Home
http://www.faz.net/-gzg-6wm5m
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Oberirdische U-Bahn-Trasse Mit 50 Stundenkilometern durchs Europaviertel

Die Frankfurter Verkehrsplaner wollen mit allen Mitteln verhindern, dass die geplante oberirdische Stadtbahn das Europaviertel in ähnlicher Weise zerschneidet wie die U-Bahn den Stadtteil Eschersheim.

© F.A.Z. Vergrößern Der Verlauf der geplanten Verlängerung der U5 ins Europaviertel.

Die Frankfurter Verkehrsplaner wollen mit allen Mitteln verhindern, dass die geplante oberirdische Stadtbahn das Europaviertel in ähnlicher Weise zerschneidet wie die U-Bahn den Stadtteil Eschersheim. Dort ist der Gleiskörper in der Mitte der Eschersheimer Landstraße vom Dornbusch bis zum Weißen Stein eingezäunt. Dennoch sind in den vergangenen Jahrzehnten viele Fußgänger beim Versuch, die Straße und die U-Bahnschienen zu überqueren, ums Leben gekommen.

Hans Riebsamen Folgen:     Rainer Schulze Folgen:  

Wie berichtet, haben sich Stadt, Land und Bund darauf geeinigt, statt einer unterirdischen nun eine oberirdische Strecke anzustreben, mit welcher der neue Stadtteil an der Messe an den städtischen Schienenverkehr angebunden werden soll. Die Stadtbahn ins Europaviertel wird als Verlängerung der von Preungesheim zum Hauptbahnhof führenden U5-Linie geplant. Bis zur künftigen Station Güterplatz soll sie unterirdisch verlaufen, danach über eine Rampe an die Oberfläche geführt werden und bis zur Endstation Wohnpark am Boulevard West in der Mitte des Europaboulevards verlaufen.

Mehr zum Thema

Bisher hatten vor allem die Christdemokraten auf einer Tunnel-Lösung beharrt

Statt wie andere Stadtbahnen soll die U5 auf der ebenerdigen Strecke nicht 70, sondern nur 50Kilometer in der Stunde fahren, also so schnell wie eine Straßenbahn. Auf einen Zaun links und rechts der Rasengleise wollen die Planer verzichten. Weil der Takt im Europaviertel viel weniger dicht sein wird als auf der A-Linie nach Eschersheim, erscheint ihnen die Gefahr für querende Fußgänger weitaus geringer als entlang der Eschersheimer Landstraße. Zumal das Viertel im Norden von der Messe abgegrenzt wird und dort kaum Fußgängerverkehr zu erwarten ist, wie der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, Helmut Heuser, anmerkt.

Er empfiehlt seiner Fraktion, der Umplanung zu einer oberirdischen Linie zuzustimmen. Bisher hatten vor allem die Christdemokraten auf einer Tunnel-Lösung beharrt. Die oberirdische Variante ist in den Augen Heusers zwar nur die zweitbeste Lösung. Doch der Bund wolle nun einmal kein Geld für eine unterirdische Linie zur Verfügung stellen, und Frankfurt allein könne das Projekt nicht finanzieren. Die geschätzten Kosten für eine Tunnellösung sind von 200 auf mittlerweile 260Millionen Euro gestiegen. Die nun favorisierte oberirdische Linie soll 80Millionen Euro billiger sein.

Europaviertel - Die geplante U-Bahn ins Frankfurter  Europaviertel ist zu teuer und wird teilweise oberirdisch gebaut. © Fricke, Helmut Vergrößern Platzhalter: Im Europagarten wurde eine Mulde für den Auto- und U-Bahn-Tunnel ausgespart.

Der Autotunnel liegt in der Verantwortung des Immobilienunternehmens Aurelis

Noch unklar ist, ob Bund und Land eine Untertunnelung des Parks Europagarten mittragen. Heuser wie auch Frankfurts Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) wollen den Park nicht durch die Gleise zerschnitten sehen und plädieren für einen Tunnel unter der Grünfläche, durch den sowohl die Bahnstrecke wie auch die Autostraße führen sollen. Heuser hofft auf eine Mitfinanzierung durch Berlin. Andernfalls müsse die Stadt Frankfurt die Zusatzkosten auf sich nehmen.

