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Neue Landtechnik am Flughafen : Premiere mit dem „Siegerflieger“

Neuland: Die Bodeneinheit des satellitengestützten Anflugsystems GBAS auf dem Frankfurter Flughafen. Bild: Kaufhold, Marcus

Der Frankfurter Flughafen führt den satellitengestützten Anflug ein - mit dem „Siegerflieger“ der Nationalmannschaft. Die neue Technik ist leistungsfähiger, soll aber auch ein leiseres Landen ermöglichen.

          Vor wenigen Wochen brachte die Boeing 747-800 der Lufthansa die deutsche Fußball-Nationalmannschaft aus Brasilien nach Deutschland zurück. Nun war der Lufthansa-Großraumjet mit dem vorübergehenden Namen „Siegerflieger“ das erste Flugzeug, das auf der Südbahn des Frankfurter Flughafens mit Hilfe des neuen satellitengestützten Anflugsystems namens GBAS aufsetzte. Das System soll es ermöglichen, auch noch wenige Kilometer vor der Landung bewohntes Gebiet zu umkurven und den Anflug in einem steileren Winkel anzusetzen, um höher über Wohngebieten zu fliegen.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Von dem neuen System versprechen sich Flughafenbetreiber Fraport, die Deutsche Lufthansa und die Deutsche Flugsicherung (DFS) neue Möglichkeiten, um mehr Flugverkehr mit weniger Lärmbelastung für die Anrainer des Flughafens abwickeln zu können. Während allerdings gekurvte Anflüge in der Hauptverkehrszeit nach Angaben der Flugsicherung mindestens noch fünf Jahre auf sich warten lassen werden, ist der Anflug mit einem steileren Anflugwinkel, 3,2 statt 3,0 Grad, schon in kurzer Frist als Regel auf allen Landebahnen des Flughafens möglich, wie es gestern weiter hieß.

          Mithilfe von GPS-Daten

          Derzeit wird dieser steilere Winkel nur auf der Nordwestlandebahn schon regelmäßig geflogen. Dafür ist dort aber noch eine zweifache Ausstattung des herkömmlichen Instrumentenlandesystems (ILS) installiert. Das GBAS-System kann dagegen den Angaben zufolge mit nur einer Station am Boden bis zu 49 Anflüge auf verschiedenen Pisten des Flughafens gleichzeitig verwalten.

          Das GBAS-System nutzt dabei Signale von GPS-Satelliten, ähnlich den Navigationsgeräten in Autos. Weil diese Daten allein aber nicht präzise genug sind, liefert die GBAS-Station am Bahnsystem des Flughafens vom Boden aus Korrektursignale an die Flugzeuge, so dass dann besonders präzise Anflugmanöver auch bei schlechtem Wetter möglich sind. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn auch die Maschinen mit einer entsprechenden GBAS-Anlage ausgestattet sind.

          Messflüge nachts nun überflüssig

          Die Anlage kostet je Flugzeug in der Nachrüstung rund 100.000 Euro, wie Kay Kratky gestern erläuterte. Er ist Mitglied des Lufthansa-Passage-Vorstands und verantwortet den Flugbetrieb und alles, was das Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt betrifft. Die Airbus A380, Boeing 747-800 und die Boeing 737 NG der Lufthansa sind allesamt GBAS-fähig; auf das Gros der Flugzeuge, die derzeit auf dem Frankfurter Flughafen landen, trifft das allerdings noch nicht zu.

          Die Kosten für den Bau und die Nutzung der Bodenstation belaufen sich den Angaben zufolge auf rund fünf Millionen Euro. Das GBAS-System ist nach Angaben der Flugsicherung nicht nur leistungsfähiger als das herkömmliche Instrumentenlandesystem, sondern es macht auch nächtliche Messflüge überflüssig.

          „Mit GBAS unterstreichen wir einmal mehr unsere internationale Vorreiterrolle bei der Umsetzung von neuen Technologien und setzen konsequent einen weiteren Punkt aus dem Maßnahmenpaket der Allianz für Lärmschutz um“, sagte Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte während der offiziellen Inbetriebnahme der neuen Anlage. Er wies darauf hin, dass sich sein Unternehmen erst vor knapp 16 Monaten mit der Lufthansa und der Flugsicherung geeinigt hatte, das GBAS-System, das unter anderen auch in den Vereinigten Staaten, in Australien und in der Schweiz erprobt wird, in Frankfurt zu etablieren.

          Lärmobergrenze sei machbar

          Die Flugsicherung erhofft sich von dem GBAS-Projekt in Frankfurt eine Wirkung auf weitere Verkehrsflughäfen in Deutschland und darüber hinaus. „Langfristig gesehen, wird GBAS, so ist meine Überzeugung, über den Flughafen Frankfurt hinaus eine große und weitreichende Bedeutung erlangen“, sagte Robert Schickling, der in der DFS-Geschäftsführung den Betrieb verantwortet. Er ist sich sicher, dass mit GBAS „ein neues Zeitalter der Flugnavigation“ begonnen habe.

          Dabei ist allerdings zu bedenken, dass alle Verfahren, wie sie mit GBAS möglich sind, erst einmal von der internationalen Luftfahrtorganisation ICAO genehmigt werden müssen. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen ist für eher langwierige Entscheidungsprozesse bekannt.

          Derweil meldete die Frankfurter Fluglärmkommission, dass ein von ihr beauftragtes Rechtsgutachten zu dem Schluss kommt, Lärmobergrenzen am Frankfurter Flughafen könnten eingeführt werden, ohne die Festlegungen des Planfeststellungsbeschlusses zu verletzen. Thomas Jühe (SPD), Vorsitzender des Gremiums und Bürgermeister von Raunheim, fordert deshalb von der hessischen Landesregierung, umgehend ein Konzept für Lärmobergrenzen in Frankfurt vorzulegen.

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