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Occupy-Camp Räumung, nein Danke

 ·  Das Occupy-Camp vor der EZB soll spätestens Mitte August Geschichte sein. Viele der Dauercamper denken aber nicht daran, den Platz zu verlassen.

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Die Tage des Zeltlagers sind gezählt: „249 days occupied“ steht auf der Anzeigetafel gleich neben dem Infostand. Heute ist es demnach 250 Tage her, dass Kapitalismuskritiker den Rasen vor dem Hochhaus der Europäischen Zentralbank besetzt haben. Wie sich herausgestellt hat, sind sie gekommen, um zu bleiben. Geschrumpft ist das Camp in den vergangenen Wochen jedenfalls kaum.

So hatte sich das Ordnungsdezernent Markus Frank(CDU) wohl nicht vorgestellt, als er das Ende des Occupy-Camps verkündete. Mit dem damaligen Anmelder habe er eine „einvernehmliche Lösung“ gefunden, hieß es. Bis zum 31.Juli sollten demnach alle Zelte verschwunden sein, die Rasenfläche bis spätestens Mitte August an die Stadt zurückgegeben werden. Doch in Occupy-Kreisen ist es mit der Einvernehmlichkeit so eine Sache. Es stellte sich heraus, dass viele der Camper nicht daran denken, das Lager aufzugeben. Maike, die schon seit einigen Monaten an der EZB wohnt, sagt: „Das Ende Mitte August war immer eine Forderung, aber keine Vereinbarung.“ Deshalb ist das Camp in den vergangenen Wochen nicht wesentlich kleiner geworden. Auf 70 bis 100 schätzt sie die Zahl der Bewohner. Komplett unbewohnte Zelte hätten sie zwar abgebaut, wie es die Behörden verlangt hatten. Gleichzeitig wiesen sie aber niemanden ab, der ein neues aufbauen wolle. Genau genommen dürften sie das auch gar nicht. Selbst der Anmelder der Demonstration hat kein Hausrecht und darf deshalb niemanden aus dem Protest-Camp ausschließen.

Immerhin: Der meiste Sperrmüll, der sich auf der Anlage gesammelt hatte, ist verschwunden. Rechts des Weges stehen mittlerweile keine Zelte mehr. Der Rasen ist jedoch arg mitgenommen. Die Verwaltung möchte neuen pflanzen, die Aktivisten haben hingegen Pläne entworfen für einen bunten Garten mit Blumen, Wildkräutern und Sträuchern. „Bloß kein englischer Rasen“, sagt Aktivistin Maike.

Viele Streitpunkte

Was der Ordnungsdezernent von all dem hält, wird er einer Occupy-Abordnung morgen persönlich mitteilen. Schon heute trifft sich das „Occupy-Verhandlungsteam“ mit dem Grünflächenamt. Noch träumen die Kapitalismuskritiker von blühenden Landschaften neben dem Camp. Aus der Stadtverwaltung heißt es hingegen, die Fläche werde so begrünt, wie es für die Anlage vorgesehen sei. „Sonst könnte ja jeder kommen und die Parks nach seinen Wünschen gestalten.“

Die gartenbaulichen Details sind aber nur einer der Streitpunkte. Das Occupy-Camp hat längst eher den Charakter eines sozialen denn eines politischen Projekts. Der Anteil der Obdachlosen und Drogenabhängigen ist stetig gestiegen. Weiterhin wohnt ein rumänischer Clan im Camp. Die Frage ist, was aus ihnen wird, wenn das Camp geschlossen wird. Die Occupyer wollen niemanden ausschließen, sondern helfen, so gut es geht. Damit sind sie an die Grenzen des Machbaren gestoßen. „Das Camp ersäuft an seinen Problemen“, sagt Hajo Köhn. Er ist Occupyer, aber kein Camper. Der selbständige Ernährungsberater gehört zu Occupy-Money, einer Gruppe, die sich Gedanken über eine neue Geldordnung macht. Sie setzt eher auf die herkömmlichen Formen des Protests. Gestern und vorgestern sammelten sie an der Hauptwache Unterschriften für eine Volksabstimmung über den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM.

Köhn gehört zu der Occupy-Abordnung, die mit Frank über die Zukunft des Camps sprechen wird. Er fordert von der Stadt konstruktive Angebote. Eine Möglichkeit sei, dass sie dabei helfe, zukünftige Bleiben für die Obdachlosen zu finden. „Die Stadt kann denen doch nicht einfach die Zeltplane über dem Kopf wegziehen“, sagt einer der Occupyer. Sie solle sich lieber darüber freuen, dass sich die Protestler derzeit um die Problemfälle kümmerten. Selbst wenn das Zeltlager verschwinde: „Die bedürftigen Menschen werden sich nicht in Luft auflösen.“

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Jahrgang 1985. Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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