Die Arbeitnehmervertreter kritisieren das bisherige Management.
Die Belegschaft des insolventen Versandhauses Neckermann setzt ihre ganze Hoffnung in den Insolvenzverwalter Michael Frege und seinen Kollegen Joachim Kühne. Wie Bernhard Schiederig, Fachbereichsleiter Handel bei der Gewerkschaft Verdi in Hessen, am Freitag nach einer ersten Mitarbeiterversammlung sagte, habe Frege der Belegschaft, die sich des Ernstes der Lage natürlich voll bewusst sei, dennoch mit der Ankündigung Mut machen können, dass er alles tun wolle, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten, und es keinen Grund gebe, jetzt den „Kopf in den Sand zu stecken“.
In der ersten Mitteilung als Insolvenzverwalter hob Frege hervor, dass die Geschäfte weitergeführt und alle Gewährleistungen eingehalten würden. Der Versand bestellter Ware soll von der nächsten Woche an wieder planmäßig weiterlaufen. „Es ist jetzt wichtig, dass die Kunden spüren: Verkauf, Versand und Service gehen weiter“, sagte Frege nach der Mitarbeiterversammlung. Auch die Belegschaft müsse wissen, woran sie sei.
Erklärtes Ziel: einen neuen Investor für Neckermann finden
Als erstes und entscheidendes Ziel nannte Frege, einen neuen Investor für Neckermann zu finden. Zuvor hatte er allerdings auch klar formuliert, dass es gerade in einem so hart umkämpften Markt wie dem Handel keine leichte Aufgabe sein werde, ein in eine schwere Schieflage geratenes Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen.
Wie es gestern weiter hieß, haben schon erste Interessenten bei der Unternehmensleitung „angeklopft“. Näheres wurde dazu allerdings nicht mitgeteilt. Derweil kritisierte am Freitag Wolfgang Thurner, Gewerkschaftssekretär bei Verdi im Fachbereich Handel und Aufsichtsratsmitglied bei Neckermann, das bisherige Management. Es habe nicht entschieden genug den Wechsel vom Katalogversender zum Online-Händler vorangetrieben. Dadurch sei wichtige Zeit verlorengegangen.
Priorität hat das Onlinegeschäft
Nach einem Weiterführungskonzept der Arbeitnehmerseite soll das Online-Geschäft bei Neckermann künftig nur noch mit dünnen Verkaufsheften unterstützt werden statt mit einem dicken Hauptkatalog. Auf diese Weise senke man Kosten und erreiche trotzdem sowohl die internetaffine Kundschaft wie auch diejenigen, die lieber noch mit Karte und gedruckter Präsentation Ware orderten, erläuterte Thurner.
Ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt des Arbeitnehmervertreters ist der Verzicht auf die Eigenmarken bei Textilien. Damit sei eigentlich vergleichsweise viel Geld zu verdienen, ist sich Thurner sicher. Zudem sei damit die Logistik gut auszulasten, die das bisherige Management hat schließen wollen. Das hätte - unabhängig von der Insolvenz - 1380 Arbeitsplätze gekostet. Am Freitag hat die Arbeitnehmerseite ihre Weiterführungskonzept dem Insolvenzverwalter überreicht, der Thurner zufolge eine genaue Prüfung zugesagt hat.