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Norah Jones : Solo mit Elvis

  • -Aktualisiert am

Lady in red: Norah Jones. Bild: Hoang Le, Kien

Weit mehr als nur äußerlich hat sich Norah Jones nach der Trennung von Bassist, Co-Autor und -Produzent sowie Lebenspartner verändert. Zu sehen war sie nun in der Alten Oper Frankfurt.

          Weit mehr als nur äußerlich hat sich Norah Jones nach der Trennung von Bassist, Co-Autor und -Produzent sowie Lebenspartner Lee Alexander verändert. Im zehnten Jahr ihrer Karriere scheint sich die Tochter des indischen Nationalheiligtums Ravi Shankar regelrecht neu erfinden zu wollen. Jones, die bei ihrer gegenwärtigen Welttournee lediglich zwei deutsche Gastspiele gibt, will offenbar nicht länger als Inbegriff gefälliger Harmlosigkeit gelten. Im hellroten Spitzenminikleid präsentiert sich die im New Yorker Stadtteil Brooklyn geborene und im texanischen Dallas aufgewachsene Vokalistin und Komponistin in der Frankfurter Alten Oper verwegen als Vertreterin von versponnenem Alternative Rock und Independent Pop. Im Mittelpunkt stehen die Songs des fünften Albums „ ...Little Broken Hearts“. Brian Joseph Burton, Mitglied von Gnarls Barkley und als Produzent unter dem Kürzel Danger Mouse zugange, inszenierte und co-komponierte mit Jones zwölf Kammer-Serenaden zwischen beseeltem Americana und verspielter Elektronik.

          Mit ätherischer Wohlklangstimme, auf Kommerz getrimmtem Ästhetiksinn, Sauberfrauimage und vier auf Maß geschneiderten Perfektionsalben zwischen Pop, Country, Jazz und Soul ist Jones zum unermesslich ertragreichen wie künstlerisch allzu kalkulierbaren Unternehmen avanciert. Beachtliche neun Grammy Awards zementieren globalen Ruhm. Zeit also, Sicherheiten den Rücken zu kehren. Im Alter von 33 Jahren zeigt sich die Gelegenheitsschauspielerin und Mitglied des Zweitprojekts „The Little Willies“ wagemutig, wird abenteuerlustig und experimentierfreudig.

          Vergangenem verpflichtet

          Ungemein konzentriert lotet Norah Jones an Keyboards, Piano, E- und Akustik-Gitarre ihre Virtuosität aus. Um einiges spontaner als auf Tonträger gerät die Songsammlung, die sie sporadisch auflockert mit Altbekanntem wie „Come Away With Me“, Titelsong des weltweit 20 Millionen mal verkauften Debüts. Für Authentizität sorgt das Begleitquartett um Bassist und Sänger Josh Lattanzi, das als The Candles mit Akustikfolk auch das knappe Vorprogramm bestreitet. Mit gespenstischen Effekten aus Hall und Echo beschwört die Truppe in grundsoliden Kabinettstückchen wie „Take It Back“ und „Little Broken Hearts“ die Magie zeitlupenhaften Klangzaubers. Schlicht grandios ihr Solo mit Elvis Presleys „Love Me“.

          Wie sehr sich Norah Jones derzeit Vergangenem verpflichtet fühlt, macht auch das Finale deutlich: Mit Akkordeon, Dobro-Gitarre und Stehbass versammelt sich die Crew ums Rundmikrofon. So klingt „How Many Times Have You Broken My Heart?“ wie in den vierziger Jahren im Truck Stop an irgendeinem Highway.

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