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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Oka Nikolov Ein zufriedener Ersatzmann

 ·  Oka Nikolov genießt beim Hallenturnier noch einmal die große Bühne. Der Torhüter will noch ein Jahr bei der Eintracht bleiben.

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© dapd Eine Eintracht-Institution: Nikolov ist seit 1993 Profi in Frankfurt. Deshalb nennt man ihn den „ewigen Oka“.

Den scherzhaften Seitenhieb seines Chefs konnte Oka Nikolov locker verkraften. „Was war denn das?“, fragte Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Eintracht, seinen Torhüter in den Gängen der Ballsporthalle. Bruchhagen spielte auf einen Fehlpass an, mit dem der Schlussmann im ersten Spiel des Hallenturniers um den Frankfurt Cup am Freitagabend beim 5:3-Sieg gegen den FC St. Pauli ein Gegentor verursacht hatte. Nikolov schmunzelte die freundschaftlich vorgetragene Kritik weg und erwiderte: „Ich wollte halt einen Assist.“

Fast 22 Jahre bei der Eintracht

So locker kann wohl nur eine Eintracht-Institution mit ihrem Vorstandsvorsitzenden über Missgeschicke reden. Und eine solche Institution ist Nikolov mit seinen 38 Jahren, von denen er nun fast 22 bei der Eintracht verbracht hat. 1991 war Nikolov aus der Jugend des SV Darmstadt 98 zu den A-Junioren der Eintracht gewechselt. Karl-Heinz Körbel, mit seinen 602 Einsätzen Bundesliga-Rekordspieler und eine der größten Legenden des Klubs, rühmt sich gerne, dass der damals 17 Jahre alte Junge aus dem Odenwald seine erste Verpflichtung als Nachwuchstrainer gewesen sei. Und Nikolov ist seither wie sein Entdecker in den Jahrzehnten zuvor immer beim selben Klub geblieben: gleich ob die Eintracht abgestiegen oder aufgestiegen ist, gleich ob er wie bei seinem Einstieg bei den Profis 1993 Ersatzmann war oder wie in den meisten Spielzeiten die Nummer eins.

Er hat in diesen zwei Jahrzehnten zunächst 1996 nach dem ersten Bundesligaabstieg der Eintracht das Erbe von Andreas Köpke angetreten und später Konkurrenten wie Markus Pröll oder zuletzt vor anderthalb Jahren Thomas Kessler auf die Ersatzbank verdrängt, nur Dirk Heinen musste er zwei Jahre lang chancenlos den Vortritt lassen. Nikolov bestritt seit seinem Debüt im Jahr 1995 221 Spiele in der Bundesliga und stand 150 Mal in der Zweitklassigkeit im Kasten. Ähnlich oft schaute er von der Bank aus zu, so wie in dieser Spielzeit, in der ihn der überragende Torhüterkollege Kevin Trapp womöglich bis zum wohl nahen Karriereende in die Rolle der Nummer zwei gedrängt hat. Lediglich im DFB-Pokal kam der Mazedonier in der ersten Runde bei der Niederlage in Aue zum Zug, nachdem sich Trapp eine Rote Karte eingehandelt hatte.

Deshalb genoss es Nikolov am Freitagabend sichtlich, endlich einmal wieder auf der wenigstens halbwegs großen Bühne des Hallenturniers vor fast 6000 Zuschauern seiner Leidenschaft des Toreverhinderns nachgehen zu dürfen. Während er in früheren Jahren das Hallenspektakel meist aus Angst vor Verletzungen mied, entschied er sich nun aus Lust am Spiel für eine Teilnahme in der arg dezimierten Eintracht-Truppe, die ganz ohne Stammspieler und zudem ohne Cheftrainer Armin Veh nach Höchst anreiste. „Mir macht das heute richtig Spaß, sonst wäre ich nicht hier“, sagte Nikolov dennoch unverdrossen.

Die Fans freuten sich ebenfalls über die Anwesenheit ihres Lieblings bei dem Turnier, das der Veranstalter und ehemalige Eintracht-Profi Gert Trinklein als „Neujahrsempfang des Frankfurter Sports“ bezeichnet. So konnte Nikolov nebenbei mit dem ehemaligen Tischtennis-Weltmeister und guten Freund Jörg Roßkopf ein paar Worte wechseln. Zwischen den Spielen war er zudem bei den Autogrammjägern begehrt. Auf dem Feld wurde er derweil für seine Paraden von den Eintracht-Sympathisanten gefeiert, seine wenigen Fehler wurden ihm locker verziehen. „Das Zusammentreffen mit den Fans hier in der Halle ist sicher auch ganz schön, aber in der Hauptsache bin ich wirklich hier, um Fußball zu spielen“, sagte Nikolov. Das taten der Torwart und seine Vorderleute, verglichen mit den peinlichen Auftritten in den beiden Vorjahren, recht engagiert. Nach einer Halbfinal-Niederlage gegen Greuther Fürth im Neun-Meter-Schießen und dem anschließenden Sieg gegen den FSV Frankfurt reichte es freilich dennoch nur zum dritten Platz, während sich ausgerechnet der Erzrivale Kickers Offenbach durch einen 4:1-Finalsieg gegen Fürth die 5000 Euro Siegprämie sicherte.

Mit dem Ersatzmann-Posten zufrieden

Nikolov nahm deshalb am Ende des Abends als einziger Eintracht-Akteur einen Siegerpokal mit nach Hause. Er wurde zum besten Torhüter des Turniers gekürt. Diese Ehrung muss man freilich eher als Liebeserklärung ans Lebenswerk denn als gerechte Zensur für seine Leistung auffassen. Denn gerade beim schnellen Hallenspiel und den vielen Schüssen aus kürzester Distanz merkt man dem Routinier das Alter an. Hier kann er weniger als auf dem Großfeld verschleißbedingte Beweglichkeitsmängel durch Erfahrung ausgleichen. Auch Nikolov selbst weiß, dass er den Alterungsprozess nicht aufhalten kann. Auch deshalb hat er sich in den vergangenen Monaten in seine Rolle als Ersatzmann gefügt. „Ich bin Realist und schaue mir jedes Spiel genau an. Kevin Trapp hat sensationell gespielt. Da muss man den Hut ziehen. Also ist doch klar, dass er im Tor steht“, sagt Nikolov. „Wäre ich zehn Jahre jünger, würde ich vielleicht anders reden. Aber heute kann ich das so akzeptieren.“ Dennoch will er sich in den kommenden Tagen im Trainingslager in Abu Dhabi, wohin die Eintracht am Samstag geflogen ist, so in Form bringen, dass er jederzeit in der Bundesliga seinen Mann stehen könnte.

So bleibt also nur die Frage nach der Zukunft: Der Vertrag läuft nach der laufenden Spielzeit aus. Gespräche mit den Eintracht-Verantwortlichen gab es bislang noch nicht. „Aber diese Gespräche werden wir in den kommenden Wochen führen“, sagt Nikolov. „Ich denke, dass wir klarkommen werden.“ Für den Keeper kann das nur bedeuten, dass er ein Angebot des Vereins zur Vertragsverlängerung um ein Jahr erwartet. Die Eintracht hätte dann einen erfahrenen Schlussmann auf der Bank, der die Rolle des Ersatzmanns klaglos akzeptiert, aber zumindest reif genug wäre für Aushilfseinsätze. Zudem dürfte in den Gesprächen diskutiert werden, wie der „ewige Oka“ womöglich über seine Zeit als Profi hinaus an den Verein gebunden werden kann. Denn eine Institution, die sogar mit dem Vorstandschef zu scherzen wagt, die lässt man nicht so einfach ziehen.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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