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Sigmund-Freud-Institut : Neues Zentrum der Psychoanalyse in Frankfurt

Markant: Der Anbau am Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt. Das Foto zeigt den Hörsaal, der zu mehreren Seminarräumen umgestaltet werden kann. Bild: Wonge Bergmann

Das Sigmund-Freud-Institut hat nach dem Umbau wieder geöffnet. Gleich mehrere Einrichtungen finden sich hier unter einem Dach und die Goethe-Universität will die Kooperationen mit dem Institut verstärken.

          Die psychoanalytischen Institutionen in Frankfurt konnten gestern gemeinsam ihr neues Domizil eröffnen: das um einen Anbau erweiterte Gebäude des Sigmund-Freud-Instituts im Westend. „Es gibt viele Möglichkeiten der Zusammenarbeit“, sagte Marianne Leuzinger-Bohleber, die Geschäftsführende Direktorin des Freud-Instituts. Es könne ein einzigartiges Zentrum für Therapie, Forschung und Ausbildung entstehen.

          Stefan Toepfer

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Begründer des Sigmund-Freud-Instituts ist der Analytiker Alexander Mitscherlich. Seit 1964 hat es an der Myliusstraße seinen Sitz. Nun beherbergt das Haus auch das Frankfurter Psychoanalytische Institut, das Anna-Freud-Institut, das zugunsten von Kindern und Jugendlichen arbeitet, den Frankfurter Arbeitskreis für Psychoanalytische Pädagogik und das Jüdische Psychotherapeutische Beratungszentrum. Diese Institutionen bleiben selbständig, wollen aber mehr kooperieren. Als erstes gemeinsames Engagement kündigte Leuzinger-Bohleber eine Sprechstunde für Flüchtlinge und eine Fortbildung für Lehrer an, die Flüchtlingskinder unterrichten werden. „Wir haben viel Erfahrung mit traumatisierten Eltern und Kindern.“

          „Teil des besonderen Frankfurter Erbes“

          In dem von dem Architekten Stefan Wagner entworfenen Anbau sind unter anderem eine Bibliothek und ein Hörsaal untergebracht. Dieser lässt sich mit Hilfe von Schiebewänden in mehrere Räume unterteilen. Die Wände wurden von dem Künstler Michael Riedel gestaltet, der auf ihnen jedes einzelne Wort des Freud’schen Werks „Die Traumdeutung“ aufgebracht hat. Zusammengezogen, bilden die Einzelteile eine äußere Wand des Hörsaals.

          Der Anbau hat sechs Millionen Euro gekostet, für die das Land aufgekommen ist. Unterstützt wurde das Projekt durch die Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ im Winter 2006/2007 mit rund 307.000 Euro – vor allem mit Blick auf bessere Bedingungen für die Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie. Leuzinger-Bohleber und Rolf Haubl, der stellvertretende Direktor des Sigmund-Freud-Instituts, zeigten sich dankbar für die Hilfe. Die Kürzung von Landesmitteln hatte das Institut 2003 in eine tiefe Krise geführt. Mit Blick auf die Finanzierung des Anbaus sagte Haubl: „Das Land traut uns ein Überleben langfristig zu.“ Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) würdigte den „einzigartigen Beitrag“ des Freud-Instituts zur Erforschung psychischer Gesundheit, Beziehungs- und kreativer Arbeitsfähigkeit.

          Leuzinger-Bohleber warb für eine Psychoanalyse, die zum Dialog mit der Gesellschaft und anderen Wissenschaften bereit sei. Das werde eingefordert, vor allem im Wissenschaftsbetrieb. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, nannte das Freud-Institut einen „Teil des besonderen Frankfurter Erbes“ und kündigte eine engere Kooperation an. Das Freud-Institut ist ein „An-Institut“ der Universität. Ausdruck der Zusammenarbeit ist bereits eine Professur für psychoanalytische Sozialpsychologie am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, die Haubl innehatte und die gerade neu besetzt wird.

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