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Petra Kirchhoff

Kommentar zur Zeilgalerie : Nur die Lage zählt

Fraglich: Sind die Tage der Zeilgalerie in ihrer bisherigen Form gezählt? Bild: Irl, Maria

Die Zeilgalerie läuft weiter nicht so gut. Eine schicke Fassade macht aus einem schwer zugänglichen Einkaufszentrum noch keinen Publikumsmagneten.

          Sind die Tage der Zeilgalerie in ihrer bisherigen Form gezählt? Alles deutet seit dem Verkauf an die RFR-Holding darauf hin. Der Vorbesitzer, die IFM Immobilien AG, die viel vorhatte mit dem Objekt und viele Millionen Euro in die Sanierung steckte, hat die Wende nicht geschafft. Es hat sich gezeigt: Eine schicke Fassade macht aus einem schwer zugänglichen Einkaufszentrum noch keinen Publikumsmagneten.

          Und mit kreativen Zwischenmietern zu Sonderkonditionen lässt sich auch kein Haus rentabel führen. Vieles haben die Kunden auch nicht verstanden, wie etwa die Auslobung der Zeilgalerie zum „district for contemporary lifestyle“ unter der Regie einer Berliner Werbeagentur vor zwei Jahren. Verstanden aber hat der Kunde, dass auf Mieter und Öffnungszeiten in der Zeilgalerie kein Verlass mehr ist. Zuletzt hat man in der Ladengalerie vieles schleifen lassen.

          Viel Geld am Markt

          Was kommt, wird sich zeigen. Die neue Eigentümergemeinschaft hat mit der Zeilgalerie vor allem eines gekauft: eine der besten Einkaufslagen in einer deutschen Großstadt. Das zeigt der Neubau gegenüber, das Büro- und Geschäftshaus Zeil 123, das gerade bezogen wird. Wenn hier, wie aus Maklerkreisen zu hören ist, Mieter für den Quadratmeter Einzelhandelsfläche 485 Euro im Monat zahlen, kann man sich vorstellen, wie Investoren auch mit Blick auf ein Handtuch-Grundstück, das der Kaufhof für eine Erweiterung gut gebrauchen könnte oder auch für den ganz großen Wurf, der Mund wässrig wird. Darüber muss sich niemand aufregen.

          Es ist zurzeit so viel Geld am Markt wie lange nicht. Viele Lebensversicherungen und Fondsgesellschaften flüchten angesichts mickriger Zinsen regelrecht in den Immobilienmarkt und hoffen auf höhere Rendite. Davon profitieren, wenn es gelingt, am Ende auch die Kunden.

          Fest aber steht schon jetzt: An der Zeil wird es in den nächsten Jahren nicht gemütlicher werden. Wie in anderen Städten ist auch die Frankfurter Fußgängerzone in die Jahre gekommen. Eine Sanierung von Bestandsbauten aus der Nachkriegszeit lohnt sich in vielen Fällen nicht. Das hat sich beim ehemaligen Hako-Haus gezeigt, demnächst ist die Zeilpassage an der Reihe. Alles andere bedeutete Stillstand.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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