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Kommentar zu Stadterweiterung : Neues Frankfurt

Zwölftausend neue Wohnungen sollen im Nordwesten Frankfurts entstehen. Die Stadt ist gut beraten, die Interessen der angrenzenden Kommunen ernst zu nehmen und das Gespräch zu suchen.

          Zwölftausend neue Wohnungen. Der Stadtteil, der im Nordwesten von Frankfurt entstehen soll, hat historische Dimensionen. 12.000 Wohneinheiten – auf diese Zahl brachte es auch das Neue Frankfurt unter dem legendären Ernst May. Diese Leistung, die im Wesentlichen zwischen 1925 und 1930 erbracht wurde, wird bis heute in der Fachwelt als epochal bewertet.

          Ein solches Tempo ist heutzutage nicht mehr zu halten. Allein die Planungen – und die damit verbundenen Rechtsstreitigkeiten – werden länger dauern. Die Hoffnung von Planungsdezernent Mike Josef, in sieben Jahren könnten die ersten Häuser bezogen werden, ist jedenfalls sehr optimistisch, auch wenn der Sozialdemokrat seit seinem Amtsantritt eine erstaunliche Dynamik an den Tag legt.

          Die Standortwahl hätte Ernst May wohl kritisch beurteilt. Er bevorzugte den Bau von Satellitenstädten in geschlossener Siedlungsform, die in die Landschaft hineinkomponiert waren. Mit der Römerstadt ist er seinem Ideal am nächsten gekommen.

          Unter den derzeit in Frankfurt diskutierten Flächen wäre der Pfingstberg im Norden des Stadtgebiets am besten für ein solches Konzept geeignet gewesen, doch CDU und Grüne hatten mit Rücksicht auf die eigene Klientel etwas dagegen. Von den Bewohnern von Praunheim und Niederursel, die nun mit einem neuen Riesenquartier in unmittelbarer Nachbarschaft beglückt werden, erwartet man offenbar weniger Widerspruch.

          Autobahn mittendurch

          Für die ausgedeutete Fläche spricht, dass sie vergleichsweise leicht an die vorhandene Verkehrsinfrastruktur anzubinden ist. Damit ist aber schon ihr größter Nachteil benannt: die Lage unmittelbar an einer der meistbefahrenen Autobahnen des Landes. Die Prognose sei gewagt, dass das am Ende nur wenige Interessenten abhalten wird. Auch am Riedberg muss man mit Autolärm leben, vom Fluglärm in südlichen Stadtteilen ganz zu schweigen.

          Die Herausforderungen für die Planer sind gleichwohl gigantisch: Das gilt vor allem für die städtebauliche und architektonische Qualität, die es sicherzustellen gilt. Die Neubaugebiete, die in den vergangenen Jahrzehnten in Frankfurt entstanden sind, bieten genügend Anschauungsunterricht dafür, wie man es nicht macht. Gerade wenn Bürger mit geringeren Einkommen mit Wohnraum versorgt werden sollen, wird es auf eine ansprechende Gestaltung ankommen.

          Dadurch ließen sich vielleicht auch die Steinbacher Politiker besänftigen, die einen Moloch in ihrer Nachbarschaft befürchten. Die Stadt Frankfurt ist auch sonst gut beraten, die Interessen der angrenzenden Kommunen ernst zu nehmen und das Gespräch zu suchen. Umso stärker wirkt dann das Signal, das sie mit der Planung des neuen Stadtteils aussendet: Seht her, wir stellen uns dem Bevölkerungswachstum. Die anderen in der Region sollten nun folgen.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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          Quelle: F.A.Z.

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