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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Oberforsthaus Ruine für 2,96 Millionen Euro im Angebot

 ·  Zu Goethes Zeiten ein beliebtes Ausflugsziel, hat das Oberforsthaus seinen Charme längst verloren. Weil Pläne für ein Hotel scheiterten, werden die Reste und das Grundstück nun zwangsversteigert.

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Wenn am 18. Januar um 13.30 Uhr im Saal 202 A des Frankfurter Amtsgerichts die Zwangsversteigerung des Oberforsthauses beginnt, ist es gut möglich, dass die Stadt mitbietet. Der Magistrat will das Grundstück am Rand des Stadtwaldes zurückkaufen; der Zustand des denkmalgeschützten Gebäudes in Sachsenhausen sei "besorgniserregend", heißt es in einer Stellungnahme. Sollte die Kommune den Zuschlag erhalten, will sie das Gebäude sichern und neu vermarkten.

Vor mehr als zwanzig Jahren, am 12. Juni 1989, hatte die Stadt das Oberforsthaus oder besser das, was davon nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und jahrelangem Verfall noch übrig war, für 1,2 Millionen Mark an Helmut Joos veräußert. Der Architekt, dessen Büro JSK zu den bekanntesten der Stadt zählt, wollte am Oberforsthaus ein Hotel errichten. Doch dieser Plan scheint sich nun endgültig zerschlagen zu haben. Zwar hat Joos nicht nur einen historisierenden Architekturentwurf erarbeitet, sondern verfügt auch über eine Baugenehmigung. Selbst einen Franchise-Nehmer, der ein Vier-Sterne-Hotel der Marke Courtyard-Marriott betreiben wollte, hatte Joos vor drei Jahren präsentiert. Doch die Suche nach einem Investor, der den 15 Millionen Euro teuren Bau finanzieren wollte, blieb ohne Erfolg.

Ein beliebtes Ausflugszie

Weil nun auch die Grundschuld-Gläubigerin, die Hessische Landesbank, die Geduld verlor, hat sie den Termin zur Zwangsversteigerung der Immobilie angesetzt. Der Verkehrswert des Grundstücks wird auf 2,96 Millionen Euro geschätzt. Dass die Wertgrenzen für das Mindestgebot wegfallen, verspricht bei der Versteigerung besondere Spannung. Damit sind auch Gebote möglich, die weit unter dem Verkehrswert liegen. Die Bank muss diese allerdings nicht akzeptieren.

Das 1729 erbaute Oberforsthaus hat eine bewegte Geschichte. Sogar in die Dichtkunst fand es Eingang, als Jägerhaus in Goethes "Faust". Einst ein beliebtes Ausflugsziel und mit dem angrenzenden Wäldchen Schauplatz des Wäldchestages, hat es im Zweiten Weltkrieg stark gelitten und wurde 1963 größtenteils abgebrochen. Den baulichen Zustand der übrig gebliebenen, mittlerweile verfallenen Stallungen beschreibt das Amtsgericht in seinem Wertgutachten als "äußerst mäßig". Für eine Nutzung des Geländes ist es zudem nicht förderlich, dass das frühere Tor zum Stadtwald heute quasi auf einer Verkehrsinsel liegt - umbraust von mehrspurigen Zubringerstraßen zum Flughafen und zur Autobahn. Immerhin ist der Verkehrsanschluss hervorragend, inklusive eigener Straßenbahnhaltestelle.

Helmut Joos hatte das Grundstück zusammen mit dem Unternehmer Norbert Fay mit der Verpflichtung erworben, dort ein Hotel zu bauen. Bis zur Baugenehmigung vergingen allerdings 18 Jahre. Den Hotelneubau wollte er mit dem noch erhaltenen Gebäudeteil aus dem 18. Jahrhundert verbinden, der unter Denkmalschutz steht. Die Goethestube und der Faustkeller im Untergeschoss sollten dort zur Einkehr einladen. Heute ist die Joos Oberforsthausverwaltung GmbH Eigentümerin des Grundstücks. Dass die Helaba es nun versteigert, kann Joos nicht nachvollziehen. Er sei weiter zuversichtlich, das Projekt zu finanzieren, und verhandle nach wie vor mit potentiellen Geldgebern. "Einer unserer Schwerpunkte ist der Hotelbau. Wenn wir das angehen, klappt es auch", sagte der Architekt gestern. Er bemängelt allerdings, dass die Stadt die Nutzung früh festgelegt hat. Andere Möglichkeiten wie eine Privatklinik oder ein Altersheim seien seinerzeit abgelehnt worden. Joos vermutet, dass die Stadt nach einem Erwerb andere Nutzungen genehmigen wird. "Das werde ich nicht hinnehmen."

„Zu weit draußen“

Sollte ein Käufer tatsächlich die Hotelpläne verwirklichen wollen, muss er sich beeilen. Die Baugenehmigung gilt nämlich nur noch bis April, sie kann allerdings auf Antrag und gegen Gebühr verlängert werden. Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel hält dieses Szenario für unwahrscheinlich. Ob er mitbietet oder nicht, macht Gangel von den Interessen anderer Bieter abhängig: "Ich werde nicht mit öffentlichem Geld in die Bresche springen und womöglich vernünftige Vorhaben überbieten."

In der Immobilienbranche wird der Standort unterschiedlich bewertet. Während ein Makler urteilt, das Gelände sei für ein Hotel "ganz in Ordnung", meint ein anderer, es sei "zu weit draußen". Oliver Barth, Geschäftsführer von BNP Paribas Real Estate, hält den Standort für "kompliziert" und empfiehlt der Stadt, die Nutzung dort nicht rigide vorzuschreiben. "Es wäre schön, wenn sich an dem Schandfleck überhaupt etwas bewegt."

Nicht zuletzt wegen des nahen Flughafens ist das Grundstück für den Wohnungsbau eher nicht geeignet. Joos bezweifelt zwar, dass sich der Fluglärm negativ auswirkt. Seit der Eröffnung der neuen Landebahn fliegen die Jets etwa 300 Meter vom Grundstück entfernt in 580 Metern Höhe. Eine benachbarte Messstation zeigt dabei Werte zwischen 70 und 80 Dezibel an.

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