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Veröffentlicht: 22.02.2013, 12:45 Uhr

Naturschutz Neue Fische für Hessens Flüsse

Eine Zeit lang boten hessische Flüsse kaum noch Lebensräume für Fische. Heute sind Aale, Lachse, Forellen und Elritzen wieder da. Aus Sicht von Ökologen muss aber noch mehr getan werden.

© dpa Neue Fische für den Main: Ein junger Hecht wird im Osthafen ausgesetzt

Noch in den 1970er Jahren galten die Fische in hessischen Flüssen fast als ausgerottet. Im Main überlebten damals einige Rotaugen und Brachsen. Inzwischen schlängeln sich wieder Aale in der Lahn, Forellen in der Nidda und Lachse in Main und Weil. Mit Fisch-Aussetzungen, Brutanstalten, Wanderungs- und Laich-Hilfen bringen Behörden und Naturschützer mehr Fauna in die Flüsse.

Doch so reich wie vor dem Bau der ersten Stauwehre im 17. Jahrhundert sind die Fischgründe noch lange nicht. Zu viele Wanderfische werden in den Turbinen von Wasserkraftwerken zerstückelt, klagt der Verband Hessischer Fischer. Und der Gewässerökologe Gottfried Lehr fordert mehr Flachwasserzonen und den Abbau aller nicht unbedingt notwendigen Stauwehre.

Die Bitterlinge „vermehren sich wie blöd“

Der Ingenieur aus Bad Vilbel kennt die heimische Nidda noch als Kanal, der das Regenwasser schnell in den Main spülen sollte, um die Wetterau vor Überflutungen zu schützen. Für Jungfische war der Fluss viel zu unruhig. Seit Jahrzehnten konzipiert Lehr deshalb Schlaufen, künstliche Sandbänke und Überflutungsräume. Sponsoren und Naturschutzbehörden sorgen für Finanzierung und Bau.

Jetzt gebe es wieder Barben und Nasen und sogar den seltenen Schneider in der Nidda. Im Unterlauf habe man die einst hier ausgestorbene Hasel gesichtet. Die kleinen Bitterlinge „vermehren sich wie blöd“, sagt Lehr. Sie lebten in einer Symbiose mit Flussmuscheln, die nun häufiger zu finden seien. Im Nebenfluss Usa gebe es sogar wieder Elritzen: „Es ist unglaublich, was sich da tut.“

Jungfische dank „Lachs 2020“

Seit 2009 setzen Angler und Naturschützer jeweils im Herbst tausende junge Forellen in Nidda und Usa aus - in der Hoffnung, dass sie alle Stauwehre bis zum Rhein überwinden und nach ihrem Lebenszyklus an den Küsten Norwegens und Islands zum Laichen wieder in die hessischen Flüsse finden. „Die ersten Rückkehrer haben wir schon gesichtet“, berichtet der Ökologe Lehr.

Erfolge melden die Naturschützer und die für Fischerei zuständigen Regierungspräsidien auch bei der Fisch-Ansiedlung in Fulda und Eder, bei der Einbürgerung von Lachsen in der Lahn und der Weil. Allerdings scheitern die erwachsenen Lachse bei der Rückkehr vom Atlantik in die Lahn schon an der hohen Staustufe bei Lahnstein in Rheinland-Pfalz. Im Rahmen des europäischen Projekts „Lachs 2020“ ist deshalb in Aumenau eine Brutanstalt gebaut worden. Dort zieht man Jungfische aus den befruchteten Eiern der vor der Staustufe gefangenen Lachse und setzt den Nachwuchs dann in die Flüsse.

Staustufen müssen verschwinden

Die Staustufen werden im Zeichen der Energiewende zu Laufwasserkraftwerken ausgebaut. Die Turbinen zerstückelten bis zu 90 Prozent der wandernden Fische, klagt Günter Hoff-Schramm vom Verband Hessischer Fischer in Wiesbaden. Der Naturschützer Winfried Klein fand nach eigenen Angaben am 6. November letzten Jahres 45 Kilo toter Aale an einem Wasserkraftwerk an der Lahn. Dabei sei in jener Nacht nur eine der beiden Turbinen in Betrieb gewesen.

Jede nicht unbedingt notwendige Staustufe müsse verschwinden, fordert daher der Gewässerökologe Lehr. An der Kinzig, der Gersprenz, am Schwarzbach und anderen Flüssen ist man schon dabei. Den größten Handlungsbedarf sehen Lehr und Fischer-Funktionär Hoff-Schramm am Main: Der sei von der Mündung bis Bamberg durch 33 Wehre zu einer Kette von Stauseen degradiert.

Ruhige Schutzzonen für Maifische

Trotzdem wird der Main insgesamt durchlässiger. Eine neue Fischpassage soll bis 2015 in Eddersheim entstehen. Und das Wasserkraftwerk an der Offenbacher Schleuse will der Stromerzeuger Eon für Aale ungefährlicher machen. Geplant ist die Installation eines „Migromat“. Er besteht aus zwei Behältern, in denen einige Aale in der Strömung gehalten werden. Sobald die Wanderzeit gekommen ist, werden sie unruhig. Funkchips sollen das einer Leitstelle melden, die dann das Wehr für einige Tage absenkt. Auch andere Wehre müsse man für die Fische zeitweise tieferlegen, fordert der Ökologe Lehr.

Ruhige Schutzzonen für junge Maifische und andere Arten will das Frankfurter Umweltamt zusätzlich schaffen. Parallel zum Ufer laufende Steinschüttungen sollen bald den Wellenschlag der Schiffe abhalten. Die Steine werden auch nahe der Alten und der Ignatz-Bubis-Brücke im Stadtzentrum zu sehen sein. „Der Bau kostet Millionen“, schätzt Sachbearbeiter Rainer Zimmermann. Man werde dafür Ausgleichszahlungen von Bauherren für neue Gebäude und Straßenversiegelungen nutzen.

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Quelle: LHE

 

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