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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Occupy Neues Lager ohne Zelte

 ·  Während die Grünanlage vor der EZB erneuert wird, breitet sich der Occupy-Protest auf dem Willy-Brandt-Platz aus.

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Vor kurzem war es noch laute Musik, die aus der Grünanlage vor der EZB über den Willy-Brandt-Platz schallte. Nun sind es monoton dröhnende Rasenmäher und anderes schweres Gerät. Mit ihnen soll das Grün wiederhergerichtet werden. Rot-weißes Flatterband, das derzeit noch provisorisch die gesamte Fläche absperrt, zeigt, dass die wohl größte Grünanlagen-Baustelle der Stadt nicht betreten werden soll. Stattdessen bleiben neugierige Bürger oder zufällig vorbeieilende Passanten und Touristen vor dem Band stehen. „Was ist denn hier passiert?“, fragt eine Frau mittleren Alters.

Die Antwort bekommt sie nur wenige Meter entfernt auf dem Willy-Brandt-Platz. Dort aalen sich an diesem Freitagmittag Occupy-Anhänger zwischen Topfpflanzen und Plakaten mit Aufschriften wie „Unseren Widerstand könnt ihr nicht brechen“ auf Campingstühlen in der Sonne. Gerne geben sie Auskunft darüber, wie sie den Protest auch ohne Zelte fortführen wollen.

Auf einer Iso-Matte im Schlafsack

Mit dabei ist Maike Wolf, die bis zur Räumung im Occupy-Camp gelebt hat. Ihre Wohnung hatte sie Ende Januar gekündigt, um ganz dorthin zu ziehen. Die Ziele von Occupy hätten sie überzeugt, sagt sie. Deshalb habe sie auch über die teils problematischen Zustände in dem Lager hinweggesehen, zumal sie die Diskussion über Ratten und Hygiene „ohnehin immer etwas übertrieben fand“. Wolf ist eine der Anmelderinnen der Mahnwache auf dem Willy-Brandt-Platz. Weil es das Camp nicht mehr gibt, schläft sie nun dort. Auf einer Iso-Matte im Schlafsack.

Dass der Protest auf dem Willy-Brandt-Platz zwar ohne Zelte, dafür aber mit Schlaflager, Tischen und Stühlen weitergeht, behagt nicht jedem. Aus der Stadtverwaltung ist zu hören, dass es schon erste Beschwerden von Bürgern gibt, die befürchten, dass sich ein neues Lager neben der Grünanlage etablieren könnte. Die Rede ist von Punks, die sich an der Mahnwache gegenüber dem Opernhaus niedergelassen haben und die nach Ansicht der Bürger wohl kaum für den Protest stehen.

Erst einmal die Grünfläche herrichten

Die Stadt hat die Mahnwachen jedoch vorerst genehmigt, wohl auch, um Ruhe in die Protestbewegung zu bringen. Man wolle sich erst einmal darauf konzentrieren, die Grünanlage wiederherzurichten, heißt es. Das Grünflächenamt schätzt die Kosten nach einer umfassenden Untersuchung auf rund 80000 Euro. Davon fallen etwa 30000 Euro für die Abtragung des Bodens und die Einsaat an, weitere 25000 für die Erneuerung der Gehölze, 10000 für die Rattenbekämpfung und noch mal 10000 Euro für neue Bänke.

Die Arbeiten sollen schnell beginnen. In diesen Tagen werde die gesamte Grünfläche gleichmäßig abgemäht und Unkraut vernichtet, damit die Rattenlöcher freigelegt würden und der Schädlingsbekämpfer seine Arbeit aufnehmen könne, sagte gestern der Sprecher des Umweltdezernats. Und immerhin gebe es auch eine gute Nachricht: Der wertvolle Baumbestand in den Wallanlagen sei nicht geschädigt worden. Ende Oktober soll die Grünfläche wieder nutzbar sein.

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