Antriebe sind zentrale Perspektive

Zumindest in Fragen der Ausdauer scheint Marathonläufer Neumann für den Posten in Rüsselsheim gut vorbereitet, und auch seine Expertise in der Automobilbranche ist unumstritten. Der Niedersachse, von Haus aus Elektroingenieur, kam über die Automotive-Sparte von Motorola zu Volkswagen, avancierte zum Chef der Konzernforschung und wechselte dann in den Vorstand der Continental AG. Unter seiner maßgeblichen Beteiligung wurde das Unternehmen zum zweitgrößten deutschen Zulieferer für Autoelektronik und er selbst zum Vorstandsvorsitzenden des Konzerns. Mediale Aufmerksamkeit erlangte er während der Übernahmeschlacht zwischen Conti und Schaeffler 2009. Schaeffler setzte sich durch, und Neumann kehrte nach Wolfsburg zurück. Dort befasste er sich mit Elektroantrieben und von 2010 an mit dem China-Geschäft, galt zeitweilig sogar als Kronprinz des VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn. Doch 2012 wurde das VW-Management neu aufgestellt, und Neumann verlor seinen Spitzenposten.

Die Erfahrungen in China und sein Fachwissen über Elektroantriebe werden als zwei Schlüsselqualifikationen für den Opel-Spitzenposten genannt. Denn elektrische Antriebe sind eine zentrale Perspektive des Individualverkehrs - und das Geschäft mit China könnte einer der Rettungsanker für das absatzschwächelnde hessische Unternehmen werden. Denn lange Jahre spielte in der globalen Strategie von GM Opel nur für den europäischen Markt. Später, viel später als anderen Konkurrenten wurde Opel vom Mutterkonzern überhaupt der Weg ins Reich der Mitte freigegeben, so dass nun Neumanns Wissen über den Markt dringend benötigt wird, um in China wieder zur Konkurrenz aufzuschließen.

Gute Nachfrage für Adam

Aber jenseits der fernöstlichen Perspektiven ist Neumann zunächst auf dem heimischen Markt gefordert. Auf ihn wartet die sicherlich unangenehme Aufgabe, das Opelwerk in Bochum abzuwickeln. 2016 spätestens soll es so weit sein, und bei den Verhandlungen über die Schließung bekommt es der als selbstbewusst geltende Neumann mit den nicht minder selbstbewussten Vertretern der IG Metall und des Opel-Betriebsrats zu tun. Eine weitere Herausforderung ist es, die Zusammenarbeit von Opel und GM auf der einen, dem französischen PSA-Konzern auf der anderen Seite zu organisieren. PSA mit den Marken Peugeot und Citroën soll mit Opel kooperieren. Alle drei Marken teilen die Konzentration auf den europäischen Markt und die damit verbundenen Schwierigkeiten. Ob es tatsächlich gelingt, aus der Addition alter Schwächen bei Opel und PSA neue Stärke für den Wettbewerb zu gewinnen, wird also auch von Neumanns Geschick abhängen.

Aber es gibt auch einige günstige Vorzeichen für Neumann. So scheint sich die Nachfrage für Adam, den anderen Hoffnungsträger, gut anzulassen. Binnen weniger Tage verzeichnete Opel mehr als 20.000 Vorbestellungen, und mit dem „Cascada“, einem Coupe auf Basis des Volumenmodells Astra, bietet das Rüsselsheimer Unternehmen auch wieder ein Auto, das mit Chic und Design das Markenimage befördern kann. Und der Ruf von Opel muss nach der jahrelangen Dauerkrise dringend aufpoliert werden - auch das eine Aufgabe für den Hoffnungsträger aus Niedersachsen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.02.2013, 23:24 Uhr

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