http://www.faz.net/-gzg-7l681

Neues Outlet : Zalando kommt nach Frankfurt

Die ehemalige Kaufhof-Immobilie in Bockenheim: Das „Kochhaus“ aus Berlin ist schon da, Zalando zieht voraussichtlich im Sommer ein Bild: Finger, Stefan

Der Online-Modehändler Zalando wird in Frankfurt ein großes Outlet für stark reduzierte Saisonartikel und Retouren eröffnen, das zweite nach Berlin.

          Der Umbau läuft, voraussichtlich im Sommer will die Zalando AG ein Geschäft mit mehr als 1000 Quadratmetern Fläche in der ehemaligen Kaufhof-Immobilie in Frankfurt-Bockenheim eröffnen. Das bestätigte ein Sprecher des Berliner Unternehmens gestern auf Anfrage. Es ist das bundesweit zweite Outlet nach Berlin. Angeboten werden stark reduzierte Saisonartikel, die sich im Netz nicht gut verkaufen ließen, ebenso wie Textilien und Schuhe aus Rücksendungen, die nach Angaben des Sprechers „nicht mehr in einem optimalen Zustand sind“, etwa Schuhe mit Kratzern. „Das ist eine sinnvolle Ergänzung zu unserem normalen Geschäft“, sagte der Sprecher. Jede zweite Bestellung kommt bei Zalando wieder retour. Angekündigt wird ein „cooler, schicker“ Laden. Anders als in Berlin, wo nur Zalando-Besteller kaufen dürfen, soll das Frankfurt-Outlet für jeden offen sein.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Schon regulär sind Markentextilien bei Zalando deutlich günstiger als im stationären Handel. Deswegen, aber auch dank einer einprägsamen Werbekampagne („Schrei’ vor Glück“) sowie lockeren Umtauschbestimmungen (100 Tage Rückgaberecht) hat sich der Online-Modehändler binnen fünf Jahren zu Europas führendem Modeanbieter im Netz entwickelt. Er hat 2012 einen Umsatz von 1,15 Milliarden Euro erzielt, schreibt allerdings regelmäßig rote Zahlen: Vor zwei Jahren betrug der Verlust 90 Millionen Euro.

          „Das ist ein Magnet für die Straße“

          Dem klassischen Einzelhandel nimmt Zalando von Jahr zu Jahr immer mehr vom Umsatz weg. Die Geschäftswelt in Bockenheim ist gleichwohl nicht unglücklich darüber, dass das virtuelle Warenhaus jetzt in das ehemalige Kaufhof-Gebäude einzieht. „Das ist ein Magnet für die Straße und tut der Leipziger insgesamt gut“, sagt der Betreiber des Portals Bockenheim-aktiv, Otto Ziegelmeier. Die Schuhanbieter an der Straße seien allerdings vermutlich nicht begeistert. „Mir ist alles recht, wenn dieses Gebäude nur endlich hell wird“, sagt Ute Kempf-Lützenberger, die ein Brillen-Fachgeschäft an der Leipziger Straße führt.

          Seit mehr als zehn Jahren stören sich die Einzelhändler an der ehemaligen Kaufhof-Immobilie. Die Filiale war nach der Übernahme der Kaufhof AG durch den Metro-Konzern geschlossen und anschließend an den Frankfurter Immobilienunternehmer Heinrich Gaumer verkauft worden. Der hatte es nicht gerade eilig mit dem Umbau und später auch nicht mit der Vermietung. Die Nachbarn ärgerten sich über zugeklebte Schaufenster und schimpften über den „Schandfleck“ im Viertel. Erst mit dem Einzug der Drogerie-Kette dm ging es langsam aufwärts. Es folgte einmal im Jahr - jeweils für zwei Monate vor Weihnachten - der Kunstsupermarkt, dann eine Filiale der Berliner Feinkost-Kette Kochhaus. Nicht zuletzt sorgte Lore Bäuscher vom Erzeugermarkt an der Konstablerwache mit einem Lädchen für regionales Obst und Gemüse für Leben im Geschäftshaus. Vieles von dem, was die Marktfrau verkauft, baut sie selbst an.

          Zwischenmieter suchen neue Fläche

          Bäuscher muss jetzt Platz machen für einen Nachmieter aus der Gastronomie, der angeblich auch in das Kaufhof-Gebäude einziehen soll. Das fällt ihr schwer, wie sie sagt. „Die Leute kannten und mochten mich.“ Schon seit 15 Jahren verkaufe sie ihr Gemüse an der Leipziger Straße. Das soll auch so bleiben. Die Marktfrau bemüht sich zurzeit um eine neue Verkaufsfläche im Viertel.

          Eine neue Bleibe für das Weihnachtsgeschäft im nächsten Jahr muss sich auch der Betreiber des Kunstsupermarktes, Mario Terés, suchen. Die 600 Quadratmeter, die er zuletzt belegte, werden für das Zalando-Outlet gebraucht. Für den Spanier ist Umziehen nichts Neues. In den 15 Jahren, in denen Terés seine Bilder in Frankfurt anbietet, musste er sich schon öfter einen neuen Standort suchen. Aber er gibt sich bescheiden: „300 Quadratmeter tun es auch.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          AfD-Demo in Berlin : Verbohrter Kulturkampf

          Selbst die CDU-Generalsekretärin schlägt wild um sich. So wird die AfD nicht etwa klein. So geht die Saat der AfD erst richtig auf. Ein Kommentar.

          DSGVO : Was der neue Datenschutz angerichtet hat

          Blogs schließen, Twitter sperrt Nutzerkonten, ein Vereinsvorstand tritt zurück. Nur Facebook kann die Daten seiner Nutzer besser verwerten. Die neuen Datenschutz-Regeln haben kuriose Folgen. FAZ.NET präsentiert eine Auswahl.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.