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Notfalllogistik : Expresslieferung auf Elefanten

  • -Aktualisiert am

Eben kurz nach Nepal: Holger Zulauf liefert schnell und weltweit. Bild: Samedaylogistics

Holger Zulauf aus Kelsterbach liefert innerhalb eines Tages Medikamente, Elektronik und Autoteile an Orte auf der ganzen Welt. Er hat sich auf Notfalllogistik spezialisiert. Die Branche verlangt hohe Flexibilität. So muss Zulauf gelegentlich auf hierzulande unübliche Transportmittel umsteigen.

          KELSTERBACH. In Rhein-Main gehört der Elefant nicht zu den gebräuchlichen Verkehrsmitteln, in Nepal ist er erste Wahl: „Wenn es schnell gehen muss, dann muss man in Nepal einen Elefanten nehmen“, sagt Holger Zulauf. Sein Unternehmen Samedaylogistics hat sich auf den Transport von Gütern spezialisiert hat, die in Stunden, nicht in Tagen, ihr Ziel erreichen müssen - auch dann, wenn es weit entfernt ist.

          Bei der „Land Rover Experience Tour“ von China nach Indien im Oktober 2012 etwa musste es sehr schnell gehen. Die indischen Behörden verweigerten den Rallyeteams die Einreise. Die satellitengestützten Navigationsgeräte in den Autos könnten zur Spionage missbraucht werden, hieß es. Die Strecke nach Indien war die letzte Etappe für die Teams. Sie hatten keine Wahl, die Geräte mussten ausgebaut werden, wie Zulauf berichtet. Doch weil sie viel zu wertvoll waren, um zurückgelassen zu werden, wurde Zulauf beauftragt, die Geräte sicher zurück nach Deutschland zu bringen. „Das war eine Herausforderung“, sagt er im Rückblick.

          Er begleitet die Güter vom Anfang bis zum Ende

          Die Aufträge von Samedaylogistics kommen immer überraschend, das ist das Geschäftsmodell. Als Notfalllogistiker springt das Unternehmen dann ein, wenn der Zeitdruck groß ist und gewöhnliche Logistikanbieter nicht mehr helfen können. Und so kam es auch bei dem Auftrag, nach Nepal zu fliegen: Innerhalb weniger Stunden musste Zulauf reisefertig sein, um von Frankfurt in die nepalische Hauptstadt Katmandu zu fliegen, wie er berichtet. Auf Schotterpisten habe er dann die Rallyeteams gesucht und gefunden, um die Navigationsgeräte abzuholen. „Auf dem Rückweg mussten wir dann auf Elefanten reiten, um zurück in die Hauptstadt zu kommen.“

          Als On-Board-Kurier begleite Geschäftsführer Zulauf die Güter von Anfang bis Ende. Das erleichtere beim Zoll die Ein- und Ausfuhr, sagt er. Bei unbegleiteten Waren könne die Verzollung Wochen dauern. Kleinere Teile wie die Navigationsgräte könnten auch als Handgepäck transportiert werden.

          Die Auftragslage sei trotz Konkurrenz gut

          Mit Schnelligkeit verdient Zulauf sein Geld. Er verspricht, innerhalb von 28 Stunden auf der ganzen Welt auszuliefern. 20 Mitarbeiter beschäftigt er in der Zentrale in Kelsterbach und greift auf ein Netzwerk an Kurieren auf der ganzen Welt zurück. Fast 100 Menschen arbeiten für sein Unternehmen. Die Dienste von Samedaylogistics sind vor allem bei Autobauern und deren Zulieferunternehmen gefragt. „Diese Branche hat kaum noch Lager“, sagt Zulauf. Der ganze Herstellungsprozess sei auf die Just-in-Time-Produktion ausgerichtet, also darauf, dass ein angeliefertes Teil sofort verbaut werde. Die Lastwagen, Eisenbahnwaggons und Flugzeuge sind mobile Lager. Die Produktionskosten werden dadurch gesenkt. Wenn ein Teil fehlt, dann kann die gesamte Produktion stillliegen, was mit immensen Kosten verbunden ist. Um dies zu verhindern, springt Zulauf mit seinem Unternehmen ein.

          Als er 1996 Samedaylogistics gegründet habe, sei es Monopolist gewesen, sagt Zulauf. Heute gebe es Konkurrenten. Die Dienstleistung sei weltweit gefragt. Die Idee, das Unternehmen zu gründen, sei spontan gekommen. Ein Freund habe sich bei ihm beschwert, dass eine Fluglinie ein wichtiges Ersatzteil aus Platzmangel nicht verladen habe und jetzt die Produktion stillstehe. Zulauf erkannte die Marktlücke und machte daraus ein Geschäftsmodell. Die Auftragslage sei trotz Konkurrenz gut.

          Rund um die Uhr für die Kunden erreichbar

          Auch wenn es einige Aufträge mit einer gewissen Regelmäßigkeit gebe, sei das Geschäft von hoher Spontanität und Flexibilität geprägt. Er und seine Mitarbeiter seien rund um die Uhr erreichbar, denn die Kunden seien über die ganze Welt verteilt. So wie der Autobauer, der Ersatzteile von der indonesischen Hauptstadt Jakarta nach Riad in Saudi-Arabien liefern lassen möchte. Der Flug solle so schnell wie möglich abheben, berichtet Zulauf. Die Mitarbeiter in Kelsterbach wickeln diesen und alle anderen Aufträge ab. In den meisten Fällen buchen sie freie Plätze in Linienflügen. Das sei oft am schnellsten und günstigsten, sagt Zulauf. Ist eine Lieferung besonders dringend, dann werden auch Charterflüge gebucht, die erheblich teurer als die Linienflüge sind und die beim Luftfahrtbundesamt angemeldet werden müssen, sofern sie von Deutschland aus abheben. Auch die Zollabwicklung wird in der Kelsterbacher Zentrale vorbereitet.

          Die Gründung des Unternehmens sei dadurch erleichtert worden, dass ihm die Logistik- und Reisebranche nicht fremd sei, sagt Zulauf. Die Eltern haben jahrelang in Kelsterbach ein Reisebüro betrieben. Der Sohn übernahm das Unternehmen und führt es seitdem fort. Als Geschäftsführer und On-Board-Kurier hat er schon viele Orte der Welt besucht. So hat er etwa einen Schiffsdiesel auf die Aleuten vor Alaska geliefert und wichtige Medikamente für den Falken eines wohlhabenden Arabers nach Abu Dhabi gebracht.

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