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Schwangerschaft : Hauptsache, Baby

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Ein Kind zu erwarten ist etwas Archaisches: Philipp Schäfer, Alice von Lindenau und auf seines Vaters Arm der Säugling Merlin Bild: Frank Röth

Ein Junge oder ein Mädchen, und ist es gesund? Was wollen Schwangere vor der Geburt über das Ungeborene wissen? Grete Götze hat Ärzte, werdende und gewordene Eltern gefragt.

          Wer sich in der Generation derer zwischen dreißig und vierzig bewegt, in der die Familiengründung viele, wenn nicht die meisten Diskussionen beherrscht, der hat den Eindruck, dass bei diesem Thema gerade etwas dem Zeitgeist entspricht: sich nicht sagen zu lassen, ob das Ungeborene zu einem Mädchen oder einem Jungen heranwächst. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die einen geben an, ihrem Kind nicht schon vor der Geburt ein soziales Geschlecht zuweisen zu wollen. Andere möchten möglichst wenig in die natürliche Entwicklung des Fötus eingreifen, wollen keine großen vorgeburtlichen Eingriffe welcher Art auch immer vornehmen lassen. Dritte führen religiöse Überzeugungen an.

          Das Baby einfach wachsen lassen, ist das Zufall oder Trend? Zahlen dazu gibt es nicht, nur die Wahrnehmung aus Gesprächen, die oft sogar hinausgehen über das Nicht-Wissen-Wollen, welchen Geschlechts das Kind ist. In einer Zeit, in der Pränataldiagnostik immer selbstverständlicher und auch einfacher wird, gibt es nicht wenige Leute, die sie ablehnen.

          Hier rosa, da blau

          Die medizinischen Möglichkeiten sind vielfältig. Mit Hilfe eines als „Praena-Test“ bekannten pränatalen Bluttests lässt sich zum Beispiel sehr einfach die DNA des Embryos auf Abweichungen wie die Trisomie 21, das Down-Syndrom, untersuchen. Seit mehr als einem Jahr prüft der gemeinsame Ausschuss der Krankenkassen und Ärzte, für Schwangere, die älter als 35 Jahre sind, und für Frauen, die als Risikoschwangere eingestuft sind, die Kosten dieses Bluttests zu übernehmen.

          Als der Frankfurter Künstler Philipp Schäfer und seine Freundin Alice von Lindenau erfuhren, dass sie ein Baby erwarten, wusste der werdende Vater sofort, dass er sich von dessen Geschlecht überraschen lassen wollte. „Ein Kind zu bekommen ist etwas Archaisches. Indem wir erst bei der Geburt erfahren, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, behält das Ganze seinen Zauber“, sagt Schäfer. Da das offenbar viele anders sehen, regelt in Deutschland das Gendiagnostik-Gesetz, dass der Frauenarzt bis zur 14. Schwangerschaftswoche das Geschlecht des Kindes gar nicht verraten darf. Länger muss er es dann nicht für sich behalten, wenn die Eltern es erfahren möchten.

          Doch selbst, wer es kennt, sein Baby aber nicht schon vor der Geburt in eine soziale Schublade stecken möchte, wird spätestens beim Besuch auf den Online-Seiten von großen Modeketten wie H&M oder Zara aufgefordert, die Rubrik „Mädchen“ oder „Junge“ zu wählen, bevor es weiter zur Kleidungsauswahl geht. Hier rosa, da blau.

          Berechnetes Risiko

          Dazu passt, was Klaus König erzählt, Vizepräsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und seit 38 Jahren Frauenarzt im Taunus. „Die Schwangerschaft ist heute ein Event. Die werdenden Eltern wollen so früh wie möglich das Geschlecht ihres Kindes erfahren, damit sich das Umfeld auf das Kind vorbereiten kann, auf die Farbe des Kinderwagens, den Namen, die Einrichtung des Kinderzimmers und die Kleidung.“ Dass das Kind gesund sei, solle natürlich auch schon möglichst früh bestätigt werden. Deswegen gebe es heute viel mehr Untersuchungen als früher.

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