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Nutztiere : Chips an Kuhbeinen und Spielzeug in der Saubox

Tierisch: 270 Milchkühe hält Michael Dörr auf seinem Hof im südhessischen Roßdorf. Bild: Wresch, Jonas

Die Zahl der Nutztiere, die auf hessischen Bauernhöfen gehalten werden, sinkt; der Bedarf an Fleisch, Eiern und Milch wird längst nicht mehr aus dem eigenen Land gedeckt. Nun wirbt der Bauernverband für moderne Tierhaltung.

          Wenn die große Schwarzbunte vorsichtig einen der 28 Plätze im Milchkarussel betritt, verrät sie sofort ihre Geheimnisse. Kaum hat das Rind den drehbaren Melkstand betreten, liest ein Computer den grünen Chip am Kuhbein aus und erkennt automatisch das Ausmaß ihrer körperlichen Aktivitäten in den vergangenen Stunden. Ein erhöhter Wert gibt Landwirt Michael Dörr das eindeutige Signal, dass die Milchkuh nun brünstig und bereit für die nächste Besamung ist. Eine andere Software wählt wenig später individuell zu dieser Kuh den passenden Samen aus, damit der Züchtungserfolg garantiert ist.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Hightech im Kuhstall ist kein Luxus, sondern so notwendig wie ein modernes, ausgeklügeltes, computergestütztes Herdenmanagement, wenn die Milcherzeugung in einem Land wie Hessen Zukunft haben soll. Der Hessische Bauernverband verteidigt deshalb offensiv Betriebe wie Dörrs modernen Aussiedlerhof in Roßdorf, der mit 500 Tieren, darunter 270Milchkühen, und mit 208 Hektar Acker- und Grünland schon zu den großen in Hessen zählt, der im internationalen Maßstab aber eine kleine Nummer ist. Die Entwicklung moderner Tierzucht und -haltung in den vergangenen Jahrzehnten lässt sich beispielhaft an der Herde von Dörr ablesen. Vor 40 Jahren gaben die 25 Kühe seines Vaters Karl jeweils 3500 Kilogramm Milch im Jahr. Heute sind es 10.700 Kilogramm je Tier und Jahr und genug, um eine Milchquote von 2,8 Millionen Kilogramm zu erfüllen.

          Strategie der Transparenz

          Eine Steigerung, die Ergebnis von Genetik und Zucht, aber auch eines vertieften Verständnisses für optimale Haltungsbedingungen. Längst hat auf modernen Höfen der luftige, gut klimatisierte Freilaufstall mit Bewegungsfreiheit, intensiver Überwachung und kontrollierter Fütterung den dunklen, muffigen, engen Kuhstall abgelöst, in dem wenige Tiere den größten Teil ihres Lebens angebunden waren. Dieses neue Haltungsprinzip gilt auch wenige Kilometer weiter auf dem Eidmannshof von Lutz Eidmann. 1965 mit 200 Mastschweinen an den Ortsrand ausgesiedelt, werden heute jährlich 5000 Mastschweine durch den hochmodernen Betrieb geschleust. Binnen viereinhalb Monaten werden mit Futter aus den eigenen 120 Hektar Ackerland rund 1800 Tiere von knapp 30 auf mehr als 110Kilogramm hochgemästet, im nahen Brensbach geschlachtet und vorwiegend von regionalen Metzgern vermarktet.

          Höfe wie die von Dörr und Eidmann stehen beim Bauernverband beispielhaft für neue Strategie der Transparenz mit der Botschaft: „Wir haben nichts zu verbergen.“ Dörr hat sogar einen Erlebnispfad quer durch seinen „Karlshof“ angelegt und empfängt jährlich rund 1000 Schulkinder zum Besuch. Der Bauernverband will mit seiner Informationsoffensive die Tierhalter gegen die aus seiner Sicht meist ungerechtfertigte Kritik in Schutz nehmen und der „Aversion“ vieler Bürger gegen große Tierbestände begegnen. Solche großen Bestände sind nach Ansicht der Landwirte nicht nur wegen der wachsenden Produktions- und Energiekosten und des Preisdrucks auf dem Markt unverzichtbar. Sie seien auch nicht per se besser oder schlechter als kleinere Bestände oder Herden, heißt es.

          Unberechenbarkeit der Politik als große Sorge

          „Die Tiere haben es heute viel besser als vor 20 Jahren“, ist Bauerverbandspräsident Friedhelm Schneider überzeugt. Das gilt nach Ansicht des Verbands auch für den Geflügelhof Strauß in Reinheim, wo knapp 60.000 Legehennen der hochgezüchteten Linie „Lohmann-Brown LSL white“ jährlich bis zu 50.000 Eier legen. Wie seine beiden Kollegen setzt Axel Strauß, der den Betrieb in der dritten Generation führt, auf selbst erzeugtes Futter, eine möglichst regionale Vermarktungskette und enge Bindungen zu Lieferanten und Kunden, um den Preisdruck abzufedern.

          Ihre größten Sorgen - und die des Verbands - sind die Sprunghaftigkeit und Unberechenbarkeit der Politik, die langfristig angelegte, kostspielige Investitionen in die Tierhaltung risikoreich erscheinen lässt. Eierproduzent Strauß hatte sich vor einigen Jahren an einer Versuchsreihe zur Kleingruppenhaltung von Hennen in Großkäfigen beteiligt. Trotz nachweisbar guter Ergebnisse für die Tiere und ihre Halter seien Käfige aber nach dem Regierungswechsel politisch nicht gewollt gewesen. Nun teilen sich bei der staatlich verordneten Bodenhaltung neun Hühner einen Quadratmeter im Stall, in dem der Tagesablauf der Hühner mit Lampen künstlich gesteuert wird.

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