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Veröffentlicht: 26.03.2013, 23:24 Uhr

Neuer Flugsicherung-Chef „Wir holen das meiste an Lärmschutz heraus“

Der neue Chef der Deutschen Flugsicherung in Langen, Klaus-Dieter Scheurle, kennt Frankfurt gut und aus Berlin den Disput um Flugrouten.

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© Wohlfahrt, Rainer Klaus-Dieter Scheurle, der neue Chef der Deutschen Flugsicherung

Klaus-Dieter Scheurle weiß, was es mit neuen Flugrouten auf sich hat. Und welches Stresspotential sie für Anrainer, aber auch jene Leute entwickeln können, die über den Verlauf solcher Luftverkehrswege entscheiden. Der neue Chef der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH in Langen und ehemalige Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium hat schon so manche Diskussion mit Flughafen-Anwohnern in Berlin hinter sich gebracht - und dabei sogar eine gewisse Befriedung erreichen können, wie er sagt.

Jochen Remmert Folgen:

Über Frankfurt vor und nach der Inbetriebnahme der Landebahn Nordwest kann sich der 1954 in Bad Cannstatt Geborene, der seit Jahresbeginn an der Spitze der DFS steht, auch bald ein Urteil bilden. Denn Scheurle hat nun wieder im Frankfurter Nordend Quartier genommen, wo der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder schon einmal einige Jahre gelebt hat, bevor ihn der Ruf von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) aus Berlin ereilte. Auch im Nordend wird Scheurle nicht entgehen, dass sich die Anfluglinien knapp anderthalb Kilometer nach Norden verschoben haben.

„Garant des Wettbewerbs“

Vielen bekannt wurde der Jurist, der seit 2006 Honorarprofessor an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist, nachdem er im Jahr 1998 Gründungspräsident der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post geworden war, der heutigen Bundesnetzagentur. Er entschied sich damals dafür, die UMTS-Lizenzen für den Mobilfunk in einer spektakulären Versteigerung unter die Anbieter zu bringen. Das spülte dem Bund am Ende 99 Milliarden Mark in die Kasse, und Scheurle erwarb sich auch in vielen Teilen der Wirtschaft den Ruf als „Garant des Wettbewerbs“, während sich der ehemalige Monopolist Deutsche Telekom von ihm eher kujoniert fühlte, wie es damals hieß.

Auch im neuen Job wird an Vorhaltungen kaum Mangel herrschen. Wenn beispielsweise der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport AG wegen neuer Anflugverfahren und scheinbar ausbleibender lärmmindernder Wirkung unter Druck gerät, ist dort schon öfter einmal der Hinweis zu hören gewesen, dass die Flugsicherung bremse, nicht wolle oder nicht könne. Dass solche Kritik in aller Regel nicht konkreter wird, wundert Scheurle nicht, „weil es eben nichts Konkretes gibt“.

Höhen für Gegenanflüge hochgesetzt

“Wir sind diejenigen, die das meiste an Lärmschutz aus der gegebenen Situation herausholen. Das ist nicht trivial. Wenn man beispielsweise die Höhen für die Gegenanflüge um 1000 Fuß, also etwa 300 Meter, hochsetzt an einem Flughafen, der so häufig angeflogen wird wie der Frankfurter, der so viele Starts und Landungen zählt, dann ist das eine sehr komplexe Operation“, sagt Scheurle.

Das gelte auch für die Anhebung des Anflugwinkels von 3,0 auf 3,2 Grad. Das sei schwieriger, als es zunächst klinge. Auch deshalb, weil es sich auf die Kapazität auswirke, da der Abstand zwischen den Flugzeugen vergrößert werden müsse, um weiter einen sicheren Flugbetrieb gewährleisten zu können. Auch an diesem Punkt habe es wieder Diskussionen mit dem Flughafen gegeben.

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Der DFS-Chef verweist in diesem Zusammenhang gerne auf die „Betriebsdurchführungsanweisung“, die seine Mitarbeiter nicht nur darauf verpflichte, Zusammenstöße zu verhindern und einen sicheren, flüssigen Flugverkehr zu gewährleisten, sondern eben auch darauf, das immer „unter Vermeidung überflüssigen Fluglärms“ zu tun. Die Lärmvermeidung gehöre also längst zu den Kriterien, nach denen die 1900 Lotsen und die anderen Experten unter den 6000 DFS-Mitarbeitern den Luftverkehr zu leiten und zu regeln hätten. Ein Team von 30 Spezialisten sei kontinuierlich damit befasst, die Flugrouten nach ebendiesen Kriterien zu entwickeln und zu prüfen.

Die Proteste der Flughafenausbau-Kritiker versteht Scheurle als Auftrag für die DFS, noch mehr über die Arbeit seines Hauses zur Lärmreduzierung aufzuklären. Die Frankfurter Situation hält er dabei für sehr viel anspruchsvoller als die Lage in Berlin.

Zur in Frankfurt realisierten Ausbauvariante sagt Scheurle nichts. Er habe sich aber vorgenommen, dass die DFS künftig ganz genau aktenkundig machen werde, was sie vorschlage und wovor sie warne. Denn es könne nicht sein, dass erst einmal überhört werde, wenn die Experten Bedenken formulierten, um dann Jahre später zu behaupten, die DFS habe nicht gewarnt. „Da habe ich keine Lust drauf. Da muss ich mich schützend vor meine Leute stellen“, meint Scheurle.

Mehr Transparenz beabsichtigt

Apropos Mitarbeiter. Dass er den Disput mit der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) quasi zum Dienstantritt im Rekordtempo beigelegt hat, lässt sich durchaus als Zeichen interpretieren. Scheurle, der die DFS und ihre Untiefen schon aus seiner Tätigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender kennt, weiß, dass es bisher keinen offenen Dialog zwischen Management und Belegschaft gegeben hat. Er gilt zwar durchaus als konfliktfähig. Gerade die langen Auseinandersetzungen inklusive Klagen unter der alten DFS-Leitung hatten aber eher den Charakter wortloser Kraftproben Halbwüchsiger und haben gewiss nicht Scheurles Vorstellungen einer intelligenten Konfliktlösung entsprochen.

Dass die GdF eine wichtige und mächtige Größe in seinem Haus ist, weiß er wohl. Scheurle sieht aber keinen Grund, sie zu verurteilen oder „zu verdammen“, wie er sagt. Er habe vielmehr festgestellt, dass sich Schritt für Schritt ein „sehr guter Dialog mit der Belegeschaft aufbauen lässt“, gibt er zu Protokoll und stellt damit seinem Vorgänger Dieter Kaden und dessen Führungsriege ein nicht eben glänzendes Zeugnis aus.

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