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Niederwalddenkmal Mit Laser und Skalpell gegen Gipskrusten

 ·  Die Sanierung des Niederwalddenkmals nähert sich dem Abschluss. Bis zum Hochsommer soll das Gerüst um die Germania abgebaut sein.

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Germanias Haar ist nicht nur von Eichenlaub bekränzt, sondern auch äußerst akkurat gescheitelt. Dieses Detail dürfte sich allerdings nur dann erschließen, wenn man der auf dem Rüdesheimer Niederwalddenkmal thronenden Bronzefigur von oben aufs Haupt blickt und sie aus nächster Nähe betrachtet. Möglich macht derzeit die ungewöhnliche Perspektive das Baugerüst, hinter dem die Germania Mitte vergangenen Jahres verschwunden ist. Das Denkmal wird saniert, die Arbeiten nähern sich dem Ende.

Bis zum Hochsommer soll das mit einer Fotoplane verhüllte Gerüst abgebaut sein. Das kündigte Karl Weber, Direktor der Verwaltung der staatlichen Schlösser und Gärten, am Donnerstag gemeinsam mit der hessischen Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) an.

Die Schäden an dem Bauwerk waren vielfältig

Bis zum Jahresende soll auch das Gerüst um den Denkmalssockel verschwunden sein. Laut der Ministerin handelt es sich um die erste Grundsanierung des 1883 errichteten Monuments. Zum Auftakt hatte das Land seit 2008 für 2,3Millionen Euro zunächst das Umfeld des Denkmals, etwa Wege und Treppen, herrichten lassen. In die Sanierung des eigentlichen, vom Dresdner Bildhauer Johannes Schilling entworfenen Monuments flossen 2,15 Millionen Euro. Dabei wurde laut Baudenkmalpflegerin Anja Dötsch Wert darauf gelegt, dass auch nach der Restaurierung die Patina zu erkennen ist. „Man darf der Dame ansehen, dass sie mehr als 120 Jahre alt ist.“

Die Schäden an dem Bauwerk waren vielfältig. So wies die Bronzestatue zahlreiche Einschusslöcher und Schäden durch Granatsplitter auf, die zum Teil durch Korrosion weitere Schäden nach sich zogen. Der Überlieferung zufolge sollen nach dem Zweiten Weltkrieg französische Soldaten die Germania zum Zielschießen genutzt haben. Allerdings sei es eine Mär, dass das Denkmal im 19.Jahrhundert als antifranzösisches Monument errichtet worden sei, sagte Weber. Vielmehr sei es ein deutsches Nationaldenkmal. So blicke Germania nicht nach Westen, sondern nach Osten über den Rheingau auf das geeinte Deutschland. Zudem sei das Schwert nicht in revisionistischer Pose erhoben, sondern gesenkt.

Zahl der Besucher soll weiter steigen

Weitere Schäden sind in der Vergangenheit durch die Abgase von Dampflokomotiven und Dampfschiffen entstanden. Schwefel und Kohlendioxid ließen dicke, dunkle Gipskrusten entstehen, die sowohl die Bronzefigur als auch den Steinsockel beschädigten. Während Fachleute die Krusten auf dem Sandstein mit dem Laser entfernten, gingen sie gegen Ablagerungen auf den Metallteilen mit Skalpell und Metallbürste vor. Zusätzliche Schäden an der Steinoberfläche waren in den siebziger Jahren bei der Entfernung von Graffiti mit ätzenden Reinigungsmitteln entstanden.

Sie hoffe, dass die Zahl der jährlich rund 1,8 Millionen Besucher nach der Sanierung weiter steige, sagte Kühne-Hörmann. In einem weiteren Schritt sollen bis 2014 rund 7,5Millionen Euro in die Wiederherstellung des Osteinschen Parks und den Neubau eines Besucherzentrums fließen. Der Bund trägt nach Angaben des Ministeriums davon 2,5Millionen Euro, Hessen steuert fünf Millionen bei.

Wer der Germania einmal aufs Haupt oder in die Augen schauen möchte, hat dazu an diesem Samstag um 14 Uhr Gelegenheit. Für die Führung über das Gerüst am Niederwalddenkmal gibt es allerdings nur noch wenige Restplätze. Die Teilnehmer müssen mindestens zwölf Jahre alt, schwindelfrei und trittsicher sein. Für die Teilnahme ist heute von 10 Uhr an eine Anmeldung unter der Telefonnummer 069/75912324 nötig.

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