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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Neckermann Kataloggeschäft als Last im modernen Versandhandel

 ·  Neckermann hat mit dem Wandel zu kämpfen. Während der Konzern online wächst, lahmt das Katalog-Geschäft mit Textil-Eigenmarken. Das geht zu Lasten der eigenen Logistik.

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Für den Betriebsrat von Neckermann ist das letzte Wort noch nicht gesprochen - für das Management schon: Die Geschäftsführung des Versandhändlers aus Frankfurt-Fechenheim hat mehrere Alternativen geprüft, wie Konzernchef Henning Koopmann sagt. Doch am Ende aller Überlegungen steht der Beschluss, den Vertrieb von Eigenmarken bei Textilien aufzugeben und in der Folge den Logistikstandort am Main zu schließen. „Auch wenn ich mir über die Bedeutung für jeden Einzelnen im Klaren bin, muss ich doch an das große Ganze denken“, gibt Koopmann zu bedenken und meint damit das Unternehmen an sich. Gut 1300 Arbeitsplätze sollen in Fechenheim wegfallen, wo die Neckermann.de GmbH noch etwa 2500 Kräfte zählt.

Dass auch Konkurrent Otto Tausende Stellen abbauen will, taugt nicht als Trost für die Beschäftigten, es illustriert aber die Probleme traditioneller Versender. Grundsätzlich passen zweimal im Jahr aufgelegte dicke Kataloge mit unzähligen Artikeln zu festen Preisen nicht in eine Zeit, in der der Internethandel auf dem Vormarsch bleibt: Onlinehändler passen täglich mehrfach die Preise an und stellen ihr Sortiment regelmäßig um.

Starkes Wachstum der Markenpartnerschaften

Den Hintergrund der Talfahrt des Kataloggeschäfts von Neckermann erklären Koopmann und Logistik-Betriebsratschef Thomas Schmidt, der auch im Aufsichtsrat des Versenders sitzt, mit ähnlichen Worten: Wer Bekleidung im Internet kaufen wolle, suche vor allem Markenware.

Nun ist es nicht so, dass der Traditionskonzern keine Jeans, T-Shirts oder Hemden beliebter Marken im Angebot hätte. Vielmehr kommen Kunden auf der Internetseite von Neckermann gleich auf zwei Wegen an Ware von Esprit, S.Oliver oder Tom Tailor: Sie können sie aus dem Sortiment des Versenders bestellen oder über den Shop der jeweiligen Marke auf der Neckermann-Seite. Diese Markenpartnerschaften, die unter Koopmann auf 170 ausgebaut worden sind, verzeichnen nach seinen Worten ein starkes Wachstum.

Schon einige Stellen in der Logistik abgebaut

Dem steht aber ein Geschäft mit Eigenmarken gegenüber, das hinterherhinkt. Denn Neckermann wird auf dem Textilmarkt nicht als Marke wahrgenommen, wie der Chef zugibt. Eine Hose oder eine Bluse von Neckermann ist demnach ein „No Name“-Produkt. Dabei ist das Geschäft mit den Textil-Eigenmarken aber nach den Worten von Koopmann zum einen mit enormen Kosten verbunden. Zum Zweiten verkaufen sich diese Produkte vor allem über die Neckermann-Kataloge. Nur setzt der Versender mit „Print“, wie die Kataloge im Konzernjargon genannt werden, immer weniger um. Binnen fünf Jahren haben sich die Umsätze mehr als halbiert, wie es heißt.

Zwar hat Neckermann in den vergangenen Jahren schon einige hundert Stellen in der Logistik abgebaut. Auch stellt das Geschäft mit Textil-Eigenmarken nur noch einen von Koopmann nicht näher bezifferten „kleinen“ Teil des Umsatzes dar, der sich 2011 auf knapp 1,3 Milliarden Euro im Konzern summierte - aber mit diesem Segment ist „ein überproportionaler Teil an Strukturkosten“ verbunden, wie der Chef weiter erläutert.

Kein eigenes Lager mehr

Der Arbeitsaufwand steige oder falle nicht mit der Zahl der verschickten Kataloge, sondern bleibe gleich hoch. Dies gilt sowohl für die Erstellung eines Katalogs als auch für die mit dem Lager verbundenen Kosten. Laut Koopmann kommt noch hinzu, dass das auf Textilien ausgerichtete Lager nicht auf andere Ware umgestellt werden kann. Deshalb dürfen die Grundzüge des Alternativkonzepts, die der Betriebsrat laut Schmidt heute der Chefetage vorlegen will, mit Spannung erwartet werden.

Wenn das Unternehmen allerdings das jeweils um zweistellige Prozentsätze wachsende Geschäft mit Unterhaltungselektronik und Möbeln ebenso forciert wie die Markenpartnerschaften, braucht es fortan auch kein eigenes Lager mehr. Zwar verschickt es etwa ein über seine Internetseite bestelltes Hemd von S.Oliver noch selbst - nach dem Jahreswechsel soll Markenware aber aus einem Lager des jeweiligen Partners versandt werden. So wie es schon geschieht, wenn ein Kunde über einen Shop eines Markenpartners auf der Neckermann-Seite bestellt. Die Fechenheimer kümmern sich in solchen Fällen nur um Rechnung und Service. Daraus folgt, dass Neckermann sich weder um Qualitätskontrolle beim Hersteller noch um den Einkauf oder den Transport scheren muss. Schon heute erhält ein Kunde ein bei Neckermann bestelltes Fernsehgerät nicht aus Frankfurt, sondern aus Linden in Mittelhessen, wo ein Partner sitzt. Auch Möbel lagert der Versender nicht am Main.

Angesichts dessen stellt sich die Frage, ob Neckermann rasch genug auf den Wandel im Versandhandel reagiert hat - zumal das Unternehmen im Gegenzug etwa zum erfolgreichen Butzbacher Ökomode-Marktführer Hess Natur keine Nische besetzt. Aus Sicht des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels hat Neckermann bisher seinen Schwerpunkt „nicht klar genug“ auf den E-Commerce gesetzt. Koopmann gesteht zu, dass sich das Kataloggeschäft noch stärker als erwartet abgeschwächt habe. Schon im Februar hatte er gesagt, der Konzern hätte schon 2011 mehr ins Internetgeschäft investieren können - zu Lasten der Kataloge. 2010 steckte er noch zwei Drittel des Werbebudgets ins „Print“-Geschäft, erzielte damit aber weniger als ein Drittel der Umsätze. Der Chef macht aber geltend, seit seinem Amtsantritt 2009 das Defizit stark verringert (siehe Grafik) und den Handel mit Möbeln wie Unterhaltungselektronik ausgebaut zu haben. Vor allem aber wachse Neckermann online mittlerweile stärker als der Markt - das sei 2009 noch umgekehrt gewesen.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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