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Neubaugebiete in Frankfurt : „Pläne für Wohnungsbau unter den Erwartungen“

Wohnungsbaugebiete Bild: F.A.Z.

Ein wenig Lob und viel Tadel für Planungsdezernent Olaf Cunitz: Die SPD fordert die rasche Ausweisung weiterer Flächen, die Eigentümervereinigung lehnt die Milieuschutzsatzung ab, und ein Makler beklagt fehlenden Mut.

          Der Magistratsbeschluss, in den nächsten Jahren 15 Neubaugebiete mit hoher Priorität zu behandeln, stößt bei der SPD im Römer auf ein verhaltenes Echo. Der sozialdemokratische Fraktionsvorsitzende Klaus Oesterling (SPD) sagte, Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) habe die Erwartungen nicht erfüllt. Angesichts eines Bevölkerungswachstums von jährlich mehr als 10.000 Einwohnern reiche es nicht aus, Flächen für 6000 neue Wohnungen zu benennen, zumal die Hälfte davon schon zuvor als Wohnbauland ausgewiesen worden sei.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Oesterling äußerte die Erwartung, dass Cunitz mit dem von ihm angekündigten integrierten Stadtentwicklungskonzept demnächst Vorschläge für weitere Neubaugebiete vorlegen werde. „Wenn es aber bei den jetzigen Ideen bleiben sollte, wäre das eine Bankrotterklärung.“ Oesterling sagte, für einen großen Wurf werde Cunitz nicht an Flächen vorbeikommen, die von den Sozialdemokraten schon ins Spiel gebracht worden seien. Ein Blick auf die Karte zeige, dass für größere Baugebiete nur noch wenige Standorte in Frage kämen. Durch den Fluglärm und die damit verbundene Siedlungsbeschränkung schieden die südlichen Stadtteile, aber auch größere Gebiete nördlich des Mains weitgehend aus, und der Grüngürtel enge den Spielraum der Planer weiter ein. Am Ende werde man bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen für eine Bebauung ins Auge fassen müssen, wie das von der SPD im Frühjahr ins Gespräch gebrachte Areal zwischen Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach.

          Pendlerströme vermeiden

          Mit den einzelnen von Cunitz genannten Gebieten erklärte sich Oesterling weitgehend einverstanden. Es sei zwar noch zu früh, jedes einzelne zu bewerten, man könne aber über alle diskutieren. Weitgehend unproblematisch seien die Planungen für Breite Gasse und Fischerfeldstraße in der Innenstadt, im Ostend und im Gallus. Schwierigkeiten erwartet Oesterling dagegen beispielsweise für den südlichen Teil des Gebiets neben der Ferdinand-Hoffmann-Siedlung in Sindlingen. Dort seien Kleingärten und Sportplätze gelegen, was zu Protesten von Betroffenen führen werde. Für das Areal westlich der Nordweststadt müsste zunächst für Lärmschutz zur Autobahn gesorgt werden, auch sei die Erschließung nicht sichergestellt.

          Gut gerüstet: Die Stadt Frankfurt plant mehr Wohnungen im Zentrum. So sollen auch Pendlerströme umgangen werden.

          Oesterling sagte, die SPD teile die Überzeugung des Planungsdezernenten, dass der Bedarf an Wohnraum in Frankfurt nicht im Umland gedeckt werden könne. Dafür sprächen schon ökologische Erwägungen, wonach Pendlerströme tunlichst zu vermeiden seien. Zudem drängten die Menschen in die Stadt.

          Nicht der gewünschte Effekt

          Auch aus der Immobilienbranche gab es gemischte Reaktionen auf den wohnungspolitischen Grundsatzbeschluss des Magistrats. Rainer Ballwanz, dessen Maklerunternehmen Marktführer in Frankfurt für die Vermittlung von gehobenem Wohnraum ist, hält die neu ausgewiesenen Flächen für nicht ausreichend. Es fehle der Mut, auch gegen die zu erwartenden Proteste an Ideen für Neubaugebiete festzuhalten. Ballwanz verwies auf die vor rund zwei Jahren entwickelte Idee des Planungsamts, die Bebauung rund um den Miquel-Knoten zwischen Bockenheim und Ginnheim zu verdichten. Davon sei nun nicht mehr die Rede.

          In städtebaulichen Verträgen künftig grundsätzlich festzulegen, dass 30 Prozent der Fläche für geförderten Wohnraum zu reservieren sind, lehnt Ballwanz ab. Nicht alle Flächen, gerade in zentralen Lagen, seien für eine solche Vorschrift geeignet. Das Vorhaben von Cunitz, die Stadtteile attraktiver zu machen, sei gerade deshalb zu unterstützen.

          Wie Ballwanz hält auch Jürgen Conzelmann, Vorsitzender der Eigentümervereinigung Haus und Grund, nichts von einer Milieuschutzsatzung, die Cunitz für besonders begehrte Stadtteile angekündigt hat. Beide erwarten, dass dieses Mittel nicht den erwünschten Effekt haben, jedoch die organische Entwicklung der betreffenden Stadtteile behindern würde. Zudem würden jene benachteiligt, die neu in eine Stadt kämen, und jene, die bereit seien, für Wohnen viel Geld aufzuwenden. Nehme man die vom Bund geplante Mietpreisbremse hinzu, würden die Eigentümer immer stärker vom Staat drangsaliert. Conzelmann sagte weiter, es gebe in der Stadt viele vernachlässigte Flächen, etwa an der Borsigallee. Er forderte, bei allem Streben nach mehr Masse auch stärker als bisher auf städtebauliche und architektonische Qualität zu achten.

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