17.02.2012 · Da eine Wahlveranstaltung der CDU am Donnerstag im Saalbau Oberrad vor allem von Fluglärmgegnern besucht wurde, dominierte ihr Anliegen auch die Diskussion.
Gekommen war Boris Rhein (CDU), um die Grundzüge seiner Politik vorzustellen und im Anschluss Fragen der Bürger zu beantworten. „Niemand wird die Landebahn stilllegen, erst recht nicht ein Oberbürgermeister“, sagte Rhein. Das sei die ehrliche Antwort, etwas anderes könne niemand versprechen.
Ein Oberbürgermeister von Frankfurt habe überhaupt nicht die Möglichkeit, die Landebahn zu verbieten. Er wolle aber ein Maßnahmenbündel umsetzen, das die Lärmbelastung erträglicher mache. So plane er einen Fonds, der sich aus Dividenden der Fraport und aus Gewerbesteuereinnahmen speise. Aus diesem sollten passive Lärmschutzmaßnahmen finanziert werden. Auch seien Abflugrouten, Landeanflugwinkel und hohe Flughafengebühren für laute Flugzeuge Möglichkeiten, die Belastungen zu verringern.
Die Fluglärmgegner, etwa zwei Drittel der rund 100 Besucher an diesem Abend, machten ihrem Unmut immer wieder mit Zwischenrufen Luft. Als Lügner beschimpften sie Rhein, die Lärmbelastung durch die Flugzeuge verletze sie in ihren Menschenrechten. Dass sich Rhein für ein Nachtflugverbot einsetzen will, ließen sie nicht gelten. Eine Mutter erzählte unter Tränen vom nächtlichen Nasenbluten ihres wenige Monate alten Kindes. Es habe Bluthochdruck, durch den Fluglärm, sie könne aber nicht aus Niederrad wegziehen, weil sie gerade gebaut habe. „Bitte Herr Rhein, legen Sie die Landebahn still, ich kann nicht mehr“, sagte sie. Rhein bot an, sich mit der Mutter unter vier Augen zu unterhalten, woraufhin er aus dem Publikum als Kinderschänder bezeichnet wurde. Es müsse eine Balance zwischen Wachstum und Lebensqualität in Frankfurt hergestellt werden, sagte Rhein. In Niederrad müsse sie wieder gefunden werden. Dazu würde sein Maßnahmenbündel beitragen.
„Ein großer Teil der Frankfurter weiß, was sie an dem Flughafen haben“, sagte Rhein im Anschluss an die Bürgerveranstaltung. Der Flughafen sei die Lebensader der Region, von ihm würden viele Arbeitsplätze abhängen. Der radikale Teil der Fluglärmgegner schade dem eigenen Anliegen, denn ein Austausch von Argumenten komme so nicht zustande. Die teils polemische und niveaulose Kritik habe er nicht anders erwartet.
Profit geht vor Menschenrecht
Stefan Grün (klarsehend)
- 18.02.2012, 14:27 Uhr