Der Autotunnel liegt in der Verantwortung des Immobilienunternehmens Aurelis, das sich um Vermarktung und Erschließung des Neubaugebiets östlich der Emser Brücke kümmert. Für den U-Bahn-Tunnel sei die Stadt zuständig, sagt eine Sprecherin. Aus Sicht des Unternehmens leidet die Wohnqualität nicht unter einem teilweise oberirdischen Verlauf der U-Bahn. Die Bewohner profitierten davon, dass sie bestens an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen würden. Der Europagarten bleibe als zentrale Grünfläche in der Mitte des Quartiers unbeeinträchtigt, weil die Stadtbahn darunter verlaufe. Für manche Anwohner und ihr Sicherheitsempfinden könne es zudem positiv sein, wenn einige Haltestellen oberirdisch lägen.

Schuld an der Verzögerung trage die schwarz-grüne Koalition mit ihrem Zickzack-Kurs

Das für den westlich der Emser Brücke gelegenen Teil des Viertels zuständige Unternehmen CA Immo hingegen reagiert enttäuscht auf die geänderte Planung. „Davon sind wir nicht begeistert“, sagt der Sprecher des Projektentwicklers, der in die Erschließung des Stadtteils mit Straßen und Kanälen bisher einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert hat. Ein Beitrag zur Finanzierung der U-Bahn sei mit der Stadt nicht vereinbart. Sollte die U-Bahn auf dem mittleren Grünstreifen der Europa-Allee fahren, würde der „großzügige Boulevard“ zerschnitten und die Aufenthaltsqualität stark beeinträchtigt. Wo genau die U-Bahn ans Tageslicht kommt, steht noch nicht fest. Frühestens nach der Tiefgaragen-Rampe des „Skyline Plaza“ sei dies möglich, weil die U-Bahn aus Platzgründen nicht oberirdisch um das Einkaufszentrum geführt werden könne, sagt der Sprecher.

Die SPD wird die Umplanung der Stadtbahnstrecke wohl mittragen. Ihr Fraktionsvorsitzender Klaus Oesterling nannte dies „vermutlich unumgänglich“. Die Bundesmittel seien beschränkt und die Finanzlage Frankfurts prekär. Jetzt räche sich, dass das Land die Stellplatzablöse aufgehoben habe, diese Millionen fehlten der Stadt für Verkehrsprojekte. Oesterling erinnerte daran, dass die Stadtverordneten vor mehr als einem Jahrzehnt eine Stadtbahn ins Europaviertel beschlossen hätten. Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) und der damalige Baudezernent Franz Zimmermann (FDP) hätten immer behauptet, die Finanzierung sei kein Problem. „Die Linie müsste längst im Bau sein.“

Schuld an der Verzögerung trage die schwarz-grüne Koalition mit ihrem Zickzack-Kurs. Mal habe eine oberirdische, mal eine unterirdische Linie gebaut werden sollen. Der SPD-Politiker warf der Koalition vor, sie habe versäumt, die Strecke ins Europaviertel als Ersatz für die D2-Strecke von Bockenheim nach Ginnheim baureif zu machen. Wäre dies geschehen, hätte Frankfurt womöglich das für die aufgegebene D-Strecke zugesagte Geld ins Europaviertel umleiten können.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Frankfurt „Porsche Design Tower“ geplant

Ein „Wohnhochhaus der Extraklasse“ soll ein nach der Luxus-Marke Porsche benannter Turm werden. Entstehen soll er im Frankfurter Europaviertel. Mehr

23.08.2014, 18:53 Uhr | Rhein-Main
Batschkapp in Frankfurt Die Gudd Stubb der Herzen

Einst sollte sie eine „linke Gegenkultur“ in Frankfurt etablieren. Vierzig Jahre später ist die Batschkapp eine Institution. Eine, die sogar den Umzug vor einem halben Jahr gut verkraftet hat. Mehr

31.08.2014, 17:40 Uhr | Rhein-Main
Ein Jahr nach Eröffnung Im Skyline Plaza hofft man weiter auf bessere Zeiten

Vieles funktioniert inzwischen. Doch ein Jahr nach der Eröffnung hat das Einkaufszentrum im Europaviertel immer noch nicht richtig Fahrt aufgenommen. Mehr

30.08.2014, 12:59 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 09.01.2012, 19:22 Uhr

Ein Viertel im Wandel

Von Rainer Schulze

Das Frankfurter Ostend wird massiv umgebaut - eine Wandel, die die EZB noch beschleunigt. Das tut dem Ostend gut, doch die Stadt sollte auf die Entwicklung ein kritisches Auge haben. Mehr 2