25.01.2012 · Zwei neue Krankenhäuser entstehen im Hochtaunuskreis - obwohl die bisherigen rote Zahlen schreiben. In Usingen war schon Grundsteinlegung, Bad Homburg folgt heute.
Von Bernhard BienerAufgelöst hat sich der Förderverein Usinger Kreiskrankenhaus noch nicht. Sein wichtigstes Satzungsziel allerdings, der Erhalt der Gesundheitsversorgung in der ehemaligen Kreisstadt, darf als erfüllt gelten. Obwohl erst am Dienstag offiziell der Grundstein gelegt wurde, ragt das Erdgeschoss der neuen Klinik schon aus dem Boden. Dennoch wissen nicht nur die Geschäftsführerin der Hochtaunuskliniken, Julia Hefty, und der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) um die Skepsis der dortigen Bürger. "Selbst als die Arbeiten schon begonnen hatten, gab es Gerüchte über eine Großmarkthalle oder einen Sportplatz an dieser Stelle", sagte Wernard nur halb im Scherz.
Landrat Ulrich Krebs (CDU), zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Klinikgesellschaft, sprach dagegen vom Neubau als einem "starken Bekenntnis zu Usingen und zum Usinger Land". Der Kreis müsse die Krankenhäuser zwar quersubventionieren, aber "das ist es uns wert". Er wünsche sich, dass sich auch das Land für seine Krankenhausstandorte engagiere. Angesichts des Baufortschritts äußerte sich Krebs zuversichtlich, dass im Herbst 2013 das Krankenhaus, wie geplant, an seinen neuen Standort an der Weilburger Straße ziehen könne.
Tatsächlich ist die Bau in Usingen weiter, als es der Bauzeitenplan zunächst vorsah. Am Ortsrand neben der Feuerwehr und gegenüber der Polizei entsteht ein 100-Betten-Haus der Grundversorgung.
Von Verzögerung ist auch in Bad Homburg keine Spur, dem zweiten Standort der Hochtaunuskliniken. Dort wird an einem Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 350 Betten gebaut und heute der Grundstein gelegt. Erstmals in Deutschland entsteht ein komplettes kommunales Krankenhaus mit zwei Standorten zusammen mit privaten Partnern. Das Konsortium um den Baukonzern BAM stellt auch anschließend den technischen Betrieb für 25 Jahre sicher. Wegen des Modellcharakters gibt das Land Hessen einen Zuschuss von 70 Millionen Euro zu dem 200-Millionen-Euro-PPP-Projekt hinzu. Was die Betriebsorganisation angehe, seien die beiden Neubauten eigentlich schon beim Richtfest, sagte gestern der Ärztliche Direktor Volker Lischke. Denn anders als früher müssten die Mediziner nicht ihre Ansprüche in einem von Architekten entworfenen Bau unterbringen. Stattdessen sei zuerst der Weg der Patienten in alle Diagnose- und Behandlungsschritte aufgegliedert worden, um daraus die optimalen Abläufe festzulegen und daran wiederum die Bauplanung auszurichten.
Die bessere Organisation soll nicht zuletzt Kosten sparen. Denn die Hochtaunuskliniken sind schon lange defizitär. 2009 lag der Fehlbetrag bei zehn Millionen Euro. Das von Landrat Krebs ausgegebene und im Sanierungsplan von 2008 festgehaltene Ziel einer "schwarzen Null" bis zum Baubeginn konnte nicht eingehalten werden. Für 2012 rechne man mit einem Defizit von sieben Millionen Euro, sagte Geschäftsführerin Hefty dieser Zeitung. Während die Personalkosten durch Tariferhöhungen gestiegen seien - die jüngste für die Ärzte koste die Kliniken 600 000 Euro -, habe man die Sachkosten deutlich drücken können. Indem man die Laborarbeiten bis auf spezielle Leistungen selbst erbringe, würden gegenüber dem früheren Gemeinschaftslabor mit einem niedergelassenen Mediziner 1,5 Millionen Euro gespart. Anfang vergangenen Jahres habe man sich einer neuen Einkaufsgemeinschaft angeschlossen, und auch der Apothekenvertrag sei neu ausgeschrieben worden.
Den wichtigsten Baustein des Sanierungsplans haben die Kliniken nach Worten der Geschäftsführerin nicht realisieren können. Ein Sanierungstarifvertrag habe die Kosten um 4,5 Millionen Euro drücken sollen. Hierüber sei man jedoch mit den Gewerkschaften nicht einig geworden. Trotz ihrer schwierigen wirtschaftlichen Lage verkünden die Kliniken ständig die Eröffnung neuer Fachabteilungen und die Berufung renommierter Chefärzte. Für Hefty kein Widerspruch, denn dadurch entstünden neue Einnahmen. Als Beispiel nannte sie die seit 1. April vergangenen Jahres bestehende Fachabteilung Gefäßchirurgie: "Diese hat ein Vielfaches ihrer Kosten schon wieder eingespielt." Mit Blick auf die von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) angestoßene Diskussion um eine stärkere Zusammenarbeit der kommunalen Krankenhäuser verteidigte sie die Strategie des Hochtaunuskreises, möglichst alle Leistungen anzubieten. "Wir wollen die Vollversorgung garantieren." Dennoch seien die Geschäftsführer der verschiedenen Kliniken durchaus zur Kooperation bereit.
Bernhard Biener Jahrgang 1964, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.
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