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„Node“-Festival in Frankfurt : Was den Menschen zur Maschine macht

Vermessung der Hand: „Augmented Hand Series“ von Golan Levin, Chris Sugrue und Kyle McDonald. Bild: Node-Forum

Zum vierten Mal findet das „Node“-Festival in Frankfurt statt. In der Naxoshalle treffen sich Programmierer für Workshops und stellen ihre Kunstwerke aus. Die sollte man sich anschauen.

          „The Future will be confusing“, die Zukunft wird verwirrend sein, so steht es in bunten Buchstaben an der Außenwand des Mousonturms im Frankfurter Ostend. Für das „Node“-Festival, das dort noch bis zum Sonntag gastiert, gilt allerdings: Die Gegenwart ist verwirrend genug. Es geht bei diesem Festival, das zur einen Hälfte Kunstausstellung ist, zur anderen ein Workshop für Programmierer, um digitale Kunst, die Besucher würden sagen „digital art“, und darunter kann heute so ziemlich alles fallen. Ein Baby, das wahllos auf einem Tablet rumwischt, kann digitale Kunst erschaffen, Programmierer, die ihre anarchistischen Anwandlungen in Zahlenkolonnen übersetzen, sowieso, und die sozialen Netzwerke sind schon lange eine Art weltumspannende Kunstperformance in Echtzeit.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist deshalb zunächst schwer zu begreifen, was die Organisatoren des „Node“-Festivals unter digitaler Kunst verstehen und ob es vielleicht einfach alles ist, oder doch etwas weniger. Am Eröffnungsabend zum Beispiel kann man eine Tanzperformance des österreichischen Künstlers Ulf Langheinrich sehen. Durch den Raum wabert eine Mischung aus Industriegeräuschen und Technobeats. Eine spärlich bekleidete Frau räkelt sich im Blitzlicht. Später schwebt sie im Raum, als 3D-Projektion, noch später löst sie sich auf in Farbpartikel. Wenn das digitale Kunst ist, freut man sich schon jetzt auf die Renaissance der analogen.

          Wissen benötigt immer auch einen Körper

          So etwas ist beim „Node“-Festival allerdings die Ausnahme. Vielmehr setzen sich die meisten Exponate im Mousonturm und in der angrenzenden Naxoshalle auf subtile Weise mit der digitalen Welt und ihren Auswirkungen auf den Menschen auseinander. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung lautet „Wrapped in Code - the future of the informed body“, übersetzt etwa „Von Code umgeben: Die Zukunft des informierten Körpers“. Information, das betonen die beiden 30 Jahre alten Kuratorinnen Alexandra Waligorski und Jeanne Charlotte Vogt, lasse sich mittlerweile auf zwei Arten sammeln: Man könne sich selbst informieren oder von außen informiert werden. Darunter fällt die technische Optimierung des Körpers, also etwas, das man momentan noch mit elektronischen Armbändern assoziiert oder mit Science-Fiction-Filmen, in denen vor Implantaten strotzende Cyborgs herumlaufen.

          Die Ausstellung soll beides abdecken, Gegenwart und Zukunft. Im Zentrum stehen der Körper und seine Bewegung. Es geht dabei um jene Bewegungen, die der Mensch erst seit Anbruch des digitalen Zeitalters kennt, das Wischen über glatte Oberflächen zum Beispiel, aber auch um internalisierte Bewegungsabläufe, die nichts mit digitaler Technik zu tun haben, aber trotzdem technisches Wissen darstellen. Beispiel „Hands On“ von Herwig Turk: Zwei behandschuhte Hände vollführen Bewegungen auf einem Videomonitor; wer genau hinschaut, erkennt, dass es sich um die Arbeit von Biologen handelt, nur ohne Objekte. Es gibt keine Pipetten, keine Reagenzgläser, nur Gesten, die geisterhaft so tun, als ob. Trotzdem gelingen die Abläufe perfekt. Wissen, das scheint dieses Kunstwerk auszusagen, ist keine rein geistige Kategorie. Sie benötigt immer auch einen Körper.

          Virtualität und Realität werden umgedreht

          Am spannendsten sind Exponate, die mit der Umkehrung von Virtualität und Realität spielen, etwa „#intimesofpiece“ des Künstlerkollektivs Iocose. An der Wand hängen ausgedruckte Selfies, vor einem Spiegel entstanden, wie es sich für den gemeinen Selfie gehört, der sich von Instagram um die Welt verbreitet hat. Nur stammen die Bilder von Drohnen: im Badezimmerspiegel, im Wohnzimmerspiegel oder in einer Shopping-Mall, versehen mit Hashtags, wie man sie eher bei Menschen vermuten würde, etwa „#Shopping“. Auch Maschinen beherrschen den digitalen Code der Eitelkeiten.

          Fast alle Installationen sind in „vvvv“ geschrieben, einer visuellen Programmiersprache, die Bewegungsabläufe in Grafiken übersetzt. Die Künstler von „Depart“ zeigen in der Naxoshalle, wozu „vvvv“ fähig ist: Ihre Leinwand wird bevölkert von Randolf, einem virtuellem Charakter mit spitzem Hut und etwas ratlos dreinschauender Miene. Auch der Zuschauer kann Randolf nicht helfen; er kann zwar mit ihm über einen Bildschirm interagieren und zum Beispiel die Lichtquelle im Raum verändern, seine Pseudoaktionen nehmen aber keinen Einfluss auf den groben Verlauf der Geschichte. Auch hier wird das Verhältnis von Virtualität und Realität umgedreht, scheint es doch Randolf zu sein, der sich mit der Existenz von Menschen, die in seine Umwelt eingreifen, auseinandersetzen muss.

          Als das „Node“-Festival zum ersten Mal stattfand, 2008, war es ein Treffpunkt für „vvvv“-Programmierer und jene Nerds, die sich mit ihnen assoziierten. 2010 öffnete sich das Festival zum ersten Mal der Öffentlichkeit. „Node“, so sagt es der 34 Jahre alte Festivalleiter David Brüll, war immer „ein Marktplatz, ein Nährboden für kreative Ideen“. Dieses Mal sind mehr als 300 Programmierer gekommen. Der Aufklärung misst Brüll aber genauso großen Wert bei. „Der Code hat Einzug erhalten in alle politischen Machtstrukturen, die Technik rückt uns auf den Leib. Das müssen wir kritisch reflektieren. Wer kreativ ist, der kann aber auch Wege aufzeigen, mit ihr umzugehen.“

          Noch bis Sonntag ist die Ausstellung in der Naxoshalle und im Mousonturm zu sehen.

          Quelle: F.A.Z.

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