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Neuer Flugsteig A-Plus : Abflug nach Fictitious Point

  • -Aktualisiert am

Warten aufs Probe-Boarding: Tester auf dem Flugsteig A-Plus in Frankfurt Bild: Hoang Le, Kien

Am Frankfurter Flughafen haben 300 Besucher den neuen Flugsteig A-Plus getestet. Die meisten waren zufrieden; für Fraport ist die Erweiterung ein „Quantensprung“.

          An diesem Dienstag ist Isabel Pecher ein Mann. Einen Tag heißt sie Mr. Zeno Visser und fliegt laut ihrem Lufthansa-Ticket nach Fictitious Point, ein Ziel, das auch auf der Anzeigetafel an Gate Z54 steht. In Wirklichkeit gibt es weder Herrn Zeno Visser noch Fictitious Point. Pecher ist 54 Jahre alt und zählt zu den 300 Statisten, die gestern in pink-grauen-Westen den neuen Flugsteig A-Plus am Frankfurter Flughafen getestet haben. In drei Gruppen sollten sie losziehen und unter realistischen Bedingungen ihr Gate finden. Dabei sollten sie Fragen beantworten: Findet man sich zurecht? Versteht man die Durchsagen? Öffnen sich die Automatik-Türen rechtzeitig?

          Bisher zählt der Frankfurter Flughafen jährlich 58 Millionen Passagiere. Sechs Millionen sollen mit dem neuen Flugsteig hinzukommen. Er ist hell und transparent, die Seite zum Flugfeld hin ist verglast, so dass Passagiere ihr Flugzeug schon von weitem sehen können. Noch hängen hier und da Kabel von der Decke, einige Sitzbänke sind noch in Folie eingeschweißt. Am 10. Oktober soll aber der Betrieb beginnen, und geht es nach Martina Pfeffer, Kapazitätsmanagerin der Terminals, wird der Termin auch eingehalten. Zwar hätten einige Rolltreppen Belastungstests nicht standgehalten, aber das sei nichts Unerwartetes gewesen. Bis jetzt, sagt Pfeffer, habe man nichts gefunden, was die Inbetriebnahme des Flugsteigs behindern könne. Die Nutzungsfreigabe der Baubehörde liege vor. „Eigentlich könnten wir jetzt schon loslegen.“

          Lange Wege bleiben den Passagieren auch in A-Plus künftig nicht erspart

          700 Millionen Euro hat der Neubau gekostet, geplant wurde er vom Hamburger Architekten-Büro gmp, das unter der Leitung seines Gründers Meinhard von Gerkan unter anderem auch den Berliner Hauptbahnhof baute. Der A-Plus ist 800 Meter lang und hat vier Ebenen, von denen die beiden oberen den Ankünften aus den Vereinigten Staaten und dem Flugverkehr mit Ländern aus der „Non-Schengen“-Zone vorbehalten sind. 185.400 Quadratmeter Fläche sind hinzugekommen. Harald Rohr, der das Immobilien- und Facility-Management leitet, sagt, der Flugsteig sei das größte Projekt des Flughafens seit der Inbetriebnahme des Terminals 2 im Jahr 1994 und damit ein „Quantensprung“.

          Der Flugsteig ist eine Erweiterung des Terminals 1 und wurde gebaut, um Großraumflugzeuge wie den A 380 und die Boeing 747 abfertigen zu können. Vier A380 können nun gleichzeitig am Flugsteig nebeneinander stehen. Kalkuliert man nur mit kleineren Flugzeugen, sind elf Andockstellen hinzugekommen.

          Manches ist neu. Am Eingang der Toiletten befänden sich keine Türen, um den Weg für Passagiere mit großen Koffern zu erleichtern, sagt Rohr. Um eine Panne wie am Flughafen Heathrow zu vermeiden, wo die Gepäckbänder den Dienst versagten, seien diese in Frankfurt schon seit Ende 2011 fertig und seit sechs Wochen im Betrieb.

          Beim Testlauf gestern hatten die Probe-Passagiere wenig zu kritisieren. „Eigentlich problemlos“ sei alles verlaufen, sagte ein Teilnehmer, „hervorragend“ ein anderer. Einige ältere Menschen beschwerten sich über lange Wege ohne Laufbänder.

          Isabel Pecher zeigt sich zufrieden. Sie sitzt auf einem der schwarzen Lederstühle vor Gate Z54, auf dem Schoß ein Klemmbrett mit einem Fragebogen. Dort steht: „Sind Sie im Brückenbauwerk in eine falsche Ebene gewechselt?“ Oder: „Wie beurteilen Sie die Lesbarkeit der Informationen auf den Monitoren/Beschilderung?“ Pecher sagt, einige Tester hätten bei den Laufbändern einen richtigen Sprung machen müssen. „Die Geschwindigkeit der Laufbänder ist wirklich gewöhnungsbedürftig“, notiert sie auf dem Fragebogen.

          Hochglanz mit viel Glas: Der neue Flugsteig A-Plus in Frankfurt von innen gesehen

          Neben dem Flugsteig beherbergt der Neubau 12.000 Quadratmeter Verkaufsfläche für 60 Läden und Restaurants. Bei Juwelier Wempe sind die Jalousien noch geschlossen. Bei Caviar House & Prunier stehen leere Tresen und Regale bereit. Die Betreibergesellschaft Fraport hofft, dass sie vier Euro an jedem Gast verdient. Im übrigen Flughafen sind es etwa drei Euro. Passagiere, die nach Asien oder Russland fliegen, gelten als besonders spendabel.

          Nur ein halbes Jahr hatte sich wegen des strengen Winters 2010/11 die Eröffnung des Flugsteigs verschoben; am neuen Berliner Großflughafen hofft man inzwischen, den vierten Eröffnungstermin halten zu können. Fragt man Harald Rohr, was Frankfurt besser gemacht hat, ist er zurückhaltend. In Frankfurt habe man von Anfang an engen Kontakt mit der Bauaufsichtsbehörde und der Branddirektion gehabt, sagt er. Rechtzeitige Planung sei eben alles.

          Der neue Flugsteig misst 570 Meter, im Hintergrund das walförmige Airrailcenter „The Squaire“

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