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Öffnungszeiten Sonntags Brötchen kaufen und Videos ausleihen

 ·  "Ja klar, sonntags machen wir das beste Geschäft", sagt Robert Kern, Videothekar in Frankfurt. Acht Stunden, von 13 bis 21 Uhr, steht er dann seinen Kunden zur Verfügung. Und er ist nicht der einzige.

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"Ja klar, sonntags machen wir das beste Geschäft", sagt Robert Kern, Videothekar in Frankfurt. Acht Stunden, von 13 bis 21 Uhr, steht er dann seinen Kunden zur Verfügung. Und er ist nicht der einzige. Viele Videotheken sind mittlerweile an sieben Tagen in der Woche geöffnet, wenn auch mit leicht verkürzten Zeiten an den Wochenenden. Das lohne sich nicht nur wirtschaftlich, so der Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland (IVD). Nach Angaben des Verbandes erwirtschaften die deutschen Videotheken mittlerweile 15 bis 20 Prozent ihres Gesamtumsatzes allein an Sonntagen. Darüber hinaus sei eine solche Regelung aber auch kundenfreundlicher.

Mit dieser Einstellung steht der IVD nicht alleine. Längere Öffnungszeiten oder auch Wochenendarbeit sind für manche Dienstleister mittlerweile zur Normalität geworden. "Solange Kunden kommen, haben wir geöffnet", berichtet Friseurin Gabriele Behrens. Wenn sie ihre Haarschnitte nach Mondphasen anbietet, werden auch schon mal Nachtschichten eingelegt. "Letztes Mal haben wir bis vier Uhr morgens gearbeitet", sagt sie. Auch andere Salons böten spezielle Behandlungen an, so Luisa Mannhöfer von der Friseurinnung Frankfurt. Zum Beispiel "lange Abende", an denen bei Sekt und guter Laune oft bis in die Nacht hinein geschnippelt und gebleicht wird. "Da ist open end", sagt Mannhöfer. Vorrangiger Grund für längere Öffnungszeiten sei aber vor allem der verbesserte Service für Berufstätige, die auch nach Feierabend noch einen Friseurtermin wahrnehmen wollten. "Öffnungszeiten bis 20 Uhr sind donnerstags fast normal." Und die Innungsfrau weiß von mehreren Salons, die regelmäßig bis 22 Uhr geöffnet sind. Mit der Tradition, das Geschäft montags zu schließen, werde ebenfalls immer öfter gebrochen.

Auch für viele Bäcker ist der Sonntag mittlerweile Werktag. "Das ist einfach eine Dienstleistung. Im Gastronomiegewerbe ist es normal, an Sonntagen zu arbeiten", sagt Kerstin Junghans, Geschäftsführerin der Bäckerinnung und der Hotel- und Gaststättenvereinigung Frankfurt. Drei Stunden lang dürfen Bäcker an Sonntagen ihre Waren verkaufen, Milch und Milchprodukte für zwei Stunden. Dafür steht ihnen in Hessen der Zeitraum vom 7 bis 15 Uhr zur Verfügung. Zwar lohne sich der Aufwand für Kleinbäckereien aufgrund der hohen Personalkosten nicht, so Junghans, aber meist werde das Angebot von den Kunden gut angenommen.

"Ich kann mir nicht vorstellen, daß jemand so was macht", sagt dagegen Denise Jacoby von der Kassenärztlichen Vereinigung Frankfurt zum Thema Sonntagsarbeit. Dabei können niedergelassene Ärzte ihre Arbeitszeiten weitgehend flexibel gestalten, da sie als Freiberufler so gut wie keinen arbeitszeitlichen Regelungen unterworfen sind. Einzige Auflage ist laut einer Mitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung, daß der betreffende Arzt "in zumindest ausreichendem (zeitlichen) Maß zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung" steht. Theoretisch darf ein Arzt auch an Feiertagen Patienten behandeln, selbst wenn es sich nicht um einen Notfall handelt. Der Bedarf werde aber ausreichend von den ärztlichen Notdiensten abgedeckt, sagt Jacoby.

Für Behördenverhältnisse ungewohnt flexibel geben sich die Frankfurter Standesämter. Einmal im Monat wird hier auch samstags getraut. "Für mehr ist im Moment allerdings kein Bedarf", sagt Andrea Hart vom Standesamt Frankfurt Mitte. Generell aber richte man sich natürlich nach den Wünschen der Bürger, und dazu gehörten auch Trauungen an Sonn- und Feiertagen.

Gänzlich durchgesetzt haben sich Sonntagsarbeit und längere Öffnungszeiten allerdings noch nicht. "Das machen nicht alle", weiß Videothekar Robert Kern. "Aber in Amerika ist das normal." Und warum nicht hier? Er lacht. "Das ist halt Deutschland." THOMAS COLSHORN

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