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Neubau : Höher wohnen im Henninger-Turm

Altbekannt: An der äußeren Form des Henninger-Turms ändert sich nicht viel. Bild: Lisowski, Philip

Ein Neubau mit vertrauter Silhouette ersetzt das Frankfurter Wahrzeichen. Baubeginn soll im Frühjahr 2013 sein.

          Der neue Henninger-Turm wird dem alten ähneln: Das Frankfurter Architekturbüro Meixner Schlüter Wendt hat mit seinem Entwurf für einen rund 130 Meter hohen Wohnturm, dessen Kubatur und zur Innenstadt ausgerichtete Fassade stark an den Altbau erinnern, das vom Bauherrn Actris ausgelobte Gutachterverfahren gewonnen. Auf dem Dach des Gebäudes ist eine gradlinige Version des charakteristischen, bierfassförmigen Drehrestaurants mit öffentlicher Nutzung geplant. Actris will den Entwurf bis 2015 realisieren, Baubeginn ist im Frühjahr 2013.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Wettbewerb für das Sachsenhäuser Wahrzeichen steht im Zusammenhang mit den Plänen von Actris, auf dem benachbarten früheren Gelände der Henninger-Brauerei ein Neubaugebiet mit 800 Wohnungen zu entwickeln. Der Wohnturm markiert auch für das gesamte Projekt den Baubeginn. Für den Bauherren sprach Daniel Hopp von einem „Schlüssel für ein erfolgreiches Projekt“.

          „So viel Respekt vor der Aufgabenstellung“

          Das Preisgericht, das nur einen ersten Preis und fünf Anerkennungen vergab, entschied sich einstimmig für den Siegerentwurf. Für den Stadtplanungsamtsleiter Dieter von Lüpke, der der Jury angehörte, haben die Architekten „eine sehr schwierige Aufgabe“ überzeugend gelöst. Das leerstehende frühere Getreidesilo der Henninger-Brauerei, ein „eher hässliches Gebäude“, habe durch seine Nutzungsgeschichte viele positive Wertungen auf sich gezogen. Der 1960 gebaute Turm sei auch ein Symbol des neuen Frankfurt gewesen, das gezeigt habe: „Es ist möglich, in einer zerstörten Stadt wieder eine Industrie aufzubauen.“ Den Architekten gelinge es, die besonders mit dem drehbaren Dachrestaurant verbundenen positiven Erfahrungen auf den Neubau zu übertragen.

          Der Vorsitzende des Preisgerichts und Präsident des Bundes Deutscher Architekten, Zvonko Turkali, sagte, er habe selten ein Verfahren „mit so viel Respekt vor der Aufgabenstellung“ erlebt. Als eleganter, unverwechselbarer Solitär habe der Siegerentwurf eine „emotionale Bindung“ zum Altbau und orientiere sich stark an der jetzigen Silhouette. Auch die Lösung der Architekten auf dem Grundstück um den Turm überzeuge. Sie schafften einen angenehmen Blockrand und einen offenen Platz. Das neue Fass auf dem Dach stehe in der „Logik der Transformation“ des Altbaus.

          130 Wohnungen

          Zwar handelt es sich bei dem Gebäude um einen Neubau, da sich die statische Verstärkung des deckenlosen Silos als schwierig und teuer erwies. Die Architekten sprechen aber von einem „immateriellen Bestand“. Claudia Meixner zufolge wollten sie das Bild des Henninger-Turms und die Erinnerung daran in ein neues Gebäude transformieren. „Es erinnert an das, was dort gewesen ist.“

          In dem Haus ist Platz für 130 Wohnungen, die größtenteils als Eigentumswohnungen zu einem Quadratmeterpreis von rund 4000 Euro verkauft werden. Die Blockrandbebauung nimmt in Richtung Westen zur benachbarten Binding-Brauerei ein Parkhaus mit 580 Plätzen auf. Außerdem sind Appartements und Einzelhandel mit einer Fläche von 4000 Quadratmetern vorgesehen. Die Grundrisse der Wohnungen sollen noch einmal überarbeitet werden. Wegen der benachbarten Binding-Brauerei wird auch auf Schallschutz Wert gelegt. Das Gebäude soll zudem den Passivhaus-Standard erfüllen.

          Quelle: F.A.Z.

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