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Neue SPD-Mitglieder Genosse Fluglärm

Die Sachsenhäuser SPD hat 18 Fluglärmgegner in ihre Partei aufgenommen - nach zähem Ringen. Beiden Seiten geht es um ihre Heimat.

© Rüchel, Dieter Protest am Bau: Seit Inbetriebnahme der neuen Landebahn kann Monika Plottnik nicht mehr ruhig schlafen.

Thomas Morawski ist Sozialdemokrat aus Überzeugung. Mit 16 Jahren trat er den Jungsozialisten in Paderborn bei, dieser in den achtziger Jahren tief katholischen und christdemokratischen Stadt. Sein Lehrer, sagt er, habe ihn damals „rundgemacht“, als er mit Juso-Anstecker in die Klasse gekommen sei. Morawski ist Sprecher des SPD-Ortsvereins Sachsenhausen. Eine Weile war er bei den Linken, und er hat lange mit sich gerungen, aus dieser Partei aus- und wieder in die SPD einzutreten. Für Morawski ist die Parteizugehörigkeit mehr als eine bloße Bescheinigung. Sie ist eine Haltung. Deswegen kann er immer noch nicht glauben, was vergangene Woche geschehen ist, während der Vorstandssitzung des SPD-Ortsvereins Sachsenhausen, als einige wohlsituierte Bürger vom Lerchesberg in die SPD, die Arbeiterpartei, eintreten wollten. „So etwas habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt“, sagt er.

36 Männer und Frauen waren am Montagabend zu der Sitzung im Haus der Jugend gekommen und verlangten die Aufnahme in die SPD. Es waren Fluglärmgegner, die die Schließung der neuen Nordwest-Landebahn am Frankfurter Flughafen fordern. Dafür tritt auch der Sachsenhäuser SPD-Politiker Ralf Heider ein. Mit ihrem Parteieintritt und dem damit verbundenen Stimmrecht wollen die Lärmgegner ihm dazu verhelfen, Kandidat für die Landtagswahl zu werden, so dass er bei einem Sieg ihre Position im Parlament vertreten könnte.

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Es wurde laut

Nun könnten die Sachsenhäuser Genossen tatsächlich gut neue Mitglieder gebrauchen, sagt Morawski, nur sollten alle auch ähnliche Werte teilen, findet er. Die Sachsenhäuser SPD tritt für bezahlbaren Wohnraum ein und einen günstigeren öffentlichen Personen-Nahverkehr. Aber Morawski fragt sich, ob die Ärzte, Rechtsanwälte und andere Freiberufler, die wie einige Lehrer und Rentner plötzlich Genossen werden wollen, genügend Solidarität mitbringen. Er nennt das Beispiel eines Zahnarztes, der vorgegeben habe, als Freiberufler über kein geregeltes Einkommen zu verfügen und deshalb nur den Mindestbeitrag in Höhe von zwei Euro und fünfzig Cent zahlen zu wollen. Tatsächlich gebe es aber in der SPD auch einige Mitglieder, die den monatlichen Spitzenbeitrag von 400 Euro zahlten, sagt Morawski.

Die Stimmung an dem Abend sei hitzig und angespannt gewesen, das sagen Lärmgegner wie Alt-Genossen. Als der Vorstand den Bewerbern Fragen zu ihrer politischen Haltung stellte, nannten das einige eine Frechheit. Laut sei es geworden, einige hätten mit dem Anwalt gedroht, heißt es. Alle 36 Antragsteller wurden zunächst abgelehnt.

„Feindliche Übernahme“

Einige SPD-Bewerber scheuen sich, mit den Medien zu reden: zu heikel, sagt einer. Es sei eine Unterstellung, wenn die SPD, ähnlich wie die Schufa in der Frage der Kreditwürdigkeit, aufgrund des Wohnorts entscheide. Irgendwann soll sogar der Begriff der „Lerchesberg-Mafia“ gefallen sein, die eine „feindliche Übernahme“ plane.

Monika Plottnik, eine Amtsrätin, ist bereit zu reden. Sie wohnt in einer Reihenhaussiedlung auf dem Sachsenhäuser Berg, nordöstlich vom Lerchesberg. Die Vierundfünfzigjährige musiziert auf afrikanischen Trommeln, ihre Mutter war Schneiderin, der Vater Straßenbahnfahrer. Plottnik malte schon mit Senioren im Altenheim, half im Sommer beim SPD-Straßenfest unter der Einflugschneise und arbeitet jedes Jahr für eine Woche ehrenamtlich zum Schutz der Natur im Wald. Plottnik hat schon immer Rot-Grün gewählt, doch sich politisch engagieren wollte sie nie. Das ist jetzt anders: „Man wird ja dazu gezwungen“, sagt sie.

Plottnik fliegt nun nicht mehr

Wäre Plottniks Garten nur ein paar Meter länger, läge ihr Grundstück in der sogenannten Tag-Schutzzone 1, und sie könnte die Fenster aller Räume auf Fraport-Kosten durch Schallschutzfenster ersetzen lassen. So hat sie nur Anspruch auf neue Fenster in den Schlafzimmern im ersten Stock. Aber sie will das Angebot nicht annehmen. Sie findet: Ließe sie sich darauf ein, käme das einer Resignation gleich.

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