http://www.faz.net/-gzg-7715z
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 18.02.2013, 15:36 Uhr

Nordhessen „Hotspot“ der Luchse größer als gedacht

Einen Luchs zu Gesicht zu bekommen, ist ein Erlebnis, wie Naturschützer sagen. Und das könnte bald häufiger geschehen. Denn die nordhessische Heimat der „Pinselohren“ wird immer größer.

© dpa David-Hamilton-Effekt: ein Luchs in Nordhessen, durch eine Fotofalle gesehen

Luchse breiten sich in Nordhessen weiter aus als bislang angenommen. Anhand von Fotofallen lässt sich nach Angaben von Hessen-Forst und von Tierschützern belegen, dass der „Hotspot“ der seltenen Tiere weit in den Werra-Meißner-Kreis hineinreicht. „Unser langer Atem hat sich gelohnt“, sagt Ralf Meusel von Hessen-Forst, der die Fotofallen im Forstamt Hessisch Lichtenau betreut und regelmäßig auswertet. Nach Angaben von Forstamtsleiter Matthias Dumm gibt es an zwei Stellen zweifelsfreie Fotonachweise der größten heimischen Katzenart.

Zuletzt hatte eine Studentin für Aufsehen gesorgt, die im Kaufunger Wald bei Helsa drei Wildkatzen über längere Zeit beobachtet hatte. „Wir freuen uns, dass sich der Luchs in unseren Wäldern wohlfühlt und auf einem guten Weg ist, hier heimisch zu werden“, sagte Dumm.

Luchs-Fotofallenbericht 2012 Luchse gesucht: Mit solchen Schildern weist der Arbeitskreis Hessenluchs auf sein Fotofallen-Projekt hin © dpa Bilderstrecke 

Luchse galten in Hessen 150 Jahre lang als ausgerottet. In Nordhessen sind nach Schätzungen des Naturschutzexperten von Hessen-Forst, Frank Scheler, mittlerweile wieder vier bis fünf erwachsene Tiere plus Nachwuchs heimisch. Im Werra-Meißner-Kreis werden schon seit Jahren Luchse beobachtet. Der wissenschaftlich zweifelsfreie Foto-Nachweis gelang allerdings erst Mitte September und in der ersten Novemberwoche des vergangenen Jahres.

Einzeln nachweisen lassen sich die „Pinselohren“ noch nicht, weil die fotografierten Tiere nahezu ungefleckt sind, sagte Thomas Norgall. Er ist einer der Koordinatoren des Arbeitskreises Hessenluchs und Naturschutzreferent des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Hessen.

Mehr zum Thema

Stabil ist der Luchs-Bestand in Hessen noch nicht, wie aus dem Luchsbericht 2012 hervorgeht. Jungluchse sind gefährdet: Bis zu 80 Prozent von ihnen sterben in den ersten Monaten nach dem Wurf und ehe sie sich ein eigenes Revier aufbauen können.

Der Luchs (Lynx lynx) gehört wie Hauskatzen oder Tiger zur Familie der Katzen. Erwachsene Tiere sind etwa so groß wie Schäferhunde. Charakteristisch sind das gefleckte Fell, die großen, dreieckig zugespitzten Ohren mit dunklen Haarbüscheln (Pinsel) an der Spitze und der Stummelschwanz. Er frisst vor allem Fleisch; also Rehe, Wildschweine, Füchse, Hasen und Mäuse.

Quelle: LHE

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wolf in Nordhessen gesichtet Wirbel um vermeintlichen Wolf in Kassel

Kaum ist erstmals seit Jahren wieder ein lebender Wolf in Hessen nachgewiesen worden, löst ein vermeintliches Exemplar einen Polizeieinsatz aus - mitten in Kassel. Mehr

22.04.2016, 15:15 Uhr | Rhein-Main
Fotofalle Die unfreiwilligen Selfies

Wissenschaftler des Field-Museums in Chicago haben im südamerikanischen Regenwald zahlreiche Fotofallen aufgebaut und eine erstaunliche Galerie tag- und nachtaktiver Tiere zusammengestellt. Wir präsentieren daraus die schönsten Selfies. Mehr

29.04.2016, 11:41 Uhr | Wissen
Malerei & Fotografie Das geheimnisvolle Streben der grünen Pracht

Bäume? Ja, Bäume. Wer sich neben ihren Stämmen, Ästen und Blättern auch für die ästhetische Seite dieser grünen Wesen interessiert, sollte zwei Ausstellungen im Rheinland nicht verpassen. Mehr Von Frank Maier-Solgk

20.04.2016, 16:35 Uhr | Feuilleton
Video Bienenhotels: Wo wilde Bienen heimisch werden

Weil der Mensch den natürlichen Lebensraum von Wildbienen immer mehr zerstört, fehlt es den Tieren an geeigneten Brutstätten. Insektenhotels können da Abhilfe schaffen. Mehr

21.04.2016, 16:36 Uhr | Rhein-Main
Verschmutzungsrechte in Hessen Ein CO2-Deckel statt vieler Vorschriften

Die hessische Wirtschaft will den Ausstoß von Treibhausgasen nur mit handelbaren Verschmutzungsrechten senken. Verbraucher bekämen das vor allem an den Zapfsäulen zu spüren. Mehr Von Jochen Remmert, Wiesbaden

27.04.2016, 10:34 Uhr | Rhein-Main

Die Brücke polarisiert

Von Oliver Bock

Die politischen Mehrheiten in Rüdesheim und Bingen haben sich geändert. So steht auf einmal wieder der Bau einer Brücke über den Rhein zur Diskussion - auch wenn die Argumente alt sind. Mehr 3

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen