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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.12.2012, 23:21 Uhr

Online-Seelsorge Ersthelfer für die Seele

Häusliche Gewalt, sexueller Missbrauch, Selbstmordgedanken, Burnout: Die Liste seelischer Probleme ist lang, ebenso wie die Wartezeit auf den Termin bei einem Psychotherapeuten. Professionelle Online-Beratungen können eine erste Anlaufstelle sein - für Betroffene in jedem Alter. Drei Beispiele.

Am schlimmsten ist es für die Online-Seelsorger, wenn sie keine Antwort bekommen. Diese Erfahrung machen die jungen Mitarbeiter der Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter zwar selten. Aber schmerzhaft ist sie jedes Mal: Sie erhalten eine E-Mail, in der ihnen ein junger Mensch von seinen Sorgen, Ängsten und Hoffnungen berichtet. Dann antworten sie darauf - und bekommen keine Rückmeldung. „Diesen Ratsuchenden geht es nicht um eine Antwort. Sie wollen sich einfach alles von der Seele schreiben“, glaubt Sarah. Die 27 Jahre alte Studentin ist eine von fünfzehn Online-Seelsorgern der Jugendgemeinde und seit Projektstart 2011 im Team.

Als Lehramtsstudentin ist sie nicht vom Fach. Aber darum geht es bei der Online-Seelsorge auch nicht. „Beratungsstellen gibt es viele. Wir wollten nicht noch eine aufmachen, sondern etwas dazwischenschalten“, sagt Pfarrer Rasmus Bertram, der das Projekt leitet. Ihm fiel vor einiger Zeit auf, dass sich Jugendliche schwer damit tun, in einem persönlichen Gespräch von ihren Problemen zu erzählen. So entstand die Idee einer virtuellen Anlaufstelle, von denen es deutschlandweit inzwischen mehrere gibt.

Seelsorge für das Rhein-Main-Gebiet

In Frankfurt bietet neben der Jugendkirche Sankt Peter auch der Kinderschutzbund eine Online-Beratung für Kinder und Jugendliche an. „Bald nach Projektstart haben wir die Erfahrung gemacht, dass sich das Internet nicht auf das Rhein-Main-Gebiet begrenzen lässt“, sagt Reinhold Neef lächelnd. Er ist Kinder- und Jugendpsychotherapeut und bekommt inzwischen Anfragen aus ganz Deutschland. Rasmus Bertram erzählt sogar von deutschen Austauschschülern, die sich aus dem Ausland an die Seelsorger wenden.

Auf den Großraum Rhein-Main beschränkt ist das Angebot des Hauses der Volksarbeit. Hier können sich Ratsuchende nur anmelden, wenn sie eine Postleitzahl aus der Region angeben. Die Online-Beratung richtet sich im Gegensatz zum Angebot der Jugendkulturkirche und des Kinderschutzbunds ausschließlich an Erwachsene.

Antwort innerhalb von 24 Stunden garantiert

Gemein ist allen virtuellen Anlaufstellen, dass sie den Klienten Anonymität bieten. „Das senkt die Hemmschwelle deutlich“, sagt Pfarrer Bertram. Dafür spricht die steigende Zahl Jugendlicher, die sich über die Internetseite der Kirche unter einem Pseudonym anmelden und den Online-Seelsorgern eine E-Mail schicken, die diese innerhalb von 24 Stunden beantworten - das ist ein Grundsatz des Angebots.

Das ist nicht immer leicht. Denn die Online-Seelsorger von Sankt Peter gehen ihrer Aufgabe ehrenamtlich und neben Ausbildung, Beruf oder Studium nach. Trifft eine E-Mail ein, leitet Bertram sie nicht einfach an einen Seelsorger weiter, der gerade Zeit hat, sondern ruft zunächst den für ein Problem am besten geeigneten Ansprechpartner an. Der macht sich dann so schnell wie möglich auf den Weg in die Gemeinde. Am privaten Rechner beantworten sie prinzipiell keine Anfragen. Bertram ist wichtig, dass die jungen Seelsorger - sie sind zwischen 17 und 32 Jahren alt - nicht mit den Problemen, angesichts deren „jeder erst mal tief durchatmen muss“ allein gelassen werden. Sich selbst bezeichnet er daher auch als „Seelsorger für die Seelsorger“. Bei Suiziddrohungen etwa ist sein Rat dringend erforderlich.

„Ich kann Selbstmordgedanken nicht nachvollziehen“

Sarah nimmt solche Fälle nur ungern an „Ich kann Selbstmordgedanken nicht wirklich nachvollziehen, deshalb fällt es mir schwer, hier die richtigen Worte zu finden.“ Lieber widmet sie sich Anfragen von Scheidungskindern. „Diese Fälle liegen mir, weil ich selbst ein Scheidungskind bin, die Probleme verstehe und weiß, wie sich das anfühlt.“ Dagmar, die an der TU Darmstadt Architektur studiert, ruft der Pfarrer eher an, wenn ein Jugendlicher schreibt, dass er sich absichtlich selbst verletzt. „Weil ich mit diesen Leuten eher auf einer Wellenlänge bin als mit anderen“, erzählt sie.

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