Home
http://www.faz.net/-gzg-707xa
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 29.05.2012, 19:25 Uhr

Norah Jones Solo mit Elvis

Weit mehr als nur äußerlich hat sich Norah Jones nach der Trennung von Bassist, Co-Autor und -Produzent sowie Lebenspartner verändert. Zu sehen war sie nun in der Alten Oper Frankfurt.

© Hoang Le, Kien Lady in red: Norah Jones.

Weit mehr als nur äußerlich hat sich Norah Jones nach der Trennung von Bassist, Co-Autor und -Produzent sowie Lebenspartner Lee Alexander verändert. Im zehnten Jahr ihrer Karriere scheint sich die Tochter des indischen Nationalheiligtums Ravi Shankar regelrecht neu erfinden zu wollen. Jones, die bei ihrer gegenwärtigen Welttournee lediglich zwei deutsche Gastspiele gibt, will offenbar nicht länger als Inbegriff gefälliger Harmlosigkeit gelten. Im hellroten Spitzenminikleid präsentiert sich die im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene und im texanischen Dallas aufgewachsene Vokalistin und Komponistin in der Frankfurter Alten Oper verwegen als Vertreterin von versponnenem Alternative Rock und Independent Pop. Im Mittelpunkt stehen die Songs des fünften Albums „ ...Little Broken Hearts“. Brian Joseph Burton, Mitglied von Gnarls Barkley und als Produzent unter dem Kürzel Danger Mouse zugange, inszenierte und co-komponierte mit Jones zwölf Kammer-Serenaden zwischen beseeltem Americana und verspielter Elektronik.

Mit ätherischer Wohlklangstimme, auf Kommerz getrimmtem Ästhetiksinn, Sauberfrauimage und vier auf Maß geschneiderten Perfektionsalben zwischen Pop, Country, Jazz und Soul ist Jones zum unermesslich ertragreichen wie künstlerisch allzu kalkulierbaren Unternehmen avanciert. Beachtliche neun Grammy Awards zementieren globalen Ruhm. Zeit also, Sicherheiten den Rücken zu kehren. Im Alter von 33 Jahren zeigt sich die Gelegenheitsschauspielerin und Mitglied des Zweitprojekts „The Little Willies“ wagemutig, wird abenteuerlustig und experimentierfreudig.

Vergangenem verpflichtet

Ungemein konzentriert lotet Norah Jones an Keyboards, Piano, E- und Akustik-Gitarre ihre Virtuosität aus. Um einiges spontaner als auf Tonträger gerät die Songsammlung, die sie sporadisch auflockert mit Altbekanntem wie „Come Away With Me“, Titelsong des weltweit 20 Millionen mal verkauften Debüts. Für Authentizität sorgt das Begleitquartett um Bassist und Sänger Josh Lattanzi, das als The Candles mit Akustikfolk auch das knappe Vorprogramm bestreitet. Mit gespenstischen Effekten aus Hall und Echo beschwört die Truppe in grundsoliden Kabinettstückchen wie „Take It Back“ und „Little Broken Hearts“ die Magie zeitlupenhaften Klangzaubers. Schlicht grandios ihr Solo mit Elvis Presleys „Love Me“.

Wie sehr sich Norah Jones derzeit Vergangenem verpflichtet fühlt, macht auch das Finale deutlich: Mit Akkordeon, Dobro-Gitarre und Stehbass versammelt sich die Crew ums Rundmikrofon. So klingt „How Many Times Have You Broken My Heart?“ wie in den vierziger Jahren im Truck Stop an irgendeinem Highway.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Slipknot in Frankfurt Der Teufel im Leib: Fressen und gefressen werden

Die Hölle bricht sich nicht nur auf der Bühne Bahn: Der Auftritt der amerikanischen Hartmetaller Slipknot in der Frankfurter Festhalle ist mit dem Begriff Inferno nur unzulänglich umschrieben. Mehr Von Michael Köhler, Frankfurt

08.02.2016, 12:33 Uhr | Rhein-Main
Australien Zehntausende Elvis Fans kommen zusammen

Elvis Presley lebt - zumindest in den Herzen der Fans in der australischen Stadt Parkes. Auf dem Elvis Festival trafen sich Zehntausende Elvis-Fans. Mehr

11.01.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Drogenabhängige machen Kunst Schöner als Kiffen und Knast

Frankfurter Studenten lassen Drogenabhängige Songs schreiben, Filme drehen und Sketche spielen. Ziel des Projekts Highlife ist es ausdrücklich, den Abhängigen Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Mehr Von Christian Palm, Frankfurt

06.02.2016, 16:59 Uhr | Rhein-Main
Auktion in New York City Bob Dylans Gitarre könnte bald Ihnen gehören

In New York plant das Auktionshaus Guernsey’s rund 300 Gitarren zu versteigern, die von prominenten Vorbesitzern stammen oder einen historischen Hintergrund haben. Mit dabei sind Gitarren von Legenden wie Bob Dylan oder Eddie Van Halen. Mehr

28.01.2016, 15:54 Uhr | Gesellschaft
Hollywoodstar im Interview Stimmt, ich hatte eine seltsame Karriere

Ein Kinderstar, der nicht am Ruhm zerbrach, seit stolzen 32 Jahren liiert mit der Kollegin Goldie Hawn: Kurt Russel ist ein Hollywood-Phänomen. Nina Rehfeld hat ihn in Santa Monica getroffen. Mehr

28.01.2016, 12:43 Uhr | Gesellschaft

Pflicht zur Information

Von Ralf Euler

Vertuscht Hessens Polizei gezielt Straftaten von Flüchtlingen? Eine Reihe von Fällen erweckt diesen Eindruck. Den Finger in die Wunde zu legen, ist hilfreich. Mehr 51

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen