Viertes Spiel, vierte Niederlage - die sportliche Krise der Offenbacher Kickers in der dritten Fußball-Profiliga wird immer größer. Am Mittwoch unterlag der OFC vor eigenem Publikum Arminia Bielefeld 1:3. Dem Tabellenletzten unterlief ein schlimmer Fehlstart in die Partie, der die Nerven zusätzlich strapazierte. Bereits nach vier Minuten führte die Arminia durch Treffer von Fabian Klos (2. Minute) und Sebastian Hille (4.) 2:0. Das Chaos in der Kickers-Abwehr hätte vor 6640 Zuschauern kaum größer sein können. Nur Thomas Rathgeber gelang schließlich der Treffer zum 1:2 (56.). Mit einem Konter in der 87. Minute stellte Marcel Appiah schließlich den 3:1-Endstand für die Arminia her.
Damit gerät der Arbeitsplatz von Kickers-Trainer Arie van Lent immer mehr in Gefahr. In der Vorsaison kam Bielefeld als Tabellenletzter ohne Punkt nach Offenbach - und gewann 1:0. Diesmal gab die Arminia nicht den Krisenhelfer für den desolat in die Saison gestarteten OFC. Zumindest voerst hält der Verein aber an van Lent fest. „Es gibt keine Trainierdiskussion“, sagte Sportkoordinator Ramon Berndroth einen Tag nach dem 1:3
Pfeifkonzert der Fans
Wieder probierte van Lent im zweiten Heimspiel etwas Neues aus: Stürmer Rathgeber, Mittelfeldspieler Nicolas Feldhahn sowie Innenverteidiger Marcel Stadel standen diesmal in der Startformation. Sich gegen die missliche Lage zu wehren, lautete das Motto des Trainers. Doch bereits nach zwei Minuten war die Gegenwehr erlahmt. Der Bielefelder Angreifer Fabian Klos war sprichwörtlich so frei, aus bester Schussposition die 1:0-Führung zu erzielen. Nur zwei Minuten später riefen die OFC-Anhänger dann: „Wir haben die Schnauze voll!“. Denn diesmal bestrafte Sebastian Hille nach einer Flanke von Klos die große Unordnung in der Offenbacher Hintermannschaft mit einem Kopfball zur 2:0-Führung.
„Nach vier Minuten war es fußballerisch die schwerste Aufgabe, die es gibt“, sagte Sportkoordinator Ramon Berndroth. 14 Minuten vergingen, bis die bemühten, aber verunsicherten Kickers ein Lebenszeichen gaben. Der Distanzschuss von Kapitän Sead Mehic ging jedoch über das Tor der Arminia. Der Mittelfeldspieler und Rathgeber bäumten sich gegen die Pleite auf. Der Defensive, allen voran Linksverteidiger Marc Stein, hingegen fehlten das Können und die Abgeklärtheit. Vorne gab es die Räume für die Bielefelder, die aber auf der anderen Seite für den OFC kaum vorhanden waren. Nach einem Pfeifkonzert der Fans zur Pause verstärkten die Kickers ihr Engagement.
Fahrlässige Arminen
Für den Aufwand belohnte sich der OFC mit dem Treffer durch Rathgeber, der eine Flanke von Julius Reinhardt in der 56. Minute zum 1:2 verwertete. Anschließend war das Glück des Tüchtigen mit den Offenbachern, weil die Bielefelder ihre Möglichkeiten ungenutzt ließen. Wie Kickers-Stürmer Mathias Fetsch, dessen Schuss in der 72. Minute das Tor des Gegners verfehlte. Wenigstens kämpften die Hessen jetzt. Ihre prekäre Situation aber konnten sie nicht mehr verbessern. Beim 1:3 durch Appiah liefen sie dem Torschützen erfolglos hinterher. Wenig später entlud sich dann der Unmut des Publikums. Bei den Offenbacher Spielern war Betroffenheit zu spüren. „Es ist einfach nur traurig“, sagte Verteidiger Stein.
Am Rande des Heimspiels wurden Unterschriften für die Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gesammelt. Diese wird von einem Teil der Mitglieder gefordert. Für den entsprechenden Antrag müssen mindestens zehn Prozent der stimmberechtigten Vereinsmitglieder votieren. Gegenwärtig ist die Hauptversammlung, auf der ein neues Präsidium gewählt werden soll, im kommenden Oktober geplant. Einziger Präsidentschaftskandidat ist bisher Frank Ruhl. Offenbar wird ein Gegenkandidat gesucht. „Ich gehe mal davon aus, dass es da Bestrebungen gibt“, sagte Geschäftsführer Jörg Hambückers dieser Zeitung.