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Sozialhilfe-Betrug : Abhängig von skrupellosen Betrügern

  • -Aktualisiert am

In maroden Häusern: Gudrun Grebe macht Kontrollbesuche bei Hartz-IV-Empfängern in Offenbach. Bild: Lukas Kreibig

In Offenbach beantragen auffallend viele Bulgaren Sozialhilfe. Kontrolleure der Stadt treffen oft auf Menschen, die in ein mafiöses System geraten sind.

          Es ist ziemlich schwierig, Iwet Djankowa zu finden. Irgendwo in dem heruntergekommenen Haus in der Offenbacher Innenstadt soll sie wohnen, vermutlich im dritten Obergeschoss. Gudrun Grebe und Marie Kraus überprüfen zunächst die heruntergerissenen Briefkästen, auf denen mit Edding ein paar Namen gekritzelt sind. Djankowa fehlt. Also durchqueren sie den Hinterhof, in dem Eimer mit Müll und leeren Bierflaschen herumstehen. Nächster Versuch: das Vorderhaus. Auf der Treppe liegen Kippen, an der maroden Decke sind Gas- und Wasserleitungen zu sehen. Sie klopfen an den beiden Wohnungstüren im dritten Stock, doch Iwet Djankowa kennt niemand.

          Grebe und Kraus sind im Auftrag des Amtes für Arbeitsförderung, Statistik und Integration unterwegs. Hierhin wenden sich alle, die in Offenbach Sozialleistungen beantragen wollen. Weil nicht alle Antragsteller wahrheitsgemäß ihre Ausgaben und Einkünften angeben, besuchen Außendienstmitarbeiter wie Grebe und Kraus sie in ihren Wohnungen, wenn der Verdacht auf Betrug besteht. Manchmal kommen sie durch anonyme Hinweise auf die Spur eines Betrügers, etwa jenes Mannes, der offiziell Miete für sein Zimmer zahlte, aber eigentlich bei seiner Freundin lebte und Untermiete kassierte.

          Auffallend hohe Mieten

          Hausbesuche sind grundsätzlich nicht neu. Denn seit es Sozialleistungen gibt, versuchen Menschen, sich das Geld zu erschleichen. In einer wachsenden Zahl von Fällen aber leben ausländische Antragsteller mit mehreren Menschen zusammen in einem Zimmer und zahlen dafür eine ungewöhnlich hohe Miete - und so ist es auch bei Iwet Djankowa. Die Sachbearbeiter vermuten dann ein System, in dem sich Hintermänner an jenen bereichern, die in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland gekommen sind.

          Seit längerer Zeit beobachtet die Stadt, dass vor allem Bulgaren vermehrt Anträge auf Sozialleistungen stellen. Bei Deutschen, Türken und Polen ist die Quote der Hartz-IV-Empfänger seit 2006 stabil geblieben. Bei anderen, vor allem Afghanen und Pakistanis, aber auch Rumänen, ist sie im selben Zeitraum teilweise drastisch gesunken. Die Zahl der bulgarischen Hartz-IV-Empfänger dagegen steigt kontinuierlich, wie der aktuelle Sozialbericht zeigt: Bezogen 2006 noch rund zwölf Prozent der in Offenbach lebenden Bulgaren im Alter von bis zu 65 Jahren Sozialleistungen, sind es jetzt rund 31 Prozent.

          Sprachbarrieren sorgen für Abhängigkeit

          Die Entwicklung ist so auffällig, dass die Stadt verborgene „Hilfsstrukturen“ vermutet, wie Matthias Schulze-Böing sagt, „und das leert den Stadtsäckel“. Er leitet das Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration. Es gebe Hinweise auf ein Netzwerk von Geschäftsleuten aus verschiedenen Branchen, die miteinander kooperierten. Bulgaren, Deutsche und Türken, die etwa Reinigungs- und Bauunternehmen führten, würben gezielt die verarmte Minderheit der türkischsprachigen Bulgaren an.

